Montenegro rutscht tiefer in die Krise

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Foto: D. Milovanović

Montenegro kommt nicht zur Ruhe. Nachdem der Grundlagenvertrag zwischen der Serbisch-Orthodoxen Kirche und der Regierung um Ministerpräsidenten Zdravko Krivokapić immer noch nicht unterzeichnet ist, bahnt sich gleich die nächste Krise an.

Das Abkommen sollte die Beziehungen zwischen der Kirche und den staatlichen Institutionen wieder in eine positive Richtung bringen, nachdem diese unter der Vorgängerregierung praktisch eingefroren wurden.

Jetzt hat Krivokapić um eine Fristverlängerung bis zum 30.Oktober gebeten. Obwohl das Papier quasi unterschriftsreif ist.

Mit dieser Bitte hat der Ministerpräsident selbst einen großen Keil in die ohnehin schon instabile Regierungskoalition getrieben.

Prompt meldete sich Andrija Mandić, Präsident der Neuen Serbischen Demokratie und eines der wichtigsten Koalitionsmitglieder, zu Wort.

„Krivokapić erfüllt nicht die Erwartungen der kirchlichen Kreise, welche ihn erst für das Parteienbündnis vorgeschlagen hatten. Auch erfüllt er nicht die Erwartungen der Bürger, welche bei den Wahlen für den Regierungswechsel stimmten. Der Grundlagenvertrag zwischen der Regierung Montenegros und der Serbisch-Orthodoxen Kirche wurde bereits Anfang April vereinbart. Dass sich Krivokapić weigert, es zu unterzeichnen, ist ein ernsthafter Skandal“, so Mandić.

Man behalte sich jetzt vor, die nächsten Schritte im Rahmen des Bündnisses „Für die Zukunft Montenegros“ zu erörtern. Dies ist eine unverhohlene Drohung. Denn sollte Mandić mit seinen Leuten austreten, würde die gesamte Regierungskoalition vor dem Aus stehen.

Problematisch ist zudem, dass genaue Details zum Vertragsentwurf nicht veröffentlicht wurden. An der Spitze der Regierung tue man so, als ob man den Inhalt erst noch erörtern müsse.

Der Ministerpräsident steht zwischen den Stühlen

Milan Knežević von der Demokratischen Volkspartei und ebenfalls mit an der Macht sieht die Schuld für die Verzögerungen vor allem bei zwei der bekanntesten Gesichter der Krivokapić-Regierung.

„Ich behaupte, dass der stellvertretende Premier Dritan Abazović und der Parlamentspräsident Aleksa Bečić den Vertrag gesehen haben. Denn der Premier erklärte selbst gegenüber dem Patriarchat, dass er von beiden unter großen Druck gesetzt werde, ihn nicht zu unterzeichnen. Ich glaube auch, dass einige Minister das Schriftstück kennen. So etwa Vladimir Leposavić, welcher an seiner Harmonisierung mitgearbeitet hat“, so Knežević.

Er fordert daher gerade von Abazović und Bečić, umgehend zu zugeben, dass sie den Inhalt des Vertragstextes längst kennen.

Bei dem Vertrag geht es nicht zuletzt auch darum, wer von kirchlicher Seite diesen unterschreiben soll. Proserbische Kräfte fordern, dass dies Patriarch Porfirije selbstverständlich tun sollte. Montenegrinisch-nationalistische Kräfte fordern hingegen eine Unterzeichnung durch den Metropoliten von Ioannina.

Auch ob der Vertrag in Belgrad oder in Podgorica oder Cetinje unterschrieben werden soll, ist bis dato hochumstritten. Mandić fordert zum Beispiel die Unterzeichnung in Belgrad.

Dies kann letztendlich auch keinen Serben im Lande kalt lassen. Denn letztendlich wird das Abkommen richtungsweisend sein. Es geht schließlich um nichts Geringeres als die Erhaltung der Serbisch-Orthodoxen Kirche in Montenegro oder eine mögliche Abspaltung hin zu einer eigenen montenegrinischen Orthodoxie. Dies wiederum würde die Spaltung in der Bevölkerung des Landes nur noch mehr befeuern.

Wie wird der Konflikt ausgehen? Ist die Krivokapić-Regierung bald am Ende? Schreibt uns Eure Meinungen in die Kommentare.

Foto: D. Milovanović

Quelle: novosti.rs

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