Volkszählung in Kroatien geht für Serben auch online

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Eine Kampagne soll Serben für die kroatische Volkszählung mobilisieren
Foto: Novosti/Arhiva

In Kroatien findet ab Mitte September eine Volkszählung statt. Aber viele dort lebende Serben wollen sich nicht als solche registrieren. Denn sie fürchten, sich Diskriminierungen und Beleidigungen auszusetzen, wenn sie sich öffentlich als solche zu erkennen geben.

Aus diesem Grund hat der Serbische Nationalrat in Kroatien eine Kampagne gestartet. Mit einem Online-Angebot soll den Menschen die Möglichkeit gegeben werden, sich ohne dass Nachbarn oder Bekannte dies mitbekommen.

In diesem Zusammenhang strahlt man im kroatischen Fernsehen auch ein Video aus, welches bereits jetzt für kontroverse Debatten sorgt. Denn das Video mit dem Titel „Ne budi samo Srbin…budi e-Srbin“ („Sei nicht einfach nur ein Serbe… Sei ein Online-Serbe“) zeigt einen fiktiven Mann mit dem Namen Srbljanović, welcher sich in seiner abgedunkelten Wohnung vor einen Computer setzt und die Seite der Online-Volkszählung aufruft. Dort gibt er an, dass er Serbe sei. Im Anschluss wird der Text „Sie können angeben, zu welcher Nationalität Sie gehören, ohne dass es jemand herausfindet“ eingeblendet.

Der Nationalrat hofft, mit diesem niedrigschwelligen Angebot mehr Serben zu einer korrekten Angabe ihrer Nationalität bewegen zu können. Vor allem in Gebieten Kroatiens in denen es nach wie vor ein heikles Thema ist, Angaben zur Nationalität oder zur Religion zu machen, soll die Kampagne fruchten.

Dies ist aber noch nicht alles. Auch kroatische Politiker rufen öffentlich dazu auf, dass sich kroatische Serben zu ihrer Herkunft bekennen. So sagte der Vizepräsident des kroatischen Parlaments, Furio Radin: „Haben Sie keine Angst, sich selbst öffentlich zu erklären.“ Radin gehört selbst der italienischen Minderheit an.

Minderheitenvertreter beteiligen sich an Volkszählung

Die Kampagne kommt weiterhin nicht von ungefähr. Denn im Vorfeld der Volkszählung mobilisiert die kroatische Rechte ihre Kräfte. Diese wollen die Minderheiten im Land, insbesondere die Serben, einschüchtern, um ein möglichst homogenes Ergebnis zu erzielen. Denn ein ethnisch reines Kroatien ist schon seit Ewigkeiten ihr Traum.

In der ersten Phase der Volkszählung vom 13. bis 26. September haben alle Bürger Kroatiens die Möglichkeit, sich online zu registrieren. In der zweiten Phase vom 27. bis 17. Oktober wiederum werden dann sogenannte Volkszäher bei all jenen von Tür zu Tür gehen, die sich noch nicht registriert haben.

Damit dies reibungslos ablaufen kann, sollen in besonders sensiblen Gebieten, beispielsweise in der Stadt Vukovar, Mitglieder der serbischen Minderheit die dort lebenden Serben befragen. Bei den anderen in Kroatien lebenden Minderheiten will man ähnlich verfahren

Abgesehen von der positiven Botschaft hat dies auch einen praktischen Nutzen. Denn diese kennen natürlich die Sprache und Schrift ihrer Leute, gleich ob es sich um Serben, Ungarn, Italiener oder andere handelt.

Die kroatische Rechte fürchtet die Ergebnisse

Das Amt für Statistik des Adrialandes hat diesen Vorschlag bereits angenommen, so dass seiner Umsetzung eigentlich nichts mehr im Wege stehen dürfte. Eigentlich. Denn Politiker rechtsextremer Parteien laufen Sturm gegen das Vorhaben. Dabei ist das Vorgehen Mitglieder der Minderheiten für die Erfassung der Minderheiten bei Volkszählungen einzusetzen nichts Neues. Kroatien praktiziert dies bereits seit Jahren.

Besonders tut sich bei der Hetze Ivan Penava hervor, der Bürgermeister von Vukovar. Er glaubt, dass die serbische Minderheit solche Hilfestellungen missbrauchen werde. Weiterhin spricht er gar von „Ethno-Geschäftsleuten“, welche auf diese Weise öffentliche Gelder erschleichen wollen.

„Wir fordern, dass die Volkszählung korrekt gemacht wird, ohne die Möglichkeit der Manipulation, wenn es um Vukovar, Benkovac, Vrgorac oder Knin geht“, verkündete Penava lautstark.

Falsche Angaben werden mit Geldstrafen geahndet

Als Volkszähler werden meistens Studenten eingesetzt, die sich auf diese Weise etwas dazu verdienen können. Die Beträge reichen dabei je nach Dauer und Aufwand von 500 bis 700 Euro. Das ist auch in Kroatien ein ordentlicher Batzen Geld.

Wenn die Volkszähler vor der Tür stehen, muss man diese übrigens nicht ins Haus oder die eigene Wohnung lassen. Es reicht aus, alle notwendigen Angaben an der Haustür zu machen. Falschangaben oder eine Verweigerung sollte man weiterhin tunlichst unterlassen. Sonst winken Geldstrafen von bis zu 700 Euro.

Der Schritt zur Online-Registrierung ist sicherlich begrüßenswert. Allerdings stoßen bei ihm ein paar Dinge übel auf. So stellt sich die Frage, inwiefern ein Clip mit einem „Herrn Srbljanović“ wirklich angebracht ist, selbst wenn er witzig gemeint ist und zum Schmunzeln anregen soll.

Denn das Thema ist dafür viel zu ernst.

Viele Serben leiden in Kroatien bis heute unter Diskriminierung. Auch die kroatische Rechte, die immerhin bis heute den faschistischen Ustaša-Staat glorifiziert, ist nach wie vor ungebrochen stark in Kroatien.

Somit sehen die jetzigen Maßnahmen viel zu sehr wie improvisiertes Flickwerk aus. Denn sie verschleiern und banalisieren die eigentlichen Probleme. Denn eine ernsthafte Auseinandersetzung der kroatischen Mehrheitsbevölkerung mit rassistischen und nationalistischen Strömungen in den eigenen Reihen wird somit geschickt ausgewichen.

Zwar ist es sicherlich begrüßenswert, dass neue Wege bei der Volkszählung beschritten werden, die auch die Minderheiten des Landes stärker einbeziehen. Gleichwohl ändern sie nichts an des Pudels Kern.

Für „Herrn Srbljanović“ bedeutet dies in der Konsequenz, dass er auch in Zukunft im Dunkeln sitzen werden muss.

Wie denkt Ihr über die Kampagne? Schreibt uns Eure Meinungen in die Kommentare.

Quelle: novosti.rs

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