Serbien einmal mehr zwischen Ost und West

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Foto: Novosti

Serbien befindet sich einmal mehr in seiner Geschichte in einer kritischen Lage zwischen seiner Freundschaft mit Russland und seiner Annäherung an die Europäische Union.

Denn am 2. März verhängte die EU Sanktionen gegen Russland aufgrund der Verhaftung des russischen Oppositionsführers Alexei Nawalny.

Diese sehen u.a. ein Einreiseverbot mehrerer hoher russischer Staatsdiener sowie die Einfrierung bestehenden Auslandsvermögens vor. Auch dürfen weder juristische noch natürliche Personen aus der EU den Betroffenen in irgendeiner Form Mittel oder Hilfe gewähren.

Die Sanktionen richten sich vor allem gegen den Vorsitzenden des russischen Untersuchungsausschusses im Fall Nawalny, Aleksandar Bastrykin, den Leiter der Nationalgarde, Viktor Solotow, den russischen Generalstaatsanwalt, Igor Krasnow, sowie gegen den Direktor der Kriminalpolizei der Russischen Föderation, Aleksandar Kalaschnikow.

Die Gretchenfrage: War er krank oder wurde er vergiftet?

Hintergrund der Sanktionen war die angebliche Vergiftung des Oppositionellen Nawalny. Dieser war im August 2020 während eines Fluges von Tomsk nach Moskau plötzlich schwer erkrankt. Nach einer Notlandung in Omsk wurde der Mann ins örtliche Krankenhaus gebracht. Dort fiel er ins Koma. Ersten Vermutungen, dass der Patient vergiftet worden sei, widersprachen die behandelnden Ärzte.

Als sich sein Zustand nicht besserte, verfügte seine Frau seine Ausreise nach Berlin. Dort wurde Nawalny monatelang in der Charité, dem größten Krankenhaus Deutschlands, behandelt. Die deutschen Ärzte waren der Auffassung, dass ihr russischer Patient Opfer eines Angriffs mit einem chemischen Kampfstoff geworden sei. Einem Kampfstoff, wie in angeblich nur die russische Staatsführung besitzen könnte.

Der Kreml wies die Anschuldigungen vehement zurück. Am 17. Januar kehrte Nawalny schließlich nach Russland zurück, wo er bereits am Flughafen von Scheremetjewo festgenommen wurde. Denn Nawalny hatte gegen Bewährungsauflagen verstoßen. Diese basierten auf einer rechtskräftigen Verurteilung wegen Unterschlagung. Eine Ausreise, wie sie von seiner Frau eingefädelt worden war, verstieß eklatant gegen die Auflagen.

Von Seiten der Vereinten Nationen, der EU, Großbritanniens und den USA hagelte es Protest. Man forderte die sofortige Freilassung Nawalnys und somit den Bruch russischen Strafrechts.

Ein Gericht verurteilte den Heimkehrer schließlich zu dreieinhalb Jahren Gefängnis. Naheliegend, dass Nawalny behauptete, seine neuerliche Verurteilung sei rein politischer Natur.

Serbien wird Russland nicht in den Rücken fallen

Jetzt ist es aber so, dass sich sämtliche EU-Staaten auf besagte Sanktionen gegen Russland verständigt haben. Länder, die demnächst in den auserwählten Club der Europäischen Union eintreten dürfen, müssen sich ebenfalls daran beteiligen.

Deshalb findet sich Serbien jetzt in einer Lage wieder, in welcher nicht nur die EU Druck aufbaut, um ein Einlenken der Regierung in Belgrad zu erzwingen. Auch alle Nachbarländer Serbiens haben sich sofort auf Linie der EU begeben, einschließlich Montenegro, Nordmazedonien und Albanien.

Serbiens Präsident Aleksandar Vučić erklärte bereits, dass es von serbischer Seite keinen Verrat am russischen Verbündeten geben werde. Ob Brüssel ein Einsehen haben wird, muss sich erst noch zeigen.

Dabei ist der Hintergrund auch für Brüssel natürlich klar, wie der Analyst Dragomir Anđelković gegenüber „Novosti“ erklärt:

„Die westlichen Länder verstehen sehr wohl, dass wir, im Gegensatz zu allen anderen Ländern des Balkans, das Problem mit Kosmet haben. Wir brauchen die Unterstützung Russlands, um unsere territoriale Integrität zu wahren. Wenn wir uns den Sanktionen anschließen würden, würde dies einem Verrat gleichkommen. Wir hätten kein Land mehr an unserer Seite, das den Beitritt des sogenannten Kosovo in die Vereinten Nationen aufhalten würde. Ein solcher Schritt würde sich also gegen uns selbst richten.“

Russland stand in schwierigen Zeiten fest zu Serbien

Abseits der Realpolitik wäre ein serbisches Einlenken in diesem Fall aber auch kaum vermittelbar. Russland hat sich in der Vergangenheit immer als zuverlässiger Partner und Freund erwiesen. Von der EU kann man dies mit Fug und Recht nicht behaupten. Dies wurde zuletzt nicht nur bei den schwierigen Verhandlungen in der Causa Kosovo deutlich, sondern auch ganz praktisch beim Ausbruch der Coronapandemie.

Denn während man in der EU noch darüber stritt, ob man dem eigenen Mitgliedsland Italien technische Hilfe gewähren sollte und von einer Unterstützung der Balkanländer noch keine Rede war, landeten gleich nach den chinesischen auch russische Flugzeuge auf dem Nikola-Tesla-Flughafen in Belgrad. An Bord russische Mediziner, Ausrüstung und später auch Impfstoffe. Serbien hat von der EU hingegen hauptsächlich warme Worte bekommen. Freilich, man kennt das bereits.

Sollte Serbien gegenüber der EU Härte zeigen? Schreibt uns Eure Meinungen in die Kommentare.

Quelle: novosti.rs

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