In Sarajevo ist man sich keiner Provokation zu schade

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Foto: S. Mišljenović i Kliks

In Sarajevo ist erneut ein Streit um die Benennung von Straßen und Plätzen entbrannt.

Ausgang war eine Anfrage des Bürgermeisters von Ost-Sarajevo, Ljubiša Ćosić, an seine Kollegin im Westteil der Stadt, Benjamina Karić, mit der Bitte um Entfernung provokanter Namen und Plaketten aus dem öffentlichen Raum.

Karić war sich jedoch nicht zu schade, die respektvolle Bitte abschlägig zu beantworten.

Darauf entbrannte eine wilde Diskussion in den sozialen Medien. Sich selbst als Antifaschisten bezeichnende Pseudo-Intellektuelle setzten sich für die Beibehaltung der neuen Namen ein. Viele Serben widersprachen dem energisch, auch Ćosić selbst.

Aber um wen geht es denn bei den genannten Namen?

Schulen und Straßen nach Faschisten benannt

Eine historische Figur, welche immer wieder im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht und stand ist beispielsweise Mustafa Busuladžić, ein bekannter muslimischer Schriftsteller aus der Stadt an der Miljacka.

Dieser galt in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts als entschiedener Antikommunist, insbesondere aufgrund der Behandlung des Islams in der Sowjetunion. Während des Zweiten Weltkriegs mauserte er sich dann zum Kollaborateur mit den deutschen Besatzern. 1945 wurde er schließlich deshalb verurteilt und hingerichtet. Aber im Jahr 2016 war man sich dann in West-Sarajevo doch nicht zu schade sogar eine Schule nach ihm zu benennen. Wohl gemerkt trug die Schule bis dahin noch den Namen eines antifaschistischen Widerstandskämpfers.

Die Stoßrichtung von Seiten Karićs ist somit klar. Es geht um eine beleidigende Botschaft an die in Sarajevo lebenden Serben und eine nachträgliche Legitimierung von Faschisten.

Eine andere Figur, um welche es geht, ist Husein Đozo. Dieser brachte es bis zum SS-Sturmbannführer in der berüchtigten Division „Handžar“. Er schrieb sogar einen persönlichen Brief an Heinrich Himmler, in welchem er diesem versicherte, dass die bosnischen Muslime fest an der Seite der Deutschen stünden.

Weiterhin geht es um Inschriften und Plaketten, so etwa am Rathaus von Sarajevo oder der Universitätsbibliothek, auf welchen das serbische Volk per se als „kriminell und aggressiv“ bezeichnet wird.

Die politische Elite schürt den Hass

Dass sich manch einer selbst als „Antifaschist“ bezeichnet und die Benennung von Schulen und Straßen nach derlei Gestalten rechtfertigt, belegt einmal wessen Geistes Kinder die jungen muslimischen „Intellektuellen“ seit dem Krieg der 1990er sind. Gefördert von der politischen Elite der Stadt knüpft man ganz klar an faschistische Traditionen an oder versucht diese, gewürzt mit einer Prise Chauvinismus, zu etablieren.

Ćosić gab zu bedenken, dass es offenkundig denn auch mehr Menschen in West-Sarajevo gebe, die Bušuladžić, Đozo und andere Kriminelle verehrten, als Tesla, Pupin und Aleksa Šantić. So ist zumindest der unrühmliche Eindruck.

Es dürfe nicht sein, dass Serben, welche in der Stadt geboren wurden, dort aufwuchsen, sie mitaufbauten oder auch nur als Touristen dort hinfahren, sich bedroht fühlten oder als „Kriminelle“ bezeichnet würden.

Offensichtlich führt dies aber bei der anderen Seite lediglich zu einem Schulterzucken.

Wie denkt Ihr über die Provokationen in Sarajevo? Was haltet Ihr eigentlich generell von der Neubenennung von Straßen, Plätzen und Orten? Schreibt uns Eure Meinungen in die Kommentare.

Quelle: novosti.rs

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