In Prizren leben heute nur noch zwanzig Serben

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Foto: B. Radomirović

Viel hat die Stadt an der Bistrica im Laufe ihrer Geschichte gesehen. Neu ist aber, dass Prizren kaum noch serbische Einwohner hat. Von den 12.000 Serben die noch in den 1990er Jahren die Stadt bevölkerten, sind nach Krieg und Vertreibung lediglich zwanzig übrig.

Das schmerzt umso mehr, wenn man sich bewusst wird, dass Prizren einst die Hauptstadt und ein bekanntes Handelszentrum des serbischen Zarenreiches war. Auch für die Serbisch-Orthodoxe Kirche stellte und stellt Prizren einen Ort ungeheurer kultureller Bedeutung dar. Das Erzengel-Kloster am Rande der Stadt zeugt bis heute davon. Leider ist ansonsten nicht mehr viel geblieben, nachdem albanische Extremisten 2004 alles kurz und klein hauten, was für sie irgendwie serbisch wirkte.

Dass die Fanatiker damit den kulturellen Schatz auch vor ihrer eigenen Haustür vernichteten, übersahen sie geflissentlich. Denn was sie wollten, war nationalistische Monotonie und Barbarei, nicht Vielfalt, gewachsene Historie und ein friedvolles Miteinander.

Seit dem vergangenen Jahr läuten wieder die Glocken der Ljeviška-Kathedrale, gewidmet der Muttergottes und erbaut zu Zeiten des Königs Milutin. Die UNESCO hat das altehrwürdige Bauwerk, zusammen mit drei anderen in Metochien, auf ihre Liste des Weltkulturerbes gesetzt. Auch findet sich die Kathedrale auf der Roten Liste der gefährdeten Kulturstätten. Das Erbe ist derweil reichlich, hat aber nur unter Mühen und Wehen die Jahrhunderte überstanden.

In alten Zeiten erbaut, wurde die Anlage unter der türkischen Herrschaft teilweise als Moschee zweckentfremdet. Die Osmanen sahen Fresken und Ikonen der „Ungläubigen“ als Gotteslästerung an. Deshalb übermalten sie diese, verbargen sie unter Gips oder zückten gleich zum Hammer, um die Kostbarkeiten für immer zu zerstören.

Erst viel später konnte ein Teil der üppigen Malereien wieder restauriert und repariert werden. Die Ausschreitungen 2004 taten ihr Übriges. Allein, dass der wütende Mob das Erzengel-Kloster am Rande der Stadt niederbrannte, kann bei jedem zivilisierten Menschen nur Schock und Übelkeit hervorrufen.

Nur alte Leute sind geblieben

In Prizren selbst leben kaum noch junge Serben. Die, die ausharrten und geblieben sind, sind hauptsächlich alte Leute. Mit den Albanern haben sie nicht viel zu tun. Lediglich über lange Zeit gewachsene Freundschaften sind im besten Fall geblieben.

Erstaunlich ist aber, dass sich auch bei den Albanern in der Stadt noch ein gewisser Slang aus vergangenen Zeiten findet.

Das Serbische war hier einst so präsent, dass es auch in manchen Ausdrücken in die albanische Alltagssprache der jetzigen Mehrheitsbevölkerung übergegangen ist und sich sogar noch bei den jungen erhalten hat. Erstaunlich, wenn man bedenkt, welch großer Hass den Serben hier noch vor wenigen Jahren entgegenschlug.

Eine Rückkehr der früheren serbischen Bewohner will von den Albanern dennoch niemand ernsthaft, trotz vollmundiger Lippenbekenntnisse.

Werden jemals wieder mehr Serben in Prizren leben? Kann die Stadt an der Bistrica zu ihrem alten Glanz zurückfinden? Schreibt es uns in die Kommentare.

Foto: B. Radomirović

Quelle: politika.rs

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