Porfirije wendet sich gegen die Gewalt in Montenegro

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Blume von Jasenovac
Foto: Tanjug/Sava Radovanović

Der Patriarch der serbisch-orthodoxen Kirche, Porfirije, hat sich gestern in einer Predigt im kroatischen Jasenovac zu den Geschehnissen in Montenegro geäußert.

Porfirije war zu Feierlichkeiten für die Heiligen Märtyrer von Jasenovac nach Kroatien gereist.

Aufs schärfste kritisierte er die Ausschreitungen, welche bei der Amtseinführung des Metropoliten Joanikije in Cetinje stattgefunden hatten. Die Randalierer hätten versucht, eine rein religiöse Zeremonie mit Gewalt zu verhindern.

„Mit dem Verbrennen von Reifen und dem Werfen von Steinen wollte dieser sogenannte friedliche Protest verhindern, was die Verfassung garantiert, ja was sogar die UN-Charta garantiert, nämlich das Recht auf freie Religionsausübung. Wir haben nichts gegen Proteste. Das ist ihr Recht. Aber uns daran hindern zu wollen, unsere Existenz zu wahren und unsere Seelen in die Hände Gottes zu geben, das darf einfach nicht sein“, sagte der Patriarch während seiner Predigt.

Die Kirche wollte von Anfang an deeskalieren

Er erklärte zudem, dass die serbisch-orthodoxe Kirche keine Gruppe von Menschen in irgendeiner Weise beeinflussen wolle. Auch nicht jene, welche sich als Gebetsgemeinschaft organisiert hat. Es dürfe aber nicht darum gehen, dass solche Gemeinschaften versuchen, der serbisch-orthodoxen Kirche ihre spirituelle Identität zu stehlen.

Auch habe die heilige Kirche bereits im Vorfeld alles getan, um in jeglicher Form deeskalierend zu wirken.

„Wir gaben alles auf. Wir sagten den Leuten, sie sollten nicht nach Cetinje kommen. Gästen aus aller Welt, Metropoliten, Priestern. Niemand kam, weil wir unseren guten Willen zeigen wollten. Wir baten nur darum, in unser eigenes Haus gelassen zu werden“, sagte der Patriarch.

Auch verstehe er die Motivation hinter diesen Taten. „Es ist eine altbewährte Methode jemandem zum absolut Bösen zu erklären. Dann gibt man allen übrigen freie Hand, um dieses Böse zu beseitigen“ erklärte Porfirije. Mit anderen Worten: Er sieht, dass es Kräfte im Hintergrund gibt, welche die Leute aufwiegeln und anstacheln, um gegen alles Serbische in Montenegro zu kämpfen.

Versöhnungsbotschaft an Serben und Kroaten

An der steinernen Blume, dem zentralen Mahnmal in der Gedenkstätte Jasenovac traf sich Porfirije weiterhin mit Würdenträgern der serbisch-orthodoxen Kirche in Kroatien und dem Vorsitzenden des serbischen Nationalrats, Milorad Pupovac. Auch Milorad Dodik war aus der Republika Srpska angereist.

Porfirije nutzte die Gelegenheit auch, um zu erklären, dass er ein gutes Verhältnis nach Zagreb habe. Er liebe alle Menschen dieses Landes, unabhängig von ihrer Religion. Damit wollte er auch ein Zeichen gegen all jene setzen, die in Kroatien eine ähnliche Situation herbeiwünschten wie in Montenegro. Er teile noch dieselben Ansichten und Perspektiven wie vor seiner Ernennung. Zudem habe er immer versucht, der Flamme des Hasses keinen neuen Brennstoff zu geben.

„Ein Freund von mir sagte einmal, dass er drei Porfirije kennt. Aber es gibt geschriebene Worte und Taten. Also lasst alle wissen, wie viele es wirklich sind. Porfirije ist derselbe, der einst vor sieben Jahren nach Zagreb kam. Er wird auch immer derselbe sein. Denn Gott berief ihn dazu, für immer so zu bleiben. Nämlich der Porfirije, welcher öffentlich Zagreb liebt und der auch öffentlich Kroatien liebt und das ganze Volk von Kroatien“, sprach der Patriarch.

In Jasenovac haben die Menschen Gott selbst verraten

Über den Ort der Gedenkfeier, das KZ Jasenovac sagte er weiterhin, dass dies ein Ort sei, an welchem einst Gott verraten und die gesamte Menschheit in Ungnade gestürzt worden sei. Aber paradoxerweise habe Gott diesen finsteren Ort dazu bestimmt, dass an ihm die Menschen rund um die Uhr Gebete für Frieden und die gesamte Menschheit abhielten. Auch wisse man, dass die meisten Opfer orthodoxen Glaubens waren, aber Gottes Logik unterscheide sich von der menschlichen Logik. Porfirije sagte: „Gott macht diesen Ort hier zu einem heiligen Ort, zu einem Ort des Gebets.“

Dass die Menschen sich an dieser Stätte darüber stritten, wie hoch die Anzahl der Getöteten und Leidenden war, wäre grundsätzlich falsch. „Denn aus diesem Grunde haben wir uns hier nie versammelt, um über Zahlen und Mathematik zu streiten und wer wem mehr Schaden zugefügt habe. Denn wir wissen, dass an diesem Ort Gott selbst verraten wurde“, sprach der Patriarch.

Dem stimmte auch der Präsident des serbischen Nationalrates in Kroatien, Milorad Pupovac, zu. Es sei die Pflicht aller, an das Leid der Serben, Juden und Roma, aber auch all jener des kroatischen Volkes zu erinnern, welche anders gehandelt haben als das Regime des sogenannten Unabhängigen Staates Kroatien es erwarteten.

„Wir sind voller Dankbarkeit gegenüber dem Patriarchen Porfirije für die Botschaft, welche er von diesem Ort gesendet hat. Es ist eine Botschaft, welche nicht spaltet, sondern uns näher zusammenführt, welche uns hinweist, uns gegenseitig zu respektieren. Und dies an diesem Ort eines schrecklichen Verbrechens“, sagte Pupovac.

Wie findet Ihr die Worte Porfirijes zu Montenegro? Hat die serbisch-orthodoxe Kirche die Macht und den Einfluss auch in Kroatien die Menschen näher zusammenzubringen? Schreibt uns Eure Meinungen in die Kommentare.

Quelle: politika.rs

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