Marko Kraljević – der größte Held Serbiens

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Foto: YouTube/screenshot/RTS Obrazovno-naučni program - Zvanični kanal

In Serbien kennt ihn jedes Kind. Etliche Sagen und Mythen ranken sich um ihn, den größten Helden Serbiens. Dabei unterscheiden sich bei kaum einem anderen Helden der serbischen Geschichte Mythos und Wahrheit so sehr wie bei ihm. Die Rede ist von Marko Kraljević, dem Königssohn Marko.

Die historische Figur des Marko wurde 1335 als Sohn des Königs Vukašin Mrnjavčević und seiner Frau Anca geboren. Sein Vater war Mitregent des serbischen Zaren Uroš V., dem letzten Herrscher aus der Dynastie der Nemanjići.

Da Uroš keine Kinder hatte, konnte Vukašin seinen Sohn als Anwärter auf den serbischen Thron etablieren. Doch die Geschichte sollte einige Prüfungen für den jungen „Königssohn“ bereithalten.

Denn als Uroš am 1. Dezember 1371 schließlich starb und die Dynastie der Nemanjići für immer erlosch, entbrannte ein Machtkampf im Reich. Dies war bereits schlimm genug, hinzu trat jedoch auch noch eine Bedrohung von außen. Denn die Osmanen begannen ihr Reich auf den Balkan auszudehnen. Vukašin war nur wenige Monate zuvor, im September, in der Schlacht bei der Marica gegen die Türken fallen.

Das Herrschaftsgebiet der Familie Mrnjavčević erstreckte sich damals über einen Großteil des heutigen Mazedoniens. Im Norden konnte hingegen Lazar Hrebeljanović die Macht erlangen. Nordöstlich von Vukašins Reich herrschte Vuk Branković über sein eigenes Gebiet. Keiner war aber letztendlich stark genug, um über die anderen zu triumphieren.

Ein Vasall des osmanischen Sultans

Marko sah sich also gleich von mehreren Seiten bedroht. Tatsächlich konnte er, nur mit einer kleinen Armee ausgestattet, sein großes Herrschaftsgebiet nicht auf Dauer in seiner Gänze halten. Branković gelang es Skopje zu erobern. Die Familie Balšić jagte ihm das Gebiet um Prizren ab. Verschiedene albanische Stammesführer stritten mit ihm um die bergige Landschaft im Pindus-Gebirge an der Grenze zwischen dem heutigen Nordmazedonien und Griechenland.

Da die anderen Herrscher seine Nachfolge auf den Thron von Uroš nicht anerkannten und sein Gebiet sich immer weiter verkleinerte, blieben Marko nicht mehr viele Möglichkeiten. Um seine Herrschaft zu sichern, wurde er Vasall des osmanischen Sultans.

Dieser Schritt war damals nicht unbedingt ungewöhnlich. Marko war nicht der erste und auch nicht der letzte Herrscher, der auf die Seite der Osmanen wechselte. Auch Jovan und Konstantin Dragaš, andere serbische Fürsten, hatten es ihm gleich getan.

Somit sollte man meinen, dass der historische Marko, anders als die Mythengestalt, auch an der berühmten Schlacht auf dem Amselfeld auf Seiten der Osmanen gegen die Serben kämpfte.

Erstaunlicherweise gibt es aber keine einzige historische Quelle, welche dies belegen könnte. Dies ist umso bemerkenswerter, da Markos Herrschaftsgebiet am nächsten zu Kosovo Polje lag, wo sich die Schlacht am 15.Juni 1389 zutrug und Serbien für die nächsten Jahrhunderte unter osmanische Knechtschaft geriet.

Marko selbst fiel einige Jahre später 1395 in der Schlacht bei Rovine gegen den walachischen König Mircea als Vasall der Osmanen.

Das Reich des Kraljević geriet danach vollkommen unter osmanische Herrschaft.

Legende und Wirklichkeit

In den serbischen Volksmythen bekam er in den nächsten Jahrhunderten einen zwiespältigen, ironischen, meistens aber sympathischen Charakter zugewiesen. Zu Gehorsam gegenüber dem Sultan verdammt, gelingt es ihm immer wieder sich seinen Befehlen zu widersetzen. Ihm ist es gleichgültig, dass sein Herr siegt oder unterliegt. Auf der anderen Seite wehrt er sich auch nicht gegen sein Schicksal.

Dabei ist er der größte und mächtigste Held der Serben. Allein könnte er ganze Armeen besiegen, sofern er denn nur wollte und sich dazu aufraffen könnte. Er beklagt seine eigene Unterdrückung, tut aber nichts, um sich ihr zu entziehen. Er kann liebenswürdig und gerecht sein, ist aber auch manchmal grausam und unberechenbar. Dann wiederum trägt er Züge eines serbischen Robin Hood, welcher die Armen gegen die Mächtigen beschützt.

Dies alles ist letztendlich auf die unterschiedlichen Ursprünge der Mythen um Marko zurückzuführen, welche über Jahrhunderte entstanden und jeweils geprägt von ihrer jeweiligen Zeit waren.

Marko taucht aber nicht nur in serbischen Mythen auf. Gedichte und Erzählungen über ihn finden sich auch bei den Bulgaren, bei den Mazedoniern, bei den Kroaten, bei den Montenegrinern und auch bei den Slowenen.

Dichter machten ihn in Europa bekannt

Die ältesten Geschichten aus dem Gebiet des heutigen Kroatiens finden sich übrigens bereits bei dem Dichter Petar Hektorović zu Beginn des 16. Jahrhunderts. Petar Preradović widmete ihm das Stück „Marko Kraljević“. Selbst Ivo Andrić erwähnt ihn in seinem berühmtesten Werk „Die Brücke über die Drina“.

Auch in vielen serbischen Volksliedern besangen die Menschen seine Heldentaten. Vuk Karadžić, der berühmte serbische Dichter und Sprachreformer, fasste sie zusammen und erhielt sie so der Nachwelt. Durch seine Brieffreundschaften mit Johann Wolfgang von Goethe, Jacob Grimm, Johann Gottfried Herder und Leopold Ranke gelangten diese sogar nach Deutschland.

So ist Marko Kraljević nicht nur den Serben sondern allen Menschen erhalten geblieben. Als ewiger aber tragischer Held mit allzu menschlichen Schwächen und Eigenschaften.

Welche Geschichten kennt Ihr über Marko? Welche gefällt Euch am besten? Schreibt es uns in die Kommentare.

Foto: YouTube/screenshot/RTS Obrazovno-naučni program – Zvanični kanal

Quelle: mondo.rs

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