Ministerin will „vojvodinische Identität“ fördern

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Gibt es eine vojvodinische Identität?
Foto: novosti/arhiva

Der Vorstoß mutet an, als ob man keine Lehren aus der jüngeren Geschichte des Balkans gezogen hätte. Denn die Ministerin für Menschen- und Minderheitenrechte, Gordana Čomić, möchte, dass bei der nächsten Volkszählung die Kategorie „Vojvodiner“ möglich ist.

Natürlich stieß sei damit auf massive Kritik von Seiten anderer Minister. Denn so eine Kategorie, welche letztendlich nichts mit einem ethnischen Hintergrund zu tun hätte, könnte leicht zu einer Entfremdung zwischen der autonomen Vojvodina und dem Rest Serbiens führen. Dabei geht es gerade in unserer Region darum, Gräben dieser Art zuzuschütten und diese nicht noch weiter zu vertiefen.

Das eigentlich Schlimme am Vorgehen Čomićs ist jedoch, dass sie sich vollkommen beratungsresistent zeigt. Kritik an ihr bezeichnet als Angriff und Ignoranz, so „Politika“.

Kritiker bürstete die Ministerin bisher mit den Worten ab, dass diese „die Gesetze nicht lesen und wohl stolz darauf sind, diese nicht zu kennen oder zu lesen. Deshalb greifen sie zum Populismus und zu allem, was einen Dialog verhindern würde. Auf diesen haben aber alle Menschen einen Anspruch.“

Die Gefahr eines neuen Separatismus

Tatsächlich stellt sich jedoch die Frage, wer bei diesem Thema zu populistischen Methoden greift. Ein Blick auf die Unterstützer der Ministerin schafft da bereits etwas Klarheit.

Denn Čomić folgt exakt den Forderungen von Nenad Čanak, dem Vorsitzenden der Liga der Sozialdemokraten der Vojvodina (LSV) und Aleksandar Odžić, dem Chef der Partei Vojvodina.

Beide sind große Verfechter einer weitergehenden Autonomie von Serbiens Nordprovinz.

Die LSV distanzierte sich weiterhin erst Ende 2011 von ihrem Ziel, eine Republik Vojvodina innerhalb einer serbischen Föderation errichten zu wollen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Beide Parteien fordern weiterhin, dass regionale Identitäten gefördert werden müssen.

Weiterhin beruft sich die Ministerin auf das serbische Volkszählungsgesetz und einige Beschlüsse des Europarates zur Anerkennung von Minderheiten. Demnach wäre es auch möglich, doppelte Identitätsangaben zu machen, etwa als „Ungar serbischer Herkunft“ oder als „Serbe ungarischer Herkunft“.

Harsche Kritik an der Initiative der Ministerin

Die Reaktionen auf Čomić folgten denn auch prompt. Milenko Jovanov, der Vizepräsident der SNS und gebürtig aus Kikinda, entgegnete, dass die Ministerin, einer alten und schlechten Sitte von selbsternannten Eliten folge, um die Bevölkerung zu spalten und mit leeren Phrasen, die eigentlichen Absichten hinter so einer Initiative zu verdunkeln. „Denn wesentlich ist, dass sie versucht, auf Kosten des serbischen Volkes bei der Schaffung einer neuen Nation hilft“, so Jovanov.

Auch fragte er nicht frei von Sarkasmus, warum sich Čomić auf die Vojvodina als Ganzes bezieht. „Wenn es schon um regionale Identitäten gehe, würde es doch weitaus mehr Sinn machen, dass sich die Menschen der Provinz über ihre regionale Zugehörigkeit zum Banat, zur Batschka oder zu Srem identifizieren.“

Auch aus der Vojvodina selbst hagelte es Kritik. Miloš Jovanović, der Vorsitzende von NADA, einem Parteienbündnis bestehend aus der DSS, der monarchistischen POKS sowie 19 Bürgergruppen, sendete sofort eine Protestnote nach Belgrad, in welcher er Ministerpräsidentin Ana Brnabić zur augenblicklichen Entlassung von Čomić aufrief.

Machtwort der Ministerpräsidentin von Nöten

NADA positionierte sich auch inhaltlich in dem Schreiben klar gegen die Existenz einer etwaigen vojvodinischen Nation. Aber die Ministerin bleibt uneinsichtig. Sie entgegnete lediglich, dass NADA in dieser Frage natürlich auch das Recht habe, einfach „zu lügen“. Sie wolle weiterhin für das Recht der Bevölkerung der Vojvodina kämpfen.

Jetzt NADA fordert eine klare Positionierung der Regierung zu den Aktionen von Ministerin Čomić. In einer Stellungnahme gab sich das Parteienbündnis bereits siegessicher: „Wir erinnern die Ministerin gerne daran, dass ihr Projekt zu gleichgeschlechtlichen Partnerschaften gescheitert ist. Genauso wird auch ihr antiserbisches Projekt zur Vojvodina als neue Nation scheitern.“

Was haltet Ihr von Čomićs Vorstoß? Wären doppelte Identitätsangaben ein gangbarer Mittelweg oder würde das nur weitere Querelen nach sich ziehen? Glaubt Ihr, dass es in der Vojvodina überhaupt einen „Bedarf“ nach neuen Identitätsdebatten gibt? Schreibt uns Eure Meinungen in die Kommentare.

Quelle: novosti.rs

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