Serbien nicht weit entfernt von kollektiver Immunität gegen Covid-19

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Branislav Tiodorovic
Foto: Tanjug

Dr. Branislav Tiodorović, Epidemiologe und Mitglied im Krisenstab der Regierung, sieht Serbien an der Schwelle zur Kollektivimmunität in Bezug auf das gefährliche Coronavirus.

Wenn die Menschen sich weiter impfen lassen könnte zusammen mit denjenigen, die auf natürliche Weise Antikörper entwickelt haben, bald eine Immunität von 60 bis 70 Prozent in der Bevölkerung erreicht sein.

Ein genauer Zeitpunkt, wann dies erreicht sein könnte, lässt sich schwer vorhersagen. Der Epidemiologe geht jedoch davon aus, dass dies bereits innerhalb von fünfzehn Tagen bis zu einem Monat der Fall sein könnte. Wichtig ist hierzu, dass weitere zwei Millionen Bürgerinnen und Bürger mit einem der entwickelten Impfstoffe versorgt würden. Dies hänge natürlich entscheidend davon ab, ob die Hersteller genug liefern können.

Das Interesse an den Impfungen ist gleichwohl nach wie vor in Serbien ungebrochen. Aber auch in anderen Ländern der Region hat inzwischen die Nachfrage nach den Impfstoffen aus Russland und China enorm zugenommen.

Kroatien und Ungarn wollen Serbien folgen

Erst vor kurzem hatten Kroatien und Ungarn beschlossen sich, entgegen der Impfpolitik der EU, eigenständig mit diesen Präparaten zu versorgen. Denn das europäische Impfprogramm Covax läuft nur äußerst schleppend an. Auch gibt es Konflikte in der Europäischen Union, um die Verteilung der dort zugelassenen und äußerst knappen Dosen.

„Wir könnten wirklich in fünfzehn Tagen zwei Millionen Einwohner impfen. Auch heute wird es wieder eine große Zahl an Neuimpfungen geben. Wenn die Hersteller noch etwas schneller liefern könnten, wäre dies umso besser.

Was Covax angeht, haben wir da wirklich noch nichts Neues bekommen. Es ist gut, dass unsere Bürger schätzen gelernt haben, dass es stattdessen besser ist, bilaterale Abkommen mit anderen Ländern zu abzuschließen. Denn wie Sie sehen, bewegen sich jetzt auch Kroatien und Ungarn in diese Richtung“, so Tiodorović, nicht ohne Seitenhieb auf das dysfunktionale europäische Impfprogramm.

Tiodorović warnte jedoch ausdrücklich davor, aufgrund der Impfungen die Coronakrankheit auf die leichte Schulter zu nehmen. Es sei unbedingt erforderlich, dass die Menschen sich weiterhin an die Maßnahmen hielten. Denn wenn sich die Infiziertenzahlen weiterhin erhöhen, wird es bis zu einer kollektiven Immunität viele weitere vermeidbare Opfer geben.

Trotz guter Impffortschritte ist Vorsicht geboten

Sorgen bereitet den Epidemiologen europaweit zudem die Ausbreitung von mutierten Virusstämmen. Denn diese sind aggressiver und ansteckender als die ursprüngliche Coronavariante.

Nach den neuesten Daten haben in Serbien bereits 1.018.937 Personen einen der verfügbaren Impfstoffe erhalten. 635.000 von ihnen erhielten zudem bereits die zweite Dosis.

Da natürlich nicht jeder am gleichen Tag geimpft werden kann, wird es beim gegenwärtigen Tempo noch ein paar Wochen dauern, bis die Zahl der Geimpften auf zwei Millionen anwachsen wird. Im Schnitt drei Wochen nach der Verabreichung der ersten Dosis können die Leute dann mit der zweiten versorgt werden.

Dieser Zeitraum wird benötigt, damit der menschliche Körper ausreichend Antikörper entwickeln kann. Nach etwa einem Monat könne man dann sagen, dass Serbien an der Schwelle der Kollektivimmunität stehe.

In Deutschland sind derweil bisher viereinhalb Millionen Menschen mindestens mit der ersten Dosis eines der Präparate geimpft worden. Man darf jedoch nicht vergessen, dass Deutschland über mehr als 83 Millionen Einwohner verfügt und eigentlich über weitaus mehr Ressourcen als Serbien verfügt.

Insbesondere China und Russland unterstützen Serbien mit Lieferungen ihrer Impfpräparate. Diese sind jedoch in der EU noch nicht zugelassen. Stattdessen setzt man dort auf westliche Impfstoffentwicklungen, welche schwer zu lagern und zudem noch teuer sind.

Auch kam es immer wieder zu Verzögerungen in der Produktion und der Auslieferung. Man sollte zudem nicht vergessen, dass die in der EU bisher zugelassen Impfstoffe teilweise in ihrer Wirksamkeit schlechter als die in Serbien verabreichten Präparate sind. Dies betrifft vor allem das Präparat der Firma AstraZeneca.

Wird Serbien auch als erstes Land in Europa eine Kollektivimmunität erreichen? Wie haltet Ihr es mit den Maßnahmen? Schreibt uns Eure Meinungen in die Kommentare.

Quelle: novosti.rs

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