Alarmzustand in Südserbien wegen Corona

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Mediziner im Schutzanzug in Vranje
Foto: J.S.

Das Coronavirus breitet sich immer rasanter im Süden Serbiens aus. Die Krankenhäuser sind bereits voll mit neuen Patienten, die Schulen gehen wieder zum Onlineunterricht über.

Ganz besonders ist Vranje betroffen.

Der Epidemiologe am Gesundheitszentrum von Vranje, Dr. Slađan Stanković, bezeichnete die Lage in der Stadt als „außergewöhnlich und extrem angespannt“.

Schutzmaßnahmen wie Schulschließungen gelten für zwei Wochen. Davon ist allerdings bereits eine verstrichen, ohne dass die Lage irgendein Zeichen von Entspannung zeigt. Laut Stanković sind die hohen Fallzahlen in der Stadt vor allem auf die Nichteinhaltung der bestehenden Regeln zurückzuführen. Die Menschen hätten in der Gastronomie nicht auf ausreichend Abstand geachtet, auch hätten private Feiern enorm zur Ausbretung des Virus beigetragen.

Weiterhin habe auch der Grenzverkehr mit Nordmazedonien die Gesundheitslage in der Stadt verschärft. Denn viele Nordmazedonier kommen zum Einkaufen in die südserbische Stadt.

Besonders problematisch sei allerdings der nachlassende Wille in der Bevölkerung, sich weiter an die Hygiene- und Abstandsregeln zu halten.

Auch Dr. Branislav Tiodorović, einer der prominenten Epidemiologen des Krisenstabs stimmt dem zu. Er selbst hat inzwischen Vranje besucht, um sich ein Bild von der Lage vor Ort zu machen.

„Die epidemiologische Situation in Vranje ist außergewöhnlich. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die bestehenden Maßnahmen nicht in der Intensität und mit dem Umfang umgesetzt werden, wie es sein sollte, sowohl von der Bevölkerung wie auch von den Kontrollstellen“, so Tiodorović.

Weitere Einschränkungen des öffentlichen Lebens seien in der Region kaum noch zu vermeiden. Zudem gibt es nun mit der Ausbreitung der britischen Mutation des Coronavirus neue Gefahren.

Britische Coronamutation auf dem Vormarsch

Dr. Predrag Kon, ebenfalls Mitglied im Krisenstab der Regierung, warnte davor, dass die britische Variante des Virus inzwischen stärker in der Bevölkerung verbreitet sei, als angenommen. Diese sei weitaus aggressiver in der Ausbreitung, was ebenfalls zu den hohen Fallzahlen in Vranje beitragen könnte.

Allerdings gibt es bisher noch nicht ausreichend Daten, um diese These zu stützen. Denn eine dafür notwendige Sequenzierung des Virus habe bei den Fällen in Vranje bisher nicht stattgefunden.

Dr. Stanković aus Vranje hat aber ebenfalls den Eindruck, dass sich die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Erregers erhöht habe. Dies macht es wahrscheinlicher, dass es sich um einen anderen Virusstamm als den früheren handelt.

In Vranje wurden an einem Tag 101 neue Infektionen festgestellt. Dies mag sich nach wenig anhören, insbesondere wenn man sie mit den absoluten Zahlen aus Belgrad und Serbien insgesamt vergleicht. Wenn man allerdings die Einwohnerzahlen von Vranje und Belgrad in Relation setzt, ergibt sich für die südserbische Stadt eine um den Faktor 20 höhere Infektionszahl.

Die neuen Coronaerkankungen treten besonders unter der erwerbstätigen Bevölkerung auf. In zunehmenden Maße sind es aber auch Kinder im Vorschul- und Schulalter, die sich infizieren und erkranken. Die Mediziner im Coronakrisenstab der Regierung hatten sich daher aufgrund der epidemiologischen Lage bereits vor Tagen für einen neuen Lockdown ausgesprochen.

Sollten die Maßnahmen, zumindest lokal oder regional, verschärft werden? Schreibt uns Eure Meinungen in die Kommentare.

Quelle: novosti.rs

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