Kampf gegen die Mafia zeigt Fortschritte

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Spurensicherung nach Anschlag mit Autobombe
Foto: Anđelko Vasiljević

Das Jahr 2020 hat Serbien gleich zwei Kämpfe auf einmal beschert. Einerseits hielt die Corona-Pandemie das Land in Atem, andererseits wurde dem organisierten Verbrechen der Krieg erklärt.

Dabei ähneln sich das Virus und die Mafia auf geradezu gruselige Weise. Denn beide versetzen die Bürger in Angst und Schrecken, bedrohen die Gesundheit und das Leben der Menschen und führen zu immensen wirtschaftlichen Schäden.

Auch bedingen sie sich in nicht unerheblichem Maße. War das organisierte Verbrechen gleichwohl mit dem Beginn des Ausnahmezustands im letzten Jahr zwar ebenfalls für einige Zeit verdrängt worden, konnte es sich schnell an die neuen Gegebenheiten anpassen und seine Aktivitäten ausweiten. Das Virus wiederum profitiert davon, wenn öffentliche Einrichtungen durch Korruption lahmgelegt und die Straßen unsicher werden.

Der Kampf gegen die Mafia ist gleichwohl nichts Neues, weder in Serbien noch in den anderen Ländern der Region. Dennoch konnte Serbien einige Erfolge erzielen, gerade wenn man berücksichtigt, dass der Staat erst in den letzten Monaten mit seiner neuen Kampagne begonnen hat.

Auch wenn es noch bei weitem zu früh ist, um einen endgültigen Sieg über das organisierte Verbrechen zu verkünden, sind die Fortschritte auf diesem Weg doch beachtlich.

Morde aufgeklärt, Hintermänner oft unbekannt

So konnte die Polizei bereits einige Auftragsmorde aus dem Milieu aufklären. Beispielsweise wurde der Verdächtige im Mordfall von Aleksandar Šarc eindeutig identifiziert. Er befindet sich jedoch nach wie vor auf der Flucht. Šarc war in der Tiefgarage des Einkaufszentrums „Ušće“ in Belgrad ermordet worden.

Auch gelang es der Polizei, den Schützen sowie dessen Helfer beim Mord von Bojan Mirković zu fassen. Das Opfer war ebenfalls in einer Garage, dieses Mal in einem Haus im Belgrader Stadtteil „Belleville“, erschossen worden. Wer die Hintermänner der Tat waren, muss jedoch noch ermittelt werden.

Die Ermittler konnten zudem den Attentäter identifizieren, der mit einer Autobombe Strahinja Stojanović ermordete. Der Auftragsmörder aus Bosnien und Herzegowina wird inzwischen per Haftbefehl gesucht.

In Zlatibor konnten die Sicherheitskräfte zudem zwei mutmaßliche Bandenmitglieder festnehmen. Die Ermittler werfen ihnen vor, einen Anschlag auf den bekannten Fußball-Ultra Nenad „Alibeg“ Alajbegović durchgeführt zu haben. Hintergrund der Tat war der Kampf um die Vorherrschaft im Drogenhandel.

Dies war sicherlich ein schwerer Schlag gegen das organisierte Verbrechen, auch wenn sich alsbald herausstellte, dass die Staatsanwaltschaft im Vorfeld nicht einmal die Inhaftierung der beiden beantragt hatte.

Erst durch die Aufmerksamkeit der Medien, welche belastendes Material gefunden hatten, konnten im Zuge dessen Querverbindungen zwischen diesen Leuten und anderen Mafiaclans nachgewiesen werden. So führten Spuren zu weiteren Morden nach Athen und Korfu.

Es stellte sich heraus, dass auch die Mordopfer sowie einige bisher verschwundene Personen sich größtenteils kannten. Alle waren anscheinend innerhalb der kriminellen Unterwelt miteinander verbunden.

Wie weit reicht der Arm der Mafia?

Umfangreiche Ermittlungen stehen jedoch noch aus, nicht zuletzt weil es Indizien zu Verbindungen zwischen der Mafia und staatlichen Behörden gibt.

Der serbische Präsident Aleksandar Vučić, Innenminister Aleksandar Vulin und Polizeipräsident Vladimir Rebić sehen gleichwohl den größten Erfolg im Krieg gegen die Mafia in der Verhaftung von Darko Elez. Dieser Erzkriminelle, selbst im Besitz der serbischen und der bosnisch-herzegowinischen Staatsbürgerschaft, ist Mitglied im berüchtigten „Kavac-Clan“ aus Montenegro. Er soll verantwortlich für etliche Morde sein, welche die „Kavcani“ begangen haben. Darüber hinaus werden ihm Drogenhandel und Erpressung zur Last gelegt.

Unklar ist bisher noch, ob Elez an Bosnien und Herzegowina ausgeliefert werden oder in Serbien seine Strafen absitzen wird.

Von Seiten des Polizeipräsidenten hieß es derweil, dass die Verhaftung von Elez ein Indikator für die Ernsthaftigkeit des Staates sei, im kriminellen Milieu hart durchzugreifen.

Auch im Drogenkrieg konnte Serbien Erfolge vorweisen. Allein im Jahr 2020 wurden insgesamt 7,6 Tonnen Drogen beschlagnahmt, davon allein eine Tonne im Dezember.

Politik will hart durchgreifen

Serbiens Präsident Aleksandar Vučić ließ gleichwohl verlautbaren, dass es sich bei den kriminellen Netzwerken um ein „importiertes“ Problem handelt. Der Staat müsse jedoch mit jenen aufräumen, die mit diesen Kriminellen zusammenarbeiten. Damit sprach Vučić jenes Thema laut aus, welches nur allzu gerne in den Hintergrund gedrängt wird: Nämlich die fortwährende Unterwanderung Serbiens durch die kriminellen Netzwerke.

Wie Politika schreibt, kam derweil die vielleicht beste Aussage zu diesem Thema von Samir Tandir, einem Abgeordneten der Partei für Gerechtigkeit und Versöhnung. Im Parlament sagte er: „Es darf nicht sein, dass auf Empfehlung eines Mafiabosses Stellen in der Polizei, im Justizwesen oder der Staatsanwaltschaft besetzt werden. Wird eine solche Person eingestellt, können Sie alle darüber nachdenken, für wen sie arbeiten wird.“

Denn dass der lange Arm der Mafia bis in den Staatsapparat selbst hineinreicht, ist für viele offensichtlich. Der Fisch stinkt sozusagen vom Kopf her.

Wird der Kampf gegen die Mafia Erfolge zeigen? Haltet Ihr das Problem ebenfalls für „importiert“? Schreibt uns Eure Meinungen in die Kommentare.

Quelle: politika.rs

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