60 Jahre blockfreie Staaten: Jubiläumskonferenz in Belgrad

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Bei der Gründung der Blockfreien waren viele prominente Staatschefs der 1960er in Belgrad
Foto: Muzej istorije Jugoslavije

In Belgrad gibt es heute Feierlichkeiten der besonderen Art. Denn heute jährt sich zum sechzigsten Male die Gründung der Bewegung der Blockfreien Staaten.

Deren erste Konferenz fand 1961 in der damals jugoslawischen Hauptstadt statt.

Jugoslawien war dabei nicht nur eines der Gründungsmitglieder, sondern über Jahrzehnte auch eines der wichtigsten, wenn nicht sogar das wichtigste Mitglied.

Bereits die Initiative zur Gründung der Bewegung ging damals vom jugoslawischen Staatschef Josip Broz Tito, dem indischen Premier Nehru, Ägyptens Staatspräsidenten Abdel Nasser und dem indonesischen Präsidenten Sukarno aus.

Das Ziel der Bewegung war es ein Gegengewicht zwischen den Staaten des Westens und dem Ostblock zu bilden, welche sich im Kalten Krieg gegenüberstanden.

Zudem sollte die Vereinigung gerade den Schwellen- und Entwicklungsländern internationale eine gemeinsame Stimme geben sowie wirtschaftliche und politische Kooperationen zwischen ihnen fördern. Gerade zum Ende des Kolonialismus in den 1960ern verzeichnete die Bewegung einen schnellen Mitgliederzuwachs. Alsbald schlossen sich mehr als 120 Staaten an.

Für jeweils drei Jahre übernahm ein Mitgliedsstaat den Vorsitz. In seiner Hauptstadt wurden dann die Gipfelkonferenzen abgehalten. Jugoslawien stand dabei zweimal der Bewegung vor. Einmal von 1961 bis 1964 und schließlich ein zweites Mal von 1989 bis 1992.

Niedergang in den 1990er Jahren

Tragisch war, dass beim Gipfel 1989 Jugoslawiens damaliger Präsident Janez Drnovšek und der damalige Außenminister Budimir Lončar noch einmal die weltpolitische Größe Jugoslawiens repräsentieren konnten, bevor das Land unterging. Denn aufgrund des ausbrechenden Krieges verlor Jugoslawien schließlich sogar seinen Mitgliedsstatus.

Aber auch der Bewegung sollte es nicht viel besser ergehen.

Nach dem Ende des Kalten Krieges und dem Zusammenbruch Jugoslawiens verlor die Blockfreien-Bewegung einen Großteil ihrer Bedeutung. Sie existierte aber weiter und wurde in den 1990ern vor allem von Kuba, einem anderen langjährigen Mitglied, weiter am Leben gehalten.

Aber inzwischen, nicht zuletzt aufgrund der Globalisierung, gewann sie in den letzten Jahren wieder mehr an Bedeutung.

Die Blockfreien haben wieder an Bedeutung gewonnen

Schon 2011 hatte es unter dem damaligen serbischen Präsidenten Boris Tadić eine große Jubiläumskonferenz gegeben. Damals nahmen bereits wieder knapp 100 ausländische Delegationen teil. Und dies immerhin, obwohl Serbien selbst gar kein Vollmitglied mehr ist. Denn die Länder Ex-Jugoslawiens haben bis heute nur noch Beobachterstatus in der Bewegung.

Der jetzige runde Geburtstag der Bewegung ist somit denn auch ein Anlass, den sich die heutige Politik nicht entgehen lassen will.

Seit den Morgenstunden begrüßen Serbiens Präsident Aleksandar Vučić und die Mitglieder der serbischen Regierung die ankommenden Delegationen.

Serbiens Außenminister Nikola Selaković, angesichts der Organisation der Großveranstaltung voller Stolz, sagte bereits, dass es zwar Serbiens strategisches Ziel sei, Mitglied der EU zu werden. Man wolle aber weiter treu zu seinen Freunden stehen. Und zu diesen gehörten „nicht nur Russland und China, sondern auch die Mitglieder der Bewegung der Blockfreien“.

Serbien profitiert bis heute von seinen guten Kontakten in die Welt

Tatsächlich profitiert Serbien bis heute von der Bewegung. Denn durch diese hat unser Land einen nach wie vor hervorragenden diplomatischen Zugang zu vielen anderen UN-Staaten. Dies zahlt sich nicht nur bei wirtschaftlichen Projekten, sondern auch bei der Außenpolitik aus.

Serbiens diplomatisches Ringen um den Kosovo wäre bisher sicherlich längst nicht so erfolgreich gewesen, wenn es nicht einen guten Draht zu den meisten dieser Länder hätte.

Denn mit nach wie vor 120 Mitgliedsstaaten und 17 Beobachtern ist die Bewegung der Blockfreien die größte Staatenorganisation nach den Vereinten Nationen. Zudem sind die bei den Vereinten Nationen tonangebenden Staaten des Westens, allen voran die USA, in der Bewegung natürlich nicht vertreten.

Auch Russland als Nachfolgerin der UdSSR ist nicht dabei. China wiederum hat auch nur einen Beobachterstatus.

Aber natürlich sind Beijing und Moskau zu diesem Anlass ebenfalls mit Delegationen angereist. Dementsprechend hoch sind auch die Sicherheitsvorkehrungen auf dem Veranstaltungsort, dem Belgrader Messegelände, für die angesetzten zwei Tage der Konferenz.

Bei dieser Vielzahl und der Bedeutung der Gäste kann Serbien aber politisch nur profitieren. Selsbt wenn der Aufwand für solch ein großes Gipfeltreffen auch immens sein mag.

Oder was meint Ihr? Sollte sich Serbien vielleicht sogar wieder um eine Vollmitgliedschaft bewerben oder haben die Blockfreien eigentlich ausgedient? Schreibt uns Eure Meinungen in die Kommentare.

Quelle: politika.rs

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