Digitalisierungsschub für Serbiens Schulen

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Ana Brnabic bei Pressekonferenz
Foto: Vlada Srbije – S.M.

Seit über einem Jahr ist kaum noch normaler Unterricht in Serbiens Schulen möglich. Auf den Ausbruch der Coronapandemie folgten Schulschließungen, Onlineunterricht, Wechselunterricht und eine Wiederbelebung des Schulfernsehens. Bei allem Guten, was die schnelle Improvisation im Bildungsbereich brachte, dürfen jedoch auch die Folgen nicht vergessen werden:

Überforderte Lehrer, überforderte Schüler und teilweise ein großer Ausfall des Schulstoffes.

Warum daher nicht aus der Not eine Tugend machen und grundlegende Reformen im serbischen Schulsystem einleiten?

Tatsächlich sprach sich Serbiens Premierministerin Ana Brnabić jetzt für eine umfassende Digitalisierung des Schulbetriebs aus.

Wie sie bekannt gab, sollen bereits bis Ende 2022 sämtliche Schulen des Landes mit dem Internet verbunden sein. Dabei wolle man es nicht bei den Computerräumen belassen. Jedes serbische Klassenzimmer soll bis dahin voll und ganz im digitalen Zeitalter ankommen. Auch die Lehrinhalte sollen im Zuge dessen zukunftsträchtig gemacht werden.

Brnabić erinnerte weiterhin daran, dass die Regierung schon 2017 mit der vollständigen Digitalisierung der Bildung und der Anbindung der Schulen an das Breitbandinternet begonnen habe. Auch sei das digitale Klassenzimmer inzwischen keine Zukunftsmusik mehr.

Das Ziel: Gleiche Bedingungen für alle

Die Regierung werde weiterhin sicherstellen, dass alle Schulen im gesamten Land über die gleichen Bedingungen verfügen werden, unabhängig davon, wo sie sich befänden oder wie klein oder wie groß sie seien.

„Wir werden natürlich auch zusammen mit den Gemeinden sehen, wie die regelmäßige Erneuerung der Ausrüstung gesichert werden kann. Da geht es um eine große Investition“, so Brnabić.

Sie dankte den Parlamentsabgeordneten für eine erste Ratifizierung eines Darlehens der Europäischen Investitionsbank über 65 Millionen Euro, um die Digitalisierung im Bildungsbereich voranzutreiben.

„Wir werden investieren, um für alle Kinder die gleichen Bedingungen zu gewährleisten. Und das ist besser als es in den meisten EU-Ländern der Fall ist“, fügte die Premierministerin hinzu.

Die Ministerin für europäische Integration, Jadranka Joksimović, erklärte, dass die Einführung von Breitbandinternet in den ländlichen Regionen in diesem Sommer eines der Kernvorhaben sein werde. Dies sei auch eines der Hauptprojekte im europäischen Investitionsplan für den westlichen Balkan.

„Dies sind große Vorhaben. Aber sie werden als Schlüssel benötigt, welche nicht nur zur Entwicklung der Infrastruktur, sondern auch zu einem integrativeren Wachstum überhaupt führen sollen. Denn wir befinden uns in einer Zeit, in der sich das Bildungswesen radikal verändert. Wir müssen unsere Kinder darauf vorbereiten, auch in Zukunft auf dem europäischen und weltweiten Arbeitsmarkt wettbewerbsfähig zu sein“, sagte Joksimović.

Der Zeitplan ist knapp gesteckt

Die Ministerin erklärte weiterhin, dass sich die Gesamtkosten des Digitalisierungsprojekts auf 75 Millionen Euro belaufen werden. 1,7 Millionen seien bereits im Januar in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Telekommunikation in Projektplanungen geflossen.

Tatsächlich erscheint der Zeitplan für die Schulen überaus ambitioniert. Dennoch hat die Coronapandemie wohl hier wohl etwas beschleunigt, was für Serbiens Zukunft unerlässlich ist.

Auch stehen Serbiens Chancen für einen Schritt in Richtung einer digitalen Gesellschaft nicht schlecht, vor allem wenn man die Vergleiche mit so manch anderem europäischen Land wagt. So berichten beispielsweise viele Reisende, dass allein schon die Abdeckung des Mobilfunks teilweise besser wäre als in Deutschland.

Wenn die Digitalisierung der Schulen jedoch funktionieren soll, wird es mehr als nur Internetanschlüsse und Tabletcomputer brauchen. Denn die Schule der Zukunft kann nur gelingen, wenn auch neue innovative Lerninhalte bereitstehen sowie Lehrerinnen und Lehrer, welche mit der neuen Technik vollumfänglich vertraut sind.

Sollte es darauf hinauslaufen, dass der digitale Unterricht nur darin besteht, dass man die Lehrbücher jetzt auf einem Bildschirm liest anstatt auf Papier, wäre das ganze Vorhaben gescheitert. Tatsächlich hat Corona hier aber vielleicht langfristig ein Umdenken in die richtige Richtung bewirkt, um Strukturen zu hinterfragen und neue Konzepte zu entwickeln.

Wie steht Ihr zur Digitalisierung der Schulen? Haltet Ihr den Zeitraum bis Ende 2022 für realistisch? Schreibt es uns in die Kommentare.

Quelle: politika.rs

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