Der kleine Unterschied: Frauen in Serbien nach wie vor benachteiligt

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Familienglück
Foto: EPA/Biel Alino

Das Amt für Statistik der Republik Serbien hat in seinem Bericht „Frauen und Männer in Serbien 2020“ neue Zahlen über das Geschlechterverhältnis im Land veröffentlicht.

Diese geben einige interessante Einblicke. So leben in Serbien gegenwärtig 180.000 mehr Frauen als Männer. Auch sind sie insgesamt gebildeter als die Männer.

Der Bericht kommt jedoch zu dem Schluss, dass Serbinnen im Berufsleben nach wie vor benachteiligt werden. Dies betrifft sowohl die Gehälter als auch den Kündigungsschutz.

Im Bereich der Bildung lassen sich klare Entwicklungen aufzeigen. So waren für das akademische Jahr 2019/2020 insgesamt 137.910 Mädchen und junge Frauen an Hochschulen und Universitäten eingeschrieben. Bei den Jungen waren es nur 104.058. Frauen studieren weiterhin eher soziale, medizinische oder künstlerische Fachrichtungen.

Junge Männer hingegen schrieben sich eher bei den Fakultäten für Elektrotechnik, Maschinenbau, Land- und Forstwirtschaft, Bauwesen und Veterinärmedizin ein.

Im akademischen Jahr 2019/2020 machten schafften 25.002 Frauen und 17.947 Männer ihren Abschluss. Einen Doktortitel erlangten weiterhin 448 Frauen und nur 334 Männer.

Bei Arbeit und Löhnen zeigt sich ein umgekehrtes Bild. So stehen 1.333.000 Männern nur 971.000 Frauen gegenüber, die einer regulären Beschäftigung nachgehen. Das Lohngefälle beträgt dabei 8,8 Prozent zugunsten der Männer.

Dies bedeutet, dass eine Frau mindestens 35 Tage im Jahr länger als ein Mann arbeiten müsste, um das gleiche Einkommen zu erzielen. Die größte geschlechtsspezifische Kluft auf dem Arbeitsmarkt besteht vor allem in der Altersgruppe der 55- bis 64-jährigen.

Im Durchschnitt heiratet die Serbin inzwischen mit 31 Jahren. Der durchschnittliche Mann geht etwa drei Jahre später den Bund fürs Leben ein. Wenn geheiratet wird, suchen sich beide in den meisten Fällen jemanden mit derselben Nationalität, demselben Bildungsgrad und demselben materiellen Status. Gesellschaftliche Barrieren sind demnach also eher undurchlässig.

Ein Drittel aller Männer und ein Viertel aller Frauen tragen übrigens keinen Ehering im Finger.

Traurig ist weiterhin, dass Serbien bei der Anzahl der Witwen einen Spitzenplatz in Europa einnimmt. Im Land gibt es insgesamt 560.000 Witwen und ca. 150.000 Witwer. Außer Russland hat kein anderer europäischer Staat so einen hohen prozentualen Anteil.

Große Unterschiede in der Politik und Justiz

Die letzten Parlamentswahlen haben weiterhin dafür gesorgt, dass es gegenwärtig zehn Ministerinnen und 13 Minister gibt. Im Parlament sitzen zudem 97 weibliche Abgeordnete 153 männlichen Abgeordneten gegenüber. Bei den Bürgermeistern sieht das Verhältnis noch krasser aus. Nur zehn Bürgermeisterinnen gibt es im Land, gegenüber 156 Bürgermeistern.

Allerdings sind fast zwei Drittel aller Richterposten mit Frauen besetzt, wobei 60 Prozent aller Staatsanwälte Männer sind.

Die Gleichstellungsbeauftragte der Regierung, Brankica Janković, findet denn auch klare Worte:

„Die Berufswahl zeigt die Kontinuität von Stereotypen, da Frauen seit Jahrzehnten dieselben weiterführenden Schulen besuchen und in denselben schlechter bezahlten Berufen arbeiten. Daher sind die Einkommensunterschiede auch logisch.

Ich treffe aber viele Mädchen, die sich inzwischen für die sogenannten Mint-Wissenschaften einschreiben und das freut mich wirklich sehr. Denn so werden sie mit der Zeit besser bezahlte Stellen bekommen.

Ich glaube auch, dass nach der Pandemie Berufe in den Bereichen Gesundheit und Soziales, welche bisher zu Unrecht zu den Niedriglohnstellen gehörten, aufgewertet werden. Dies war auch in der Justiz der Fall, aus welcher viele Männer in besser bezahlte Berufe „geflüchtet“ sind. Heute haben wir dort ein schwerwiegendes Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern.

Dass zwei Drittel der Richter Frauen sind, kann sicherlich nicht gut sein. Am erfolgreichsten sind jene Teams, in welchen es ein Gleichgewicht von Geschlecht und Alter gibt.“

Dies wirke sich in der Konsequenz auch ungünstig auf das Strafmaß bei Urteilen aus. Generell sind es jedoch gesellschaftlich verankerte Denkmuster, die durchbrochen werden sollen, wie die Expertin ausführt.

„Patriarchale Denkmuster diktieren weiterhin die Regeln des Zusammenlebens und erschweren es. Dies zeigt auch die Tatsache, dass 90 Prozent der Täter häuslicher Gewalt Männer sind“, erläutert Janković.

Glaubt Ihr auch, dass Frauen in Serbien gegenüber Männern benachteiligt sind? Seht Ihr dabei eine gesellschaftliche Veränderung? Schreibt uns Eure Meinungen in die Kommentare.

Quelle: politika.rs  

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