Dutzende serbische Dörfer sind seit zehn Tagen ohne Strom

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Winterschäden in Serbien
Foto: Ljubiša Mitić

In dutzenden Dörfern im Süden Serbiens ist die Stromversorgung seit über anderthalb Wochen vollends zusammengebrochen. Die Ursache liegt im starken Schneefall der letzten Wochen. Auch Eisregen hat für den Zusammenbruch des Stromnetzes gesorgt.

Gerade in den bergigeren Regionen Serbiens brauchte es nicht viel, um die dort lebenden Menschen von der Versorgung abzuschneiden. Besonders betroffen sind die Gemeinden Toplica und Jablanica. Die lokalen Verwaltungen in Prokuplje, Kursumlija und Medvedja haben alle verfügbaren Einsatzkräfte mobilisiert, um die Menschen versorgen zu können.

Gerade Familien mit kleinen Kindern haben Notstromaggregate bekommen, um zumindest ein Minimum an Elektrizität zu bekommen. Der Energieversorger EPS hat bereits mehrere Einheiten in Prokuplje verteilt. In Kursumlija erhielt die Bevölkerung sogar zwanzig dieser Geräte.

„Die Straßen wurden in allen Dörfern geräumt. Dem haben wir Priorität gegeben. Der Eisregen und der Schnee, die vor acht Tagen gefallen sind, haben jedoch große Schäden an den Stromleitungen verursacht. Es gibt viele gebrochene Kabel und Verbindungen. Ein weiteres Problem ist das unzugängliche Gelände. Wir arbeiten so hart wie wir können, aber ungefähr zwanzig Dörfer können kaum darauf hoffen, auf absehbare Zeit wieder Strom zu haben“, so der Präsident der Gemeinde Prokuplje, Radoljub Vidić.

Auch sei die weite Verteilung der Häuser in zusätzliches Problem, gerade in den Dörfern der Gemeinde Kursumlja, entlang der Verwaltungsgrenze zu Kosovo und Metochien. Dies erschwere es, die Notstromgeneratoren für viele Haushalte zur Verfügung zu stellen.

Der Stromversorger hat versagt

Besonders alarmierend ist die Lage im Dorf Statovac in der Gemeinde von Prokuplje. Es gibt keinen Strom. Zudem leben im Dorf hauptsächlich alte Menschen. Der Dorfvorsitzende Milorad Kovačević sagt, dass die Einheimischen sich aber organisiert hätten und sich gegenseitig helfen so gut es geht. Die Jüngeren versorgen die Älteren und helfen ihnen so die eisigen Tage zu überleben.

Er spart aber nicht mit Kritik am Stromversorger: „Wir sind von der Welt abgeschnitten. Strom ist das größte Problem. Hier sind alte Menschen und sie haben keinen Kontakt zu ihren Familien. Die Straße ist halbwegs befahrbar, aber gefährlich, da immer noch Bäume umstürzen.

Keiner trägt die Schuld an dem Eisregen und der Katastrophe, die uns jetzt heimsucht. Aber für mich ist EPS schuld an dem ganzen Chaos um die Stromversorgung. Die haben einfach das Stromnetz in der Gegend nicht regelmäßig gewartet.“

EPS hingegen antwortet nicht auf Nachfragen. Weder gibt der Konzern an, wie viele Haushalte in Toplica überhaupt ohne Strom sind, noch wie viel Schaden verursacht wurde und schon gar nicht, ob eine regelmäßige Wartung und Überholung des Stromnetzes die katastrophalen Bedingungen hätte verhindern können.

Auch schweigt man bei der Frage, wann mit einer Verbesserung der Lage zu rechnen sei. Immerhin ist ein Großteil der betroffenen Haushalte bereits seit dem 11. Januar ohne Elektrizität.

Im Süden keine Besserung in Sicht

Auch in der bergigen Gemeinde von Medvedja im Süden Serbien ist die Situation ähnlich katastrophal. Dort sitzen etliche Dörfer seit Tagen im Dunkeln. Mehrere Einsatzteams sind vor Ort damit beschäftigt, die Stromleitungen wieder in Stand zu setzen, bisher jedoch auch hier ohne Erfolg.

Betroffen sind dort vor allem die Dörfer Lapaštica, Đulekare, Stara Banja, ein Teil von Sijarina, Svirce, Vrapce, Borovac, Gubavce, Teil von Retkocer, Mala Brajina, Sponce, Stubla, ein Teil von Gronji Gajtan und Teile von Šilovo. EPS kann auch für diese keine Auskunft geben, wann sich die Lage wieder normalisieren wird.

Sollte die Eletrodistribucija Srbije in Haftung genommen und dazu verpflichtet werden, dass Stromnetz in solchen Gebieten gründlicher zu warten? Habt Ihr schon einmal so einen Winter in einem Dorf ohne Strom verbracht? Schreibt es uns in die Kommentare.

Quelle: politika.rs

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