„Japaner“ gehen bald in den Ruhestand

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Japanischer Bus in Belgrad
Foto: P. Milošević

Jeder kennt sie. Denn seit Jahren gehören sie fest zum Belgrader Straßenbild. Die Rede ist von den gelben Bussen in Japan, welche uns einst von der japanischen Regierung gespendet wurden.

Doch bald könnten sie für immer aus dem Straßenbild der Hauptstadt verschwunden sein. Denn der Zahn der Zeit hat auch an ihnen unentwegt genagt.

Wie jetzt bekannt wurde, hat die Stadt eine Ausschreibung gemacht, um einhundert neue Busse für den öffentlichen Nachverkehr zu kaufen. Sogar auf ein konkretes Angebot konnte man sich inzwischen schon verständigen.

Dabei stehen sowohl die Busfahrer als auch ihre Gewerkschaft fest zu ihren gelben Bussen. Sie gelten als robust und zuverlässig.

Die Japaner achteten sehr auf Qualität

Dabei ist es inzwischen 18 Jahre her, dass die Busse der Marke „MAN“, damals 93 an der Zahl, nach Belgrad kamen. Zusammen mit diversen Geräten und Werkzeugen für ihre Wartung betrug die Spende damals 15,4 Millionen Euro. Die japanische Regierung rettete mit dieser Aktion das öffentliche Nachverkehrssystem der serbischen Hauptstadt vor dem Kollaps.

Seit 2003 fahren sie seitdem unermüdlich auf den wichtigsten Linien Belgrads, hauptsächlich rund um das Stadtzentrum sowie in Neu Belgrad.

Aber mit der Spende war es für die Japaner noch nicht getan. Denn die Japaner übernahmen auch die Pflege und Wartung der Fahrzeuge. Sie achteten selbst über ihren Einsatz und ihre Laufzeiten. Selbst eine weitere Unterstützungsleistung im Wert von 150.000 Euro kam 2012 aus Japan.

Dabei handelte es sich um teure Originalersatzteile, denn die Herren aus Nippon wollten nicht, dass billige und qualitativ minderwertige Teile in den Bussen verbaut wurden. Dies trug sicherlich maßgeblich dazu bei, dass die Fahrzeuge bis heute einsatzfähig sind und täglich „ihren Mann“ stehen.

Gegen eine Abschaffung der gelben Busse regt sich denn auch Widerstand. So etwa vom Vorsitzenden der Gewerkschaft für die Angestellten im Belgrader öffentlichen Nahverkehr, Ivan Mihajlović.

„Das sind Top-Busse, obwohl die Zeit nicht spurlos an ihnen vorübergegangen ist. Nicht alle verfügten über eine Klimaanlage, aber sie wurde nachgerüstet. Die Japaner kamen oft zu den Kontrollen und beteiligten sich an den Reparaturen und ließen nur Teile vom Originalhersteller verbauen“, so Mihajlović.

„Sie sind alt, repariert und ihre Abgase sind ein Problem. Ich würde dennoch lieber weiter mit ihnen fahren, als mit irgendwelchen neuen“, ergänzt einer der Fahrer.

Kommen nach den „Japanern“ die „Türken“?

Leider wird er sich wohl bald umstellen müssen. Denn der Nahverkehrsbetrieb GPS hat anscheinend wohl schon beschlossen, ein Angebot der türkischen Firma BMC anzunehmen. Dabei geht es um einhundert Busse mit Druckgas. Die Kosten sollen sich auf ca. 41 Millionen Euro belaufen, wobei es vertragsbedingt zu größeren Rabatten kommen kann. Ob die neuen Busse jedoch ebenfalls so qualitativ hochwertig, wie die MAN-Busse sind, wird sich in den nächsten Jahren zeigen.

So oder so könnte aber auch bald im Straßenbild von Serbiens Hauptstadt eine Ära zu Ende gehen.

Sollte man die alten Busse weiternutzen oder ist es gut, wenn sie durch neue ersetzt werden? Schreibt uns Eure Meinungen in die Kommentare.

Quelle: novosti.rs

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