Der größte Serienmörder Serbiens war…eine alte Frau

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Anujka beim Pilzesammeln
Foto: Jutjub/Printskrin

Denkt man an Serienmörder fallen einem schnell Namen wie Hannibal Lecter oder Jeffrey Dahmer ein. Unser Bild von diesen Kriminellen ist vor allem nicht zuletzt durch das Kino aus Hollywood geprägt worden.

Kaum jemand weiß aber, dass es dieses Phänomen auch in Serbien gab und gibt. Und die größte unter ihnen war eine alte Frau namens Baka Anujka.

Über 100 Menschen soll sie über die Jahre ermordet haben. Dabei half ihr, dass viele Menschen dachten, dass sie eine leibhaftige Hexe sei.

Anujka di Pištonja wurde ihm Jahr 1838 in Rumänien geboren. Ihre Familie zog 1848 ins Banat, wo sie sich im Dorf Vladimirovac niederließ. Damals gehörte das Banat noch zur Habsburgermonarchie. Viele Daten zu Anujkas frühem Leben sind unbekannt. Man weiß aber, dass das kleine Mädchen hochintelligent war. Deshalb schickten ihre Eltern es auch auf eine Privatschule in Pančevo.

Im Alter von zwanzig Jahren geschah etwas, was Anujkas Leben für immer aus der Bahn geworfen zu haben scheint. Ein junger österreichischer Offizier verführte sie und versprach ihr die große Liebe. Tatsächlich ließ er sie mit einer Syphiliserkrankung und gebrochenem Herzen zurück.

Für lange Zeit hielt sie sich dann von Männern fern. Ihr Interesse lag vielmehr bei der Medizin und bei der Chemie. Gerade für eine Frau im 19. Jahrhundert war dies allein schon mehr als außergewöhnlich. Auch soll sie bis zu fünf Sprachen gesprochen haben.

Später schenkte sie doch noch einmal einem Mann ihr Herz. Sie heiratete den wesentlich älteren Gutsbesitzer Gustav Pistov oder di Pištonja. Zusammen hatten sie elf Kinder, von denen jedoch nur ein einziges das Erwachsenenalter erreichte.

Nach zwanzig Jahren Ehe verstarb auch ihr Mann und in Anujka erwachte erneut ihre Leidenschaft für Chemie. Angeblich baute sie sich sogar ein regelrechtes Laboratorium in ihrem Haus.

Sie wurde zur „Hexe von Vladimirovac“

In ihrem Dorf fingen die Menschen allmählich an zu glauben, dass sie mit Magie zu tun habe. Viele Menschen wandten sich an „Oma Anujka“ um Ratschläge zu erhalten oder sich auch das ein oder andere Wundermittel zu holen.

Denn Anujka war dafür bekannt, dass sie Liebeszauber vollführen, Krankheiten heilen, Männer vor dem Wehrdienst schützen oder sogar auf Wunsch jemanden töten könne. Anujka hatte für diesen besonderen Kundenwunsch eine giftige Tinktur zuhause.

Ihre Kenntnisse in Medizin und Chemie waren so groß, dass sie ganz genau wusste, welche Dosis ihres Giftes ausreichen würde, um einen Menschen zu töten, exakt abgestimmt auf sein Körpergewicht. Angeblich konnte sie sogar genau vorausberechnen, ab welchem Zeitpunkt die tödliche Wirkung einsetzen würde.

Die meisten ihrer Opfer waren junge und eigentlich gesunde Männer. Wie viele ihrer Kunden und Kundinnen später vor Gericht aussagten, hätten sie nicht gewusst, um was es sich bei dem Mittel handelte. Alle glaubten angeblich, dass es sich tatsächlich um einen Zaubertrank handelte.

Hinzukam, dass Oma Anujka es verstand, Schüler und Anhänger für ihre Künste zu gewinnen. Diese setzten ihr Handwerk an anderen Orten in der Region fort, vergifteten weitere unschuldige Menschen und brachten unsagbares Leid über ganze Familien.

Um die Sache noch schlimmer zu machen, wurde Oma Anujka auch noch sehr alt, bei bester Gesundheit. Mehr als fünfzig Jahre lang versetzte sie Vladimirovac in Angst und Schrecken. Viele aus dem Dorf und aus der näheren Umgebung hatten Angst vor ihr.

Auch verstand es Anujka, den Aberglauben der Menschen geschickt für sich auszunutzen. „Wenn ein Kunde zu ihr kam, verlangte sie, dass er ihr einen weißen und einen schwarzen Hahn sowie etwas Asche und verschiedene Kräuter bringen würde. Dann braute sie die Zutaten zusammen und flüsterte dabei unverständliche Worte“, berichteten Zeugen später.

Zudem konnte ihr auch lange Zeit nichts nachgewiesen werden, da die Hinterbliebenen ihrer Opfer Autopsien ablehnten, teils aufgrund ihrer eigenen Überzeugungen, teils weil sie selbst das Gift in Auftrag gegeben hatten.

Eines Tages vergiftete sie das falsche Opfer

Eines Tages geschah es jedoch, dass sie einen reichen und bekannten Bauern aus der Umgebung vergiftete. Eine gerichtsmedizinische Untersuchung konnte jetzt einfach nicht mehr verhindert werden.

Tatsächlich konnte das Gericht herausfinden, dass ihr Opfer an einer Arsenvergiftung verstorben war. Eine Obduktion anderer Leichen ergab dasselbe. Damit war der Spuk um „die Hexe des Banats“ vorbei.

Tatsächlich begann der Prozess am Bezirksgericht in Pančevo jedoch erst im Juni 1929. Wenn man sich ihr Geburtsdatum anschaut, kann man daher auch erschrecken, wie lang sie ihr schändliches Handwerk vollbrachte.

Denn die „Hexe“ war zum Prozessbeginn schon über 90 Jahre alt.

Es wurden weitere Exhumierungen vorgenommen. Denn immer mehr Verdachtsfälle kamen auf, bei denen Oma Anujka unschuldige Menschen aus dem Leben befördert haben sollte. Neben Arsen fanden die Gerichtsmediziner tatsächlich auch Spuren von Quecksilber. Zudem fand sich auch einer ihrer Schüler bereit gegen die „Hexe“ auszusagen. Denn sie schuldete ihm noch Geld.

Manche Quellen besagen, dass die Serienmörderin nach acht Jahren bereits wieder aus dem Gefängnis entlassen wurde. Angeblich wohnte sie dann noch zwei weitere Jahre in ihrem Haus in Vladimirovac. Damit wäre sie mit ungefähr 100 Jahren gestorben.

Andere vermuten jedoch, dass sie sogar noch zu Beginn des Zweiten Weltkriegs in ihrer Zelle saß. Erst deutsche Soldaten hätten sie laufen gelassen. Dann wäre sie sogar 104 Jahre alt geworden.

Natürlich gibt es aber auch noch die Geschichten, dass sie bis heute im Banat ihre schwarzen Künste vollführt, aus Rache für ihre dereinst gekränkte Liebe.

Quelle: novosti.rs

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