„Kosovo“ gibt sich bei vermissten Serben unschuldig

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UCK-Kämpfer 1999
Foto: Wikipedia Commons / D. Lleshi

Dass die Verhandlungen im Rahmen des „Dialogs“ zwischen Belgrad und Priština nicht vorankommen, ist nichts Neues. Für jeden, der nicht zum diplomatischen Korps der EU gehört, ist auch klar, wer der Schuldige an dieser Misere ist. Es ist Albin Kurti mit seiner Entourage.

Denn außer fast schon obszönen Maximalforderungen hat der „Ministerpräsident“ seines Pseudo-Staates nichts zu bieten. Dies betrifft viele Fragen, angefangen von dringend benötigten Autonomierechten der im Kosovo lebenden Serben, über rechtsstaatliche Mindestanforderungen bis hin zur garantierten Sicherung des serbischen Kulturschatzes.

Besonders übel wird es jedoch abseits dieser aktuellen politischen Verhandlungsfragen. Denn nach wie vor geht es noch um das Schicksal der während des Krieges von der UÇK verschleppten und ermordeten Serben und Serbinnen.

Die Terroristen hatten angeblich keine Unterlagen

Bei keinem anderen Thema gibt sich die „Republik Kosovo“ so sehr die Blöße wie bei diesem. Denn offiziell wird derlei Dingen einfach mit einem Schulterzucken begegnet.

Erst jetzt äußerte sich Agim Çeku, früherer UÇK-Kommandant und einer der militantesten Separatisten, zu Anfragen von Seiten Serbiens. Dabei ging es um die archivierten Unterlagen der UÇK aus den Kriegsjahren. Denn jeder niedergeschriebene Satz kann ein Hinweis sein, um die Schicksale unserer Bürger zu klären.

Çeku könnte nach all den Jahren als Zeichen des guten Willens natürlich Auskunft und Einblicke geben. Hingegen stößt er die serbischen Unterhändler und vor allem die Hinterbliebenen der Ermordeten vor den Kopf.

Er behauptet schlichtweg, dass es kein Archiv der UÇK gäbe. Stattdessen verweist er auf das sogenannte Staatsarchiv der „Republik Kosovo“. Dieses stehe allen offen und jeder könnte einen Blick hineinwerfen. Auch wenn sich alte Aktenberge in einem denkbar schlechten Zustand befänden, könne jeder nach Lust und Laune Nachforschungen dort anstellen.

Natürlich ergänzte Çeku dies auch mit einer Verhöhnung der Opfer und ihrer Hinterbliebenen. Denn, so Çeku, die Welt wisse ja bereits, wer der Angreifer und wer in dem Krieg das Opfer war. Da die Terroristen der UÇK auf der guten Seite standen, hätten sie natürlich auch keine Kriegsverbrechen begangen.

Man kann solche Sätze kaum glauben.

Aber sicherlich hat kaum jemand, der sich mit der UÇK beschäftigt, etwas anderes erwartet.

Der Feind meines Feindes ist…

Çeku hat allerdings zwei Dinge vergessen. Zum einen sitzt sein oberstes Kriegsherr Hashim Thaçi mit seinen Untergebenen wegen genau jener Kriegsverbrechen zurzeit in Den Haag auf der Anklagebank. Ganz so unschuldig braucht sich daher auch Çeku nicht zu geben.

Zum anderen ist sogar innerhalb der Separatisten eine Debatte in Gang gekommen, welche der alten Kämpfergarde der UÇK gefährlich werden könnte. Denn 22 Jahre nach dem Krieg wollten viele Albaner im Kosovo einen Bruch mit ihren früheren Anführern um Thaçi. Dies war auch der Grund, dass Kurti überhaupt erst an die Spitze des Pseudostaates kommen konnte.

Kurti glorifiziert natürlich auch den Mythos der angeblichen Volksbefreier. Aber durch den Generationswechsel sind einige Dinge in Gang geraten. So forderte auch die neue Außenministerin der „Republik Kosovo“, Donika Gërvalla-Schwarz, die Aufklärung von UÇK-Verbrechen. Dies allein war schon ein Tabubruch und Verstoß gegen die „Staatsdoktrin“ vom Märchen des „sauberen Widerstandskampfes“.

Die Frau ist sicherlich alles nur keine Freundin Serbiens. Da braucht man keine falschen Hoffnungen zu hegen.

Aber sie steht auch für eine inneralbanische Debatte, in welcher es nicht zuletzt auch um die Ermordung ethnischer Albaner durch die Terroristen sowie um die mafiösen Verstrickungen von Thaçi und Konsorten geht.

Ob Serbien freilich davon profitieren kann und die Hinterbliebenen der Opfer Genugtuung erhalten, steht freilich auf einem anderen Blatt. Aber auch Leute wie Çeku sollten nicht glauben, dass sie fest im Sattel sitzen. Dafür haben die UÇK und ihre Nachfolger schlicht zu viel Dreck am Stecken, selbst bei den eigenen Leuten.

Die EU gibt sich in solchen Fragen oft beschämend naiv

Übrigens hat der Vorsitzende der Kommission für vermisste Personen in Priština, Andin Hoti, dem Sonderbeauftragten der EU, Miroslav Lajçák mitgeteilt, dass jeder der wolle, uneingeschränkten Zugang zu den kosovarischen „Staatsarchiven“ bekomme, um alle Zweifel bezüglich etwaiger UÇK-Unterlagen auszuräumen. Selbst wenn man davon ausgehen kann, dass die Archive entsprechend gesäubert wurden, lohnt es sich sicherlich dennoch einen Blick hineinzuwerfen. Allein Indizien für eine Säuberung der Aktenbestände wären bereits hilfreich. Vorausgesetzt man hält abseits dessen Augen und Ohren offen.

Glaubt Ihr, dass man in Priština an substanzielles Material über die Verbrechen der UÇK kommen kann? Gibt es überhaupt noch Möglichkeiten diese endgültig aufzuklären? Schreibt uns Eure Meinungen in die Kommentare.

Quelle: politika.rs

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