Kyrillisches oder lateinisches Alphabet?

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Muss das Kyrillische geschützt werden?
Foto: Novica Kosić

Das Helsinki-Komitee für Menschenrechte für Serbien gab heute eine Erklärung heraus. Diese richtet sich gegen die Gesetzesinitiative der serbischen Regierung.

In dem Gesetz geht es darum, das Kyrillische dem Lateinischen vorzuziehen. Bisher haben beide Alphabete in der Praxis einen fast gleichwertigen Status, auch wenn in staatlichen Institutionen oder Firmen mit mehrheitlich staatlicher Beteiligung das Kyrillische Vorrang hat. Zudem nennt auch die serbische Verfassung die kyrillische Schrift als offizielle Schriftsprache. Die lateinische Schrift wird aber zum Gebrauch anerkannt.

Jetzt aber sollen auch Firmen, Schulen, Universitäten und Vereinigungen die Verpflichtung bekommen, nur noch das kyrillische Alphabet zu verwenden. Das Lateinische würde dann nur noch den Status einer Hilfsschrift haben. Zudem hat die Republiken Serbien mit der Republika Srpska ein Abkommen geschlossen, um den Beschlüssen auf beiden Territorien Geltung zu verschaffen.

Das Gesetz selbst soll am 15. September, dem „Tag der serbischen Einheit, Freiheit und Flagge“ in Kraft treten.

Helsinki-Komitee sieht massive Gefahr der Diskriminierung

Das Helsinki-Komitee kritisiert die Beschlüsse massiv. Von Seiten des Komitees spricht man davon, dass es keines Gesetzes bedürfe. Weiterhin werden alle Bürger, welche vorrangig oder ausschließlich das lateinische Alphabet verwenden, durch das Gesetz diskriminiert.

„Es gibt keinen Grund, das kyrillische Alphabet vor den Serben zu schützen, die das Lateinische als Alphabet gewählt haben. Ebenso gibt es auch keinen Grund, die nationale Identität von dem lateinischen Alphabet zu schützen“, heißt es in der Erklärung.

Weiterhin sieht das Komitee, dass das Kyrillische politisch missbraucht wird, wenn es als einziges und autochthones serbisches Alphabet gelten soll. Es würde dann zu starker nationalistischer Mobilisierung und als Mittel zur Nötigung und Einschüchterung der Bürger“ verwendet werden.

Weiterhin heißt es in der Stellungnahme des Komitees: „Die serbische Regierung behandelt das Thema Kyrillisch als politisches und nicht als kulturelles. Die politische Elite, welche sich um das Wohl der Bürger und den kulturellen Fortschritt Serbiens kümmert, muss das hohe kulturelle Gut anerkennen, welches in der Digraphie der serbischen Sprache liegt. Es gibt keine Gesetze noch Sanktionen, welche die Bürger stärker an eine Schrift binden können als eine freiwillige und freie Wahl.“

Das Bildungsministerium sieht die kyrillische Schrift bedroht

Das Projekt zur Stärkung der kyrillischen Schriftsprache ist gleichwohl nicht neu. Bereits 2018 hatte das serbische Bildungsministerium erste Maßnahmen in dieser Richtung ausgearbeitet. Die Gründe würden darin liegen, dass das Kyrillische unter zunehmenden Druck stehe. Dementsprechend müsse es der Staat verteidigen.

Auch von akademischer Seite wurde die Initiative des Bildungsministeriums schon damals kritisiert.

Viele sagen zudem, dass das Gesetz eine Einschränkung der persönlichen Freiheit bedeuten würde. So mancher Bürger befürchtet auch, dass ein Zwang zur Verwendung des Kyrillischen in Dokumenten nur persönlichen Schwierigkeiten einhergeht. Denn viele Bürger verwenden auch für die eigene Korrespondenz vor allem die lateinische Schrift.

Verstöße gegen das Gesetz sollen übrigens mit Geldstrafen geahndet werden können.

Was haltet Ihr von dem Gesetzesvorstoß der Regierung? Würde dieses in der Praxis mehr Vor- oder mehr Nachteile bringen? Schreibt uns Eure Meinungen in die Kommentare.

Quelle: politika.rs

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