Nehmen Beziehungstaten in Serbien zu?

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Gewalt gegen Frauen ist oft noch ein Tabuthema
Foto: Pixabay

Die Polizei von Belgrad sah sich jetzt mit einem schockierenden Entführungsfall konfrontiert. Die Tat sucht ihresgleichen, steht aber in einer Reihe mit anderen Vorfällen dieser Art.

Der Verhaftete, ein gewisser Nebojša M., soll seine Ex-Freundin entführt und mindestens zehn Mal brutal vergewaltigt haben. Auch beschuldigen die Behörden ihn der schweren Körperverletzung.

Am 13. August hatte er, nach Angaben des Opfers, der jungen Frau im Belgrader Stadtteil Zvezdara aufgelauert und sie dann in sein Fahrzeug gezerrt. Dann fuhr er mit ihr zu einem Haus nach Resnik.

Dort misshandelte und vergewaltigte er sie drei Tage lang.

Aus Polizeikreisen kamen Details zu den Hintergründen: „Die junge Frau traf am Montag, den 16.August, bei der Polizei ein und erzählte den anwesenden Inspektoren ausführlich, was ihr in den drei Tagen zur vor widerfahren war. Sie sagte, unter anderem, dass sie am 13. August zugestimmt habe, sich mit Nebojša M. zu treffen, weil dieser darauf bestanden habe, „miteinander zu reden“.

Sie ahnte in keiner Weise, was dann passieren würde, da sie zuvor in einer emotionalen Beziehung zu ihm stand und dachte, ihn zu kennen. Der Verdächtige wartete, nach ihrer Auskunft in einem Auto an der Ecke Ustanička-Straße und König-Aleksandar-Straße auf die Frau. Eine Weile sprachen sie wie gewohnt miteinander. Er versuchte, sie zur Wiederaufnahme ihrer Beziehung zu überreden. Da sie dies ablehnte, fing Nebojša M. an, sie anzuschreien.“

Nach Angaben der Polizei entführte er sein Opfer anschließend in sein Haus im Belgrader Vorort Resnik. Dort nahm er ihr das Telefon ab, fesselte und schlug sie. Nach Angaben des Opfers, begann anschließend ihr Martyrium. Mindestens zehn Mal vergewaltigte er sie in den nächsten drei Tagen. Immer wieder schlug und demütigte er sie.

Nach drei Tagen Folter brachte Nebojša M. sein Opfer wieder in sein Auto und fuhr sie nach Mirijevo. Vor einem Gebäude in der Dušan-Radović-Straße warf er sie raus. Wie einen Sack Müll.

Als die junge Frau auf dem Boden lag, trat er sie noch und schlug mit einem Baseballschläger. Anschließend setzte er sich wieder in sein Fahrzeug und ließ sie auf der Straße liegen.

Soviel Perversion und Menschenverachtung ist einfach abstoßend. Umso ergreifender ist es jedoch, dass die Schwerverletzte noch die Kraft fand, sich zur nächsten Polizeidienststelle zu schleppen und Anzeige zu erstatten. Die dortigen Beamten riefen sofort einen Krankenwagen und veranlassten eine medizinische Untersuchung, um Spuren zu sichern. Auch informierten sie umgehend die Staatsanwaltschaft.

Nebojša M wurde im Anschluss festgenommen. Nicht bekannt ist, ob der mutmaßliche Täter allen Ernstes glaubte, nach so einer Tat davonkommen zu können. Vielleicht dachte er, dass er sein Opfer soweit eingeschüchtert und traumatisiert hatte, dass es Stillschweigen über die Tat bewahren würde. Dies wird sich dann im Strafprozess zeigen.

So abstoßend, widerwärtig und unerklärlich dieser Vorfall auch ist, so reiht er sich doch ein in eine ganze Serie von Beziehungsdramen, welche in der Katastrophe enden.

Ein weiterer Fall von Gewalt gegen Ex-Partnerinnen

Erst vor einiger Zeit hatte der damals 25-jährige Đorđe L. aus Klenje bei Bogatićs eine 23-jährige Ex-Freundin schwer verletzt. Wie die Ermittlungsbehörden feststellten entführte er sie in eine Mietwohnung in Novi Sad.

Dort schlug er sie, erst mit seinen bloßen Händen. Anschließend trat er sie, misshandelte sie mit einem glühenden Eisen und fügte ihr schwere Schnittwunden mit einem Messer zu. Das zuständige Gericht verurteilte den Täter später zu sechs Jahren Haft. Dies ist sicherlich eine geringe Strafe, wenn man daran denkt, dass sein Opfer dies alles niemals vergessen wird und für ihr Leben gezeichnet ist.

In Šid kam es im April letzten Jahres ebenfalls zu einem Vorfall. Ein 28-Jähriger hatte seine 19-jährige Ex-Freundin in sein Haus gelockt. Dort misshandelte er sie drei Stunden lang, bis sein Opfer in Ohnmacht fiel. Der Vater des Mädchens gab später zu Protokoll, dass der Mann damit gedroht habe, das Mädchen zu erstechen. Er schnitt ihr jedoch „nur“ die Haare ab und setzte es dann an einer Straße aus.

Diesen April verhaftete die Polizei einen 36-Jährigen in Bor. Der Mann wird beschuldigt eine Ex-Frau entführt und anschließend gefoltert zu haben. Nach aktuellem Ermittlungsstand habe sie mit einer Gaspistole bedroht und entführt. Anschließend folterte er sie in seinem Haus.

In einem anderen Fall vom vergangenen Dezember versuchte ein 28-Jähriger seine 18-jährige Ex-Freundin in seinen BMW zu zerren. Er schlug und beschimpfte sie und drohte damit, private Videoaufnahmen von ihr zu veröffentlichen.

Alle Fälle zeugen davon, dass die Täter allesamt in einer engen Beziehung zu ihren Opfern gestanden haben. Als die Frauen sich von ihnen lossagten, drehten sie durch. Anscheinend waren die Frauen vorab auch nicht davon ausgegangen, dass ihre Ex-Partner zu solchen unmenschlichen Taten fähig seien. Großteils hatten sie sich freiwillig mit diesen nach der Trennung getroffen.

Sind dies alles schreckliche Einzelfälle oder gibt es tiefergehende Ursachen für diese Fälle? Mangelt es vielleicht an Präventionsmaßnahmen? Schreibt uns Eure Meinungen und Gedanken zu diesem Thema in die Kommentare.

Quelle: politika.rs

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