Sonja Karadžić kämpft für ihren Vater

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Foto: D. Gavrić

Radovan Karadžić soll vom niederländischen Scheveningen nach Großbritannien verlegt werden, um dort seine Haftstrafe abzusitzen. Dies gab das britische Außenministerium bekannt.

Seine Tochter Sonja fürchtet jetzt um das Leben ihres Vaters.

„Wir haben absolut und aus gutem Grund Angst um Radovans Leben, seitdem die Nachricht eintraf, dass er nach Großbritannien verlegt werden soll. Für das Recht und insbesondere für die Menschenrechte ist es verheerend, dass man Radovan Karadžić in einen Zustand ständiger Lebensgefahr bringen will“, so Tochter Sonja.

Es sei für sie auch vollkommen unverständlich, wie der Sicherheitsrat als Gründer des Strafgerichtshofes in Den Haag einem solchen Vorhaben zustimmen konnte. Denn eigentlich sei es dank einer Initiative Nelson Mandelas eine feste Regel, dass ein Gefangener seine Strafe möglichst nah bei seiner Familie verbüßen müsse.

Sollte Karadžić nach Großbritannien gebracht werden, könnte davon keine Rede sein.

Entscheidung gegen bisherige Regularien

„Für uns als seiner Familie bedeutet dies eine ungeheure Erschwerung von Radovans gesamter Lebenssituation. Sein Leben ist in höchster Gefahr und wir haben dann, aufgrund von Visa-Problemen und anderen Schwierigkeiten, kaum eine Möglichkeit, um ihm beizustehen. Das alles wurde im völligen Widerspruch zu den bisherigen Entscheidungen des Sicherheitsrates beschlossen. Ganz zu schweigen davon, gibt es bereits den Wunsch ihn in Einzelhaft zu belassen oder ihn 24 Stunden am Tag Gefahren auszusetzen“, so Tochter Sonja.

Sie ist vollkommen überzeugt davon, dass man hinter den Kulissen bereits die Ermordung ihres Vaters plane. Auch fügt sie hinzu, dass der Präsident des Gerichts in Den Haag keinem einzigen serbischen Gefangenen eine Haftminderung gestattet hat. Dies war jedoch in anderen Fällen nach eine Verbüßung von zwei Dritteln der Strafe gängige Praxis, bis hin zur vorzeitigen Entlassung.

Sorgen sind nicht unbegründet

Sonjas Sorge scheint nicht aus der Luft gegriffen. Denn es tun sich gewisse Parallelen zum früheren Präsidenten Slobodan Milošević auf. Die Đinđić-Regierung hatte ihn 2001 nach Den Haag ausgeliefert. In den folgenden Jahren schaffte es die Anklage jedoch nicht, Milošević die beschuldigten Verbrechen, wie Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit oder ethnische Säuberungen nachzuweisen.

2006, noch bevor das Gericht irgendein Urteil fällte, starb Milošević in seiner Gefängniszelle in Den Haag. Die Umstände sind bis heute nicht völlig aufgeklärt.

Dass ein prominenter serbischer Gefangener in internationaler Haft plötzlich verstirbt, ist also kein Novum. In Großbritannien, dem ehemaligen Kriegsgegner von 1999, dürfte das Risiko für einen Gefangenen wie Radovan Karadžić deutlich größer sein.

Ursprünglich hatte das Gericht Karadžić im März 2019 zu vierzig Jahren Haft verurteilt. In einem Berufungsprozess entschied der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien seine Strafe auf lebenslänglich zu erhöhen. Der 75-jährige würde somit niemals wieder serbischen Boden betreten können. Zudem säße er noch in einer Zelle des ehemaligen Kriegsgegners Großbritannien versterben.

Was haltet Ihr von der geplanten Auslieferung nach Großbritannien? Schreibt es uns in die Kommentare.

Quelle: novosti.rs

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