Heute ist in Serbien Heiligabend!

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Verkäufliches Laubwerk für den Badnji dan
Foto: Mondo/ Stefan Stojanović

Am heutigen Abend beginnen in Serbien die Weihnachtsfeiern. Dabei kann durchaus gesagt werden, dass das serbische Weihnachten weitaus mehr von Traditionen und Bräuchen geprägt ist, als die westeuropäischen Feiertage. Vor allem ist es längst nicht so vom Konsum geprägt.

Allerdings steht auch in Serbien vor allem die Familie im Mittelpunkt der Feierlichkeiten.

Für die Gläubigen der serbisch-orthodoxen Kirche gilt der Tag vor dem eigentlichen Weihnachten als der letzte und strengste Fastentag des Kirchenjahres.

Am frühen Morgen geht der Herr des Hauses los, um einen Weihnachtsbaum zu fällen. Meistens handelt es sich dabei um eine Eiche. Es reicht aber auch schon einige größere Äste nach Hause zu bringen, denn der „Badnjak“, wie der Baum genannt wird, erfüllt nicht dieselbe Funktion wie der Weihnachtsbaum in den westlichen Ländern.

Diesem entspricht eher die sogenannte Neujahrstanne, die seit sozialistischen Zeiten als Platz für die Geschenke an Neujahr dient. Am orthodoxen Weihnachten gibt es hingegen üblicherweise nur ein paar kleinere Geschenke. Oft hört man morgens auch einige Pistolen- oder Gewehrschüsse, bevor die Männer in den Wald gehen. Auch wenn dies offiziell verboten ist, gehört dies für viele dazu.

Ist ein passender Baum ausgewählt, dreht sich der Hausherr nach Osten, bekreuzigt sich dreimal und preist Gott. Dann nimmt er eine Axt und versucht den Baum mit höchstens drei Schlägen zu fällen.

Traditionen und Bräuche werden oft gepflegt

Zuhause angekommen wird der „Badnjak“ erst einmal vor die Haustür gestellt. In die gute Stube kommt er erst am Abend. Anschließend wird er mit Wein bespritzt und mit Honig bestrichen. Manche reden gar mit ihm, als ob er eine Person wäre. Später beim Abendessen wird der „Badnjak“ dann ins Feuer gelegt und verbrannt. Dies geht natürlich nur, wenn man über einen Kamin verfügt. In der Stadt zünden die Leute auch einfach nur ein paar trockene Blätter an.

Sobald es dämmert, wird ein Feuer angezündet und Pečenica serviert. Ansonsten gibt es den Tag über nur Fisch, Pasulj, die beliebte Bohnensuppe, Kohl und Trockenfrüchte. Manche fasten auch noch am heutigen Abend und freuen sich dann umso mehr auf das morgige Festtagsessen.

Kommt die Pečenica, also das Schweinefleisch, frisch vom Grill, ist es wichtig beim Hereintragen die Schwelle des Hauses zuerst mit dem rechten Fuß zu überschreiten. Dann werden als Erstes die weiblichen Mitglieder des Haushalts, allen voran die Dame des Hauses, begrüßt und beglückwünscht.

Die Frauen des Hauses haben zudem für den morgigen Tag Weihnachtsplätzchen, Kuchen und andere Leckereien vorbereitet.

Altslawische Wurzeln des Weihnachtsfestes sind spürbar

Ein besonderer Unterschied zum westlichen Weihnachten besteht auch bei der Übergabe der genannten kleinen Gaben und Geschenken. Denn hierfür wird extra ein Teil des Wohnzimmers mit Stroh ausgelegt.

Nach altem serbischem Brauch gackern zudem die Älteren, wenn sie das Stroh auf dem Boden verteilen, gefolgt von den Kindern. Auch wenn dies inzwischen nur noch selten praktiziert wird, zeigt es doch die altslawischen Wurzeln des Festes. Denn die Henne und ihre Küken symbolisieren Fruchtbarkeit, Schutz und Wärme.

Unter dem Stroh werden dann die Geschenke sowie Nüsse und Süßigkeiten versteckt. Brauch ist es, dass jeder eine Nüsse knackt. Wer eine gute erwischt, wird auch ein gutes kommendes Jahr erleben. Hat jemand eine verfaulte Nuss, droht ihm ein schlechtes. Kerzenlicht sorgt auch wie überall auf der Welt für eine festliche Atmosphäre.

In konservativeren Haushalten beten die Familienmitglieder anschließend.

Morgen wird groß gefeiert

Der morgige Weihnachtstag wird ebenfalls mit vielen Traditionen und Bräuchen begangen. Genannt sei nur das Festtagsbrot Česnica, was mit einer Münze versehen ist. Darüber freuen sich vor allem die Kinder, denn wer den Glücksbringer findet, darf ihn behalten.

Neben dem Kirchgang steht der morgige Tag auch ganz im Zeichen des Schlemmens und der Familie. Auch ist es eher unüblich Gäste einzuladen, außer dem sogenannten Položajnik. Bei ihm handelt es sich nicht um irgendeinen Gast, sondern um einen Besucher, der fest in den Weihnachtsritus integriert ist. In der Regel ist er ein enger Freund der Familie.

Wer es streng nimmt, sollte zudem nach der Tradition nur einen unverheirateten Mann oder Jungen einladen. Im heutigen Alltag ist der Položajnik aber auch meistens nur einfach der erste Besucher, der am Weihnachtstag das Haus betritt.

Daneben gibt es noch viele weitere lokale Traditionen und Bräuche. In der Šumadija beispielsweise legte man früher das Seil, mit dem das Stroh zusammengebunden war, kreisförmig vor das Haus. In den Kreis wurde dann das Futter für die Hühner gelegt. Der Sinn dahinter war, dass das Federvieh immer nah beim Haus bleiben sollte und nicht verloren ging.

Im Großen und Ganzen ist es aber gleich, ob alle diese Bräuche befolgt werden oder nicht. Denn das wichtigste beim orthodoxen Weihnachtsfest, wie auch beim westlichen Weihnachten, ist die besinnliche Zeit mit der Familie.

Wie verbringt Ihr das orthodoxe Weihnachtsfest? Kennt Ihr noch weitere Traditionen und Bräuche? Schreibt es uns in die Kommentare!

Quelle: mondo.rs

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