Droht Serbien ein Regime-Change?

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Dass die Großmächte ihre Gegensätze auf dem Balkan austragen, ist nicht neu. Auch heute steht Belgrad im Spannungsfeld zwischen Moskau und Washington. Nur fordert Russland Serbien nicht auf, seine Beziehungen zu den USA abzubrechen – die Amerikaner aber schon, sagte ein Berater des serbischen Präsidenten im Sputnik-Interview.
 
Da reist der russische Verteidigungsminister Sergej Schojgu nach Belgrad und schon fordert das US-Außenministerium von der serbischen Führung Konsequenzen.
 
Der stellvertretende Staatssekretär für europäische und eurasische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, Hoyt Brian Yee, hatte letzte Woche bei einem Besuch in Belgrad die serbische Führung aufgefordert, sich endlich auf die Annäherung an die EU zu konzentrieren, statt stets zwischen Russland und dem Westen zu balancieren. Dies setzt laut dem US-Politiker auch eine Neubewertung der Zusammenarbeit mit Moskau voraus.
 
„Es ist doch ein interessanter Punkt: Vonseiten Russlands sind keine Forderungen zum Abbruch der Zusammenarbeit mit den USA zu hören“, sagte der Präsidentenberater Aleksandar Vranjes im Gespräch mit „Sputnik“. Dies zeige eine „gewisse Nervosität und Schwäche der Vereinigten Staaten. Denn so gehen Großmächte mit kleineren Ländern eigentlich nicht um.“
 
In wessen Namen der stellvertretende Staatssekretär solche Erklärungen abgebe, sei indes eine große Frage, gibt der serbische Experte zu bedenken. Die aktuelle Lage im US-Außenministerium und der Trump-Administration lasse nicht wirklich erkennen, wen Hoyt Brian Yee repräsentiere, sagte Vranjes.
 
„Ist es nun dessen eigene Ansicht oder die der vorherigen Administration? Sicherlich nicht die der jetzigen. Möglicherweise bringt er inoffizielle Ansichten zum Ausdruck. Jedenfalls war sein Verhalten einfach unprofessionell, um nicht zu sagen undiplomatisch“, so der Präsidentenberater.
 
Eine „Protestnote“ gegen dieses undiplomatische Verhalten werde Belgrad natürlich nicht einlegen, sagt der Experte weiter. Was sollte dies auch bringen, wenn man es mit den Vereinigten Staaten zu tun habe? „Aber allzu ernstnehmen sollte man diese ganze Situation auch wieder nicht.“
 
Hätte es sich bei der Forderung des stellvertretenden Staatsministers um die Androhung eines Regime-Changes gehandelt, hätte Washington diesen sicherlich nicht in aller Öffentlichkeit angekündigt: „Bislang haben die Vereinigten Staaten ihre Farbrevolutionen immer verdeckt von den Medien organisiert. Ich kann mich nicht entsinnen, dass die Orangene Revolution in der Ukraine etwa vorher verlautbart wurde.“
 
Ein Widerspruch im Verhalten des Vize-Staatssekretärs falle jedoch auf: „Einerseits betont man ständig, wie unbedeutend unser Land ist, andererseits werden wir ständig in Intrigen von globalem Ausmaß hineingezogen.“ Und es ist ein ganz einfacher Schritt, denn Serbien machen sollte: „Wir sollten sagen: Lasst uns einfach in Ruhe“, so der Berater.
 
Quelle: Sputniknews

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