Auch im Winter: Parks sind die neuen Ausgehmeilen

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Foto: M. Ćurčić

Wenn Cafés, Clubs und Bars geschlossen sind, suchen sich die serbischen Bürger neue Möglichkeiten der Zusammenkunft. Denn während derlei Einrichtungen gegenwärtig nur bis 17 Uhr geöffnet haben, zieht es die Menschen dennoch zusammen, um in geselliger Runde Freunde und Bekannte zu treffen.

Auch im Winter wollen zudem viele der häuslichen Enge entfliehen und für ein paar Stunden Unterhaltung und Ablenkung in diesen schwierigen Zeiten suchen.

Daher ist es kaum verwunderlich, dass sich gerade öffentliche Parks auch in den späten Abendstunden zu beliebten Treffpunkten entwickelt haben.

Trotz winterlicher Temperaturen kann man hier viele Menschen treffen. Meistens sind es Jugendliche, die in den Parks von Belgrad spazieren gehen, auch wenn wahrscheinlich alle bei der kalten Dezemberluft lieber im Warmen sitzen würden. Man sieht jedoch auch viele ältere Menschen, die mit ihren Haustieren noch zu später Stunde in die Grünanlagen gehen. Auch Familien mit Kindern wagen drehen gerne noch abends eine Runde im Park.

Während die Hauptstadt selbst aufgrund der Pandemiemaßnahmen noch vor Einbruch der Dunkelheit bereits in Stille versinkt, verlagert sich das Leben am Abend zunehmend in die ansonsten ruhigen Stadtparks.

Die Händler und Supermärkte freut es

Die Jugendlichen, auch ansonsten gerne bereit bis in die frühen Morgenstunden unterwegs zu sein, versuchen das Beste aus der schwierigen Lage zu machen.

„Wir kaufen Snacks, Saft und Bier und hängen dann einfach ein bisschen draußen unter dem freien Himmel rum. Natürlich verbringen wir keine Stunden hier, dafür ist es einfach zu kalt“, entgegnen auf Nachfrage ein paar junge Leute.

Parkanlagen wie der Park Vojvode Vuka, der Studentski Park oder auch die Grünanlagen von Kalemegdan werden so zu regelrechten Ausgehmeilen. Natürlich gibt es hier keine „Stammgäste“, aber wann immer sich die Möglichkeit bietet, sind die Jugendlichen unterwegs.

Auf dem Kalemegdan haben sich die Verkäufer dem Andrang angepasst. Sie nutzen die Chance, solange Cafés und Bars am Abend geschlossen bleiben, und verkaufen Glühwein. Viele Jugendliche können sich die Preise von 200 Dinar jedoch nicht leisten.

So profitieren denn auch die umliegenden Supermärkte. Denn bevor man seine Schulfreunde und Kumpels trifft, rüstet man sich erst einmal mit Getränken aus. Mit vollgepackten Taschen geht es dann ins Grüne, auch wenn die Kälte alles andere als einladend ist.

Die Menschen sind sich des Risikos bewusst

Darauf angesprochen, ob dieses Verhalten nicht fahrlässig oder gar gefährlich sei, haben die jungen Leute eine klare Antwort. Sie sagen, dass sie jeden Tag von der Gefahr einer weiteren Ausbreitung des Coronavirus hören und sie sich bewusst seien, dass die Lage mehr als ernst ist. Aber was soll man machen?

Viele kennen auch bereits Geschichten aus dem persönlichen Umfeld, von Familienmitgliedern oder Freunden, die erkrankt seien. Nicht wenige berichten auch von dem Überlebenskampf, den ein naher Verwandter durchstehen musste, da die Erkrankung einen schweren Verlauf nahm.

Sobald jedoch einer den Vorschlag zu einem Treffen im Park mache, breche einfach das Eis. Dann könne keiner zuhause sitzen, sagen sie.

Aber auch wenn das Verhalten der Menschen nachvollziehbar ist, darf dennoch nicht vergessen werden, dass man sich selbst draußen infizieren kann. Nicht umsonst wird seit Beginn der Pandemie neben dem Tragen von Masken zu sozialer Distanz aufgerufen. In der Krise, je länger sie andauert, wird aber gerade dies zu einer immer größeren Belastungsprobe.

Werden auf diese Weise nicht die staatlichen Coronamaßnahmen untergraben? Oder ist es in Ordnung, dass die Menschen sich einfach derlei Alternativen zu Kneipen und Cafés suchen? Schreibt uns Eure Meinungen in die Kommentare.

Quelle: politika.rs

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