Brnabić spricht mit Erdoğan über die Zukunft Südosteuropas

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Serbiens Premierministerin Ana Brnabic und der türkische Präsident Erdogan
Foto: Beta/Vlada Srbije/Slobodan Miljević

Im Rahmen eines Gipfeltreffens des sogenannten Südosteuropäischen Kooperationsprozesses hat sich Serbiens Ministerpräsidentin Ana Brnabić sich gestern mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan getroffen. Insgesamt sprachen die beiden gut 45 Minuten hinter verschlossenen Türen.

Dabei kam auch der von der EU geleitete „Dialog“ zwischen Belgrad und Priština zur Sprache, wie Brnabić der Presse erklärte. Im Grund gab es auch kein Entkommen. Denn die Kosovo-Albaner waren ebenfalls bei dem Treffen des Kooperationsrates dabei. Lautstark forderte deren „Präsidentin“ Vjosa Osmani, die Gipfelteilnehmer auf, die „Republik Kosovo“ anzuerkennen.

Nervig, aber was anderes war auch nicht zu erwarten. Von serbischer Seite kam auch prompt die Anmerkung, dass derlei Forderungen nichts mit dem vorab beschlossenen Protokoll und der Tagesordnung zu tun hätte. Derlei Dinge wären nichts anderes als eine Beleidigung der Gipfelteilnehmer.

Brnabić zeigte sich hingegen aber auch bei diesem Thema zufrieden. Denn in der auf dem Gipfel beschlossenen Strategie für 2020 wurde der Name Kosovo grundsätzlich mit Sternchen und Fußnote geschrieben. Die Fußnote erläuterte dann, dass es sich beim Kosovo eben um keinen souveränen Staat handelt.

Wohlgemerkt stand diese Anmerkung auf jeder Seite, auf welcher der Kosovo erwähnt wurde. Den Mitgliedern der Delegation aus Priština stieg daher die Zornesröte ins Gesicht. Osmani merkte an, dass es ausgereicht hätte, dies nur bei der erstmaligen Nennung zu tun. Aber Ordnung muss sein, selbst wenn das den Separatisten übel aufstößt.

Brnabić fand denn auch passende Worte. „Es ist offensichtlich, dass sie sich nur dann auf das Brüsseler Abkommen beziehen, wenn es ihnen passt. Trotzdem kann ich meine Freude deswegen nicht verbergen und hoffe, dass wir zu jener Vereinbarung zurückkehren“, sagte sie.

Serbisch-türkische Handelsbeziehungen wachsen

Abseits dessen gibt es gute Nachrichten von den serbisch-türkischen Beziehungen. Das Handelsvolumen erreichte im letzten Jahr einen neuen Rekordwert von einer Milliarde und 320 Millionen Euro, wie Erdoğan erklärte. Man sei auf einem guten Weg, um auch weiterhin das wirtschaftliche Wachstum zu stärken.

Am Gipfeltreffen im türkischen Urlaubsort Antalya nahmen neben der serbischen Delegation auch die Präsidenten von Montenegro und Nordmazedonien, Milo Đukanović und Stevo Pendarovski, der Vorsitzende des Präsidiums von Bosnien und Herzegowina, Andrej Plenković, die Präsidentin der „Republik Kosovo“, Vjosa Osmani und andere teil. Aus der EU war auch deren Hoher Vertreter, Josip Borrell, angereist.

Auf dem Gipfeltreffen selbst standen derweil andere Themen auf der Tagesordnung, insbesondere die durch die Coronapandemie verursachten sozialen, wirtschaftlichen und politischen Verwerfungen. Auch sprachen die Teilnehmer über das sogenannte „kleine Schengen“.

Das Ziel Serbiens und der Türkei bleibt der EU-Beitritt

Erdoğan bekräftigte zudem den Wunsch der Türkei auch weiterhin eine Annäherung an die Europäische Union zu betreiben.

Das Ziel sei letztendlich die Vollmitgliedschaft seines Landes, trotz aller Konfrontationen und Ungerechtigkeiten, wie er betonte. „Wir wollen, dass unser Kampf um die Vollmitgliedschaft, den wir inzwischen ein halbes Jahrhundert lang beharrlich und mit Geduld geführt haben, beendet wird“, so der türkische Präsident.

Der serbische Außenminister Nikola Selaković bekräftigte diesen Wunsch auch für unser Land. Er betonte, dass Belgrad entschlossen sei, alle offenen Fragen im Dialog, in gutem Glauben und in Übereinstimmung mit den Grundsätzen des Völkerrechts zu lösen. Zudem erinnerte er daran, dass Serbien gerade in der Coronakrise sehr solidarisch zu seinen Nachbarn gewesen sei.

Der Kooperationsprozess soll die Zusammenarbeit der südosteuropäischen Länder koordinieren helfen und so Frieden, politische Stabilität und vor allem Wirtschaftswachstum in der Region fördern. Ins Leben gerufen wurde der Prozess ursprünglich 1996 von Bulgarien. Das nächste Treffen dieser Art wird wahrscheinlich in Belgrad stattfinden.

Sollten Länder wie Serbien sich weiter in Richtung EU orientieren? Was haltet Ihr von dem nervigen Auftritt der kosovarischen Delegation? Schreibt uns Eure Meinungen in die Kommentare.

Quelle: politika.rs

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