NZZ: Zagrebs kleinliche Nachbarschaftspolitik!

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Photo: Wikipedia Commons / Hina / Damir Sencar / ds

„Zagrebs kleinliche Nachbarschaftspolitik“ heißt der Titel des Berichts der Neuen Zürcher Zeitung über die Ereignisse auf dem Balkan, verfasst von Andreas Ernst, einem der besten Kenner der Region im deutschen Sprachraum. Er kritisiert Zagreb heftig wegen der Blockade des Kapitels 26 in den Verhandlungen Serbiens und der Europäischen Union. Es heißt, EU-Novize Kroatien sei nicht in der Lage, eine souveräne Führungsrolle einzunehmen, um die serbischen und bosnischen Nachbarn auf der Ochsentour in Richtung Brüssel zu unterstützen. Stattdessen werde blockiert. „Kolinda Grabar Kitarovic, die Präsidentin Kroatiens, hat einen neuen Übernamen – Schokolinda. Das kam so: Zum 25. Jahrestag der Bombardierung Dubrovniks durch jugoslawische Verbände besuchte die Präsidentin die Adriastadt. In einem Kindergarten verteilte sie Schokolade. Später – die Riegel waren längst gegessen – bemerkten Eltern, dass es sich um serbische Schokolade gehandelt hatte. Die Medien skandalisierten die Geschichte, Grabar Kitarovic entschuldigte sich. Es tue ihr leid, dass sie nicht kroatische Produkte verschenkt habe“, schreibt Ernst. „Wie vor ihm schon andere EU-Staaten, missbraucht Kroatien das von der EU verliehene Vetorecht für die Bearbeitung bilateraler Probleme. Um Serbien zu zwingen, ein Gesetz abzuschaffen, das Belgrad bei Kriegsverbrechen Jurisdiktion im ganzen ehemaligen Jugoslawien verleiht, legte Zagreb im März das Veto gegen die Eröffnung des Verhandlungskapitels über Justiz und Grundrechte ein. Auf deutschen Druck liess man im Juni locker, nur um ein halbes Jahr später wieder auf die Bremse zu treten. Jetzt verhindert Kroatien, dass Belgrad über Erziehung und Kultur verhandeln darf – die Minderheitenrechte für Kroaten seien ungenügend in Serbien. In beiden Fällen steht Kroatien innerhalb der EU allein da“, heißt es. „Zugegeben, die serbische Regierung reagiert auf die kroatischen Vetos meist masslos – allen voran ihr Chefpolemiker Aleksandar Vulin, der neben dem auch Minister für Arbeit und Soziales ist. Gerade auch deshalb zieht man psychologische Kategorien heran, um das Verhalten Kroatiens zu verstehen. Denn materiell bringen Zagreb die Blockaden nichts. Es schädigt eigentlich bloss seinen Ruf bei den Deutschen, Italienern und Österreichern, die den Integrationspfad für Serbien und Bosnien offenhalten wollen“, schreibt Ernst.

Quelle: RTS/NZZ

 

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