Schock: Illegale Bauarbeiten auf Avala

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Baustelle auf dem Avala
Foto: Z. Jovanović

Viele Belgrader, aber auch viele andere Bürger Serbiens, sind verärgert über das Bild, welches sich ihnen auf dem Avala-Berg bietet. Denn auf dem beliebten Ausflugsziel stehen einige illegal errichtete Rohbauten.

Auf dem Avala ist die Errichtung von Privathäusern verboten. Zudem handelt es sich bei dem gesamten Areal um ein Naturschutzgebiet. Offensichtlich scheint dies aber auch den zuständigen Behörden sowohl der Stadt Belgrad als auch des Staates recht egal zu sein. Die Bautätigkeiten wurden zwar inzwischen getoppt, aber von einem Abriss scheinen die halbfertigen Häuser noch weit entfernt zu sein.

Die Forstverwaltung ist hilflos

Obwohl die Mitarbeiter der Forstverwaltung vom Avala bereits am 8. September den Beginn der Bauarbeiten bemerkten und dies sofort der Stadtverwaltung meldeten, passierte nichts. Auch auf Nachfragen, ob es sich „nur“ um eine Umgehung des generellen Bauverbots auf dem Avala oder auch um einen Verstoß gegen das Naturschutzgesetz handelt, schwieg sich die Stadtverwaltung bisher aus.

„Auf dem Gelände befindet sich eine Wiese, die ein Rückzugsgebiet für die Balkan-Springnatter ist. Als wir sahen, dass dort Steine entfernt und das Gelände planiert wurde, wussten wir, was los war. Die Inspektoren gingen hin und schlossen dann die Baustelle, aber immer noch ist nichts in unserer Macht“, so ein Mitarbeiter der Forstverwaltung.

Auch das öffentliche Unternehmen „Srbijašume, zuständig für die Forst- und Waldwirtschaft, weist darauf hin, dass es im Rahmen seiner Zuständigkeiten alle Maßnahmen ergriff, um die Bauarbeiten in diesem Schutzgebiet zu verhindern.

„Alles, was mit der Erteilung einer Baugenehmigung zusammenhängt, fällt nicht in die Zuständigkeit der Unternehmensleitung. Die Ausführung der Arbeiten wurde unterbunden und die Lage vor Ort wird überwacht. Die Beschlüsse zum Schutz des Naturgebiets „Avala“, verlangen allgemeine und besondere Maßnahmen, die je nach Regelung bestimmte Handlungen erlauben oder verbieten.

Nach Aussage der zuständigen Stellen habe aber bisher jedoch keine der involvierten Behörden den Fall im Sinne der Naturschutzvorgaben bearbeitet, da angeblich noch niemand einen derartigen Antrag gestellt hätte. Dies ist natürlich absurd, da in einem solchen Fall die staatlichen Behörden wie auch jene der Stadt keinen Antragsteller benötigen.

Die Behörden tun nicht viel

Auch die Antwort auf eine Anfrage von „Novosti“ nach näheren Informationen fiel recht knapp aus, gibt aber tiefe Einblicke:

„Wie Sie wissen, führt der Bauinspektor des Sekretariats für Inspektionsangelegenheiten eine Inspektionsaufsicht über den Bau illegaler Gebäude auf dem Katasterstück 2265/KO Beli Potok in der Gegend am Avala durch. Der Bauinspektor führte die letzte Kontrolle am 25.Januar durch. Bei dieser Gelegenheit wurden die Absperrbänder erneuert. Eine Weiterführung der Arbeiten über den am 14. Januar festgestellten Zustand hinaus konnten nicht festgestellt werden.“

Behördensprech in Serbien im Jahr 2021. Mit anderen Worten, es passiert seit geraumer Zeit nichts.

Auf die Schäden an der Natur ging die Behörde zudem nicht ein. Auch auf Frage von „Novosti“ beim Amt für Naturschutz Serbiens, ob es möglich sei, eine legale Baugenehmigung zu erhalten, kam die Antwort, dass man dazu keine Aussage treffen könne, weil bisher kein entsprechender Antrag gestellt wurde.

„In Bezug auf die Auswirkungen auf das Naturschutzgebiet wird auf Antrag einer Partei eine Entscheidung über die naturschutzrechtlichen Voraussetzungen geprüft“, so das Amt.

Baut man ohne Antrag, prüft das Amt auch nicht die Rechtmäßigkeit. Eine Logik wie bei Kafka.

Naturschutz nur für normale Bürger?

Wenn man bedenkt, dass jeder Besucher auf dem Avala sofort von einem Wachmann angesprochen und verwarnt wird, sobald er sich ein Veilchen oder ein paar Kräuter zum Tee kochen pflückt, wird das ganze Drama der Geschichte erkennbar. Denn beim Brummen von Bulldozern gibt es komischerweise keine Verwarnungen oder Strafen direkt am Fuße des Avala-Turms.

Glaub Ihr, dass sich die Bürger vor Ort für den Erhalt des Naturschutzgebietes einsetzen werden? Oder werden kriminelle Bauherren dort einfach vollendete Tatsachen schaffen und den Berg zubetonieren? Schreibt uns Eure Meinungen in die Kommentare.

Quelle: novosti.rs

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