Wie die UDBA die Ustaša-Täter aus Jasenovac festnahm

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Collage mit Ante Pavelic, Bildern aus Jasenovac und Ustascha
Foto: YouTube/screenshot/MaliVragolan94, GettyImages/Guliver/Keystone, YouTube/Screenshot/ saks1916

Der Film „Dara aus Jasenovac“ ist zurzeit in aller Munde. Gerade in den westlichen Ländern sind die Umstände und Fakten, um das Konzentrationslager im faschistischen „Unabhängigen Staat Kroatien“ während des Zweiten Weltkriegs kaum bekannt. Der Film wird daher beim Publikum seinen Teil zur Erhellung dieses dunklen Kapitels beitragen.

Viele wissen aber auch in Serbien nicht, wie die Geschichte nach Kriegsende weiterging und insbesondere nicht, was mit den Tätern geschah.

Denn mit einer der größten und geheimsten Operationen des jugoslawischen Geheimdienstes UDBa sollten viele von ihnen ihrer gerechten Strafe zugeführt werden.

Nach dem Ende des Krieges hatten die Ustaše eine gewaltige Neiderlage erlebt. Viele mussten ins Ausland flüchten, wo sie auf Rache sannen und planten, ihre grausamen Taten eines Tages wieder fortzusetzen. Vor allem hofften sie mit den in Jugoslawien verbliebenen Ustaša-Gruppen einen Umsturz herbeiführen zu können und wieder die Macht zu erlagen.

Sie warteten nur auf eine günstige Gelegenheit. Dies schien sich zwei Jahre nach Kriegsende anzubahnen.

Denn tatsächlich befand sich das junge kommunistische Regime von Tito im Jahr 1947 in einer gefährlichen Lage. Jugoslawien, schwerstens vom Krieg gezeichnet, war nach dem Bruch mit Stalins Sowjetunion außenpolitisch und wirtschaftlich isoliert. Auch war nicht absehbar, ob die Sowjets versuchen würden, einzumarschieren. Das Land befand sich am Rande des Abgrunds.

Deshalb entschied sich Božidar Kavran, ein Ustaša im Rang eines Obersten, für eine großangelegte Aktion. Ante Pavelić, der „Führer“ der kroatischen Faschisten persönlich, gab Kavran freie Hand dafür.

Geplant war in der Aktion „10.April“, benannt nach dem Gründungsdatum des faschistischen Marionettenstaates, dass verschiedene Ustaša-Gruppen im Ausland die Grenzen Jugoslawiens überschreiten und sich vor Ort mit zurückgebliebenen Terroristen und Helfershelfern zu vereinigen. Zusammen wollten sie eine schlagkräftige Truppe auf die Beine stellen, um weitere Operationen im Landesinneren durchzuführen. Ihr endgültiges Ziel sollte dann ein kroatischer Aufstand sein.

Unter den Beteiligten befanden sich denn auch einige der Henker aus Jasenovac, welche auch in dem aktuellen Film auftauchen.

Ein genialer Plan des Geheimdienstes

Kavran entschied sich zuerst nach Italien zu gehen, um dort Rekruten für seinen Plan zu finden. Allerdings konnte der jugoslawische Geheimdienst über sein großes Spionagenetzwerk Wind von der Sache bekommen.

Man entschied sich jedoch den Ustaša-Plan fürs Erste weiterzuverfolgen und bei gegebener Zeit zu zuschlagen. Hierzu sollten Agenten in der Geheimoperation „Gvardijan“ falsche Identitäten benutzen, um den Terroristen eine Falle zu stellen.

Bald schon erfuhr man, dass die erste Gruppe an Terroristen am Berg Papuk in Slawonien die Grenze überschreiten sollte. Ihre Verhaftung entpuppte sich gleich als großer Erfolg. Denn unter den eingesickerten Faschisten, befand sich niemand Geringeres als Ljubo Miloš, der ehemalige Kommandeur von Jasenovac. Ihn begleiteten zudem der Ustaša-Major und stellvertretende Lagerkommandant von Stara Gradiška, Ante Vrban, und der bekannte Ustaša Luka Grgić.

Die Gruppe hatte schon früh bemerkt, dass sie offensichtlich getäuscht worden waren. Denn bei ihrem Zug durch die Berge merkten sie bereits nach wenigen Tagen, dass sie vor Ort von niemandem erwartet wurden. Als sie sich auf dem Rückweg nach Ungarn befanden, schnappte die Falle der UDBa zu.

Miloš und Vrban wurden festgenommen. Grgić starb, als er sich seiner Festnahme entziehen wollte.

Mehr als 50 Faschisten gingen den Agenten ins Netz

Damit hatte die UDBa zwar schon einen großen Coup gelandet, aber die Aktion sollte noch weitergehen. Man schickte eine gefälschte Nachricht an Kavran. Der Plan der Faschisten habe funktioniert, man sei inzwischen mit weiteren Vorbereitungen beschäftigt, bräuchte allerdings einige erfahrene Offiziere, um mit ernsthaften Operationen beginnen zu können.

Kavran ging der Nachricht auf den Leim. Er schickte einen Trupp von fünf weiteren Leuten über die ungarisch-jugoslawische Grenze. Alle wurden am 29. Juli desselben Jahres verhaftet.

Dabei bekam der Geheimdienst auch Unterstützung aus der Bevölkerung. Denn die Einwohner des Dorfes Suhopolje hatten berichtet, dass sie einen verdächtigen Trupp von fünf Bergsteigern gesehen hatten.

Im Hauptquartier der UDBa begannen in der Zwischenzeit die Verhöre. Insbesondere Miloš brach schnell unter der erdrückenden Beweislast gegen ihn zusammen und erklärte sich bereit, mit dem Geheimdienst zusammenzuarbeiten. Schnell verriet er ihnen Details zu den faschistischen Plänen und auch die verwendeten Geheimcodes.

In der Folge gelang es, immer mehr Ustaša-Gruppen auf jugoslawisches Territorium zu locken. In der letzten befand sich sogar Kavran persönlich.

Bis heute hält sich sogar die Legende, dass die UDBa am Schluss der Operation eine Nachricht an das Hauptquartier der Ustaše im österreichischen Villach schickte. Die Nachricht soll gelautet haben: „Wir haben Euch gef*ckt. Stop. Ihr seid alle bei uns im Gefängnis.“

Die Verhafteten wurden alle in der Volksrepublik Kroatien vor Gericht gestellt. Einige der Angeklagten, wie Miloš, Vrban und Kavran wurden zum Tod durch den Strick verurteilt. Andere erhielten mit der Todesstrafe ihr Urteil. Für die restlichen gab es Gefängnisstrafen zwischen 15 und 20 Jahren.

Die Geschichte ist absolut filmreif. Oder was denkt Ihr? Schreibt uns Eure Meinungen in die Kommentare.

Quelle: mondo.rs

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