Deutschland während Corona: Ein Rückkehrabenteuer der besonderen Art

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Coronavirus Künstlerisch dargestellt
Foto: Pixabay/Gerd Altmann

Ein Leser informierte uns gerade über seine gestrige Rückreise von Serbien nach Deutschland und sein damit verbundenes Quarantäneabenteuer.

Vor Abflug aus Belgrad hatte er bereits beim Batut-Institut in Serbien einen PCR-Test auf Corona gemacht und sich, wie von der deutschen Bundesregierung gewünscht, digital für seine Heimreise angemeldet. Mit der Online-Anmeldung sollten seine Daten direkt an das Gesundheitsamt seines Wohnortes weitergeleitet werden.

Als deutscher Staatsbürger erhielt unser Leser bei der Einreiseanmeldung zudem ein Dokument, welches er während der gesamten Heimreise bei sich tragen sollte. Das Dokument besagte allerdings nur, dass er genau eine(!) Person sei, die deutsche Staatsangehörigkeit besitze sowie welchen Namen und welches Geburtsdatum er habe.

Dies allein scheint schon recht befremdlich, da jede Person ein eigenes Schriftstück ausfüllen muss. Namen und Geburtsdatum stehen zudem zusammen mit der Adresse im Reisepass. Die Informationen auf dem Stück Papier waren also bereits mehr als inhaltsleer. Am deutschen Flughafen schien man sich auch nicht wirklich für das Dokument zu interessieren – solange man es zumindest vorlegen konnte.

Da Serbien vom deutschen Robert-Koch-Institut (RKI), dem Gegenstück zum serbischen Batut-Institut, als Hochevidenzgebiet eingestuft wird, bedeutet die Ankunft unseres Lesers zuhause eine zehntätige Quarantäne.

Allerdings besteht die Möglichkeit, diese Quarantäne nach fünf Tagen zu beenden, sofern man ein neues negatives Testergebnis vorlegen kann. So weit, so gut.

Quarantäne abkürzen und das vielleicht kostenlos?

Ein Anruf beim zuständigen Gesundheitsamt führte dann jedoch schnell zur Verwirrung. Denn dort wurde ihm gesagt, dass besagter Test entweder kostenpflichtig beim zuständigen Hausarzt oder in einem der Testzentren der Stadt gemacht werden kann. Bei letzteren wäre der Test kostenlos. Auch könne man sich ohne Probleme samstags testen lassen und somit genau am sechsten Tag nach Ankunft in Deutschland wieder vor die Tür gehen.

Da die Untersuchung beim Hausarzt zudem angeblich bis zu 140 Euro kosten soll, fiel die Wahl dann auch recht schnell auf das Testzentrum.

Um ganz sicher zugehen, dass die Testzentren tatsächlich kostenlos arbeiten, wurde unserem Leser dazu geraten, dort einfach nachzufragen. Aber wie nachfragen, wenn man in Quarantäne ist? Tatsächlich empfahl das Amt dort einfach hinzugehen, um die Informationen zu bekommen. Auf den Hinweis des Lesers, dass dies ja aufgrund der Quarantäne nicht möglich sei, riet das Gesundheitsamt daher, einfach das Testzentrum anzurufen.

Die Testzentren am Wohnort des Lesers verfügen jedoch als improvisierte Einrichtungen über keine eigenen Durchwahlen. Die Empfehlung lautete daher vom Gesundheitsamt, das Rote Kreuz zu kontaktieren. Dieses wäre Träger eines der Testzentren. Die anderen würden von irgendwelchen Privatunternehmen geleitet. Wer diese allerdings seien, wüsste man von Amts wegen auch nicht so genau. Also folgte ein Anruf beim Roten Kreuz.

Da ging erst einmal niemand ans Telefon.

Von Pontius zu Pilatus

Nach dreimaligem Probieren nahm dann endlich ein Mitarbeiter aus einer anderen Abteilung ab. Der Fall wurde geschildert. Der Mitarbeiter konnte bestätigen, dass die Tests bei ihnen tatsächlich kostenfrei seien, in diesem Fall die sogenannten Antigentests. Das Ergebnis bekäme man zudem tatschlich schriftlich mitgeteilt. Weiterhin könne man zudem einfach hingehen und sich testen lassen. Ob dieser Test allerdings den Anforderungen des Robert-Koch-Instituts entspräche, das wüsste man jedoch nicht.

Ein Anruf beim Landesgesundheitsministerium wurde angeraten, um den Sachverhalt zu klären.

Dort scheint man jedoch vergeblich in der Warteschleife zu hängen.

Die Homepage des Ministeriums gab aber Auskunft. Das Landesverwaltungsamt sollte in so einem Fall zuständig sein. Der freundliche Herr am anderen Ende der Leitung hörte sich den Fall auch im Detail an. Leider konnte er als Jurist aber natürlich nichts zu den Spezifikationen der vom Roten Kreuz verwendeten Antigentests sagen. Er machte sich aber die Mühe, auf der Homepage des Robert-Koch-Instituts nachzuschauen.

In den Untiefen der Testverfahren

Das RKI schreibt auf seiner Homepage über die Anforderungen der Coronatests:

Verfahren der Nukleinsäureamplifikationstechnik (PCR, LAMP, TMA) zum direkten Nachweis des Coronavirus SARS-CoV-2, die auf einem geeigneten Probenmaterial der oberen oder unteren Atemwege sowie Speichel oder Rachenspülwasser basieren, werden derzeit grundsätzlich aus allen Staaten der Europäischen Union sowie aus unten genannten Staaten akzeptiert.“

LAMP steht in dem Fall für “loop-mediated isothermal amplification”, TMA hingegen für “transcription-mediated amplification”.

Weiterhin heißt es auf der Homepage des RKI:

„Antigen-Teste zum direkten Nachweis des Coronavirus SARS-CoV-2 werden grundsätzlich aus allen Ländern anerkannt, sofern sie die von der WHO empfohlenen Mindestkriterien für die Güte von SARS-CoV-2-Ag-Schnellteste erfüllen. Hierzu zählen Teste, die eine ≥80% Sensitivität und ≥97% Spezifität, verglichen mit PCR-Tests, erreichen.“

Beim RKI selbst anrufen geht derweil für Privatpersonen nicht. Das Institut verweist auf die Telefonnummer des Bundesgesundheitsministeriums unter Minister Jens Spahn. Ein Tipp am Rande war beim Landesverwaltungsamt, sich von jeder Stelle den Ansprechpartner nennen zulassen. Sollte eine Strafe wegen Bruchs der Quarantäne drohen, bestände so die Möglichkeit Widerspruch einzulegen.

Der freundliche Herr vom Landesverwaltungsamt sagte weiterhin, dass die Kassenärztliche Vereinigung des Bundeslandes als Auftraggeber des Roten Kreuzes sicherlich mehr über die Art der Antigentests wisse. Beördliches Chaos und Kompetenzstreitigkeiten durch Corona seien zudem nichts Neues.

Falls dort keiner ans Telefon ginge, sollte man dann einfach den Ärztlichen Bereitschaftsdienst anrufen.

Gesagt, getan.

Wer ist hier eigentlich zuständig?

Der Ärztliche Bereitschaftsdienst erklärte jedoch am Telefon, dass sie eigentlich nur für Cooronapatienten zuständig seien. Am besten man probiere es bei der sogenannten Quarantänehotline.

Die Quarantänehotline, wie sich herausstellte, ist für medizinische Fragen üebrhaupt nicht zuständig. Unserem Leser blieb nichts anderes übrig, als es weiter bei der Kassenärztlichen Vereinigung seines Bundeslandes zu probieren.

Irgendwann nahm dort sogar jemand den Hörer ab.

Mit Erstaunen hörte sich die Sachbearbeiterin das bereits Erlebte an. Natürlich sollte das Gesundheitsamt wissen, unter welchen Umständen die Quarantäne vorzeitig aufgehoben werden dürfte, hieß es. Und natürlich sollte das Rote Kreuz wissen, welche Art Tests dort verwendet werden.

Auf die Rückfrage, ob diese jedoch den Kriterien des Robert-Koch-Instituts entsprächen, sagte die Mitarbeiterin jedoch, dass man dies beim Testzentrum bei der Terminvergabe erfragen sollte. Die Testzentren scheinen jedoch in der Stadt des Lesers ohne Termine zu arbeiten. Man geht hin und wartet, bis man dran ist. So zumindest die Auskunft vom Roten Kreuz und vom Gesundheitsamt. Laut Kassenärztlicher Vereinigung sollte es dies jedoch auf keinen Fall geben. Unterm Strich blieb es dann bei der Empfehlung, sich einfach an den Hausarzt zu wenden.

Hausarzt oder Testzentrum: Das ist hier die Frage

Ein Anruf beim Hausarzt sorgte dann doch für Freude. Ein Test koste bei ihm nur zwanzig Euro.

Da der fünfte Tag der Quarantäne allerdings erst mit dem kommenden Freitag zu Ende geht, bestände keine Möglichkeit, sich vor Montag testen zu lassen. Die vollständige Quarantäne würde aber eh bereits am Mittwoch beendet werden. Dann wären bereits zehn Tage vorbei.

Die Testzentren hingegen arbeiten aber auch am Samstagvormittag. Was tun? Bezahlen und zwei Tage früher aus der Quarantäne sein oder weiter dem deutschen Amtsschimmel hinterherlaufen, dafür aber bereits nach fünf Tagen wieder frische Luft atmen zu können.

Beim Hausarzt will man sich jetzt über die Vorgehensweise der Testzentren informieren. Wir wünschen viel Erfolg.

Dies ist deutsche Bürokratie im zweiten Coronajahr. Da soll noch einer was gegen die Frau am serbischen Schalter sagen.

Habt Ihr schon solche Erfahrungen mit der Bürokratie in Coronazeiten machen dürfen? Schreibt uns Eure Meinungen und Erfahrungen in die Kommentare.

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