Zweifelhaftes Verhalten von Touristen in Serbien

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Das Nachtleben wird in Belgrad großgeschrieben
Foto: Poxaby/ericbarns

Bereits vor Corona „entdeckten“ immer mehr Ausländer Serbien als Touristenland. Nach der pandemiebedingten Flaute des letzten Jahres zog im Sommer auch langsam wieder die Zahl der ausländischen Besucher an. Kein Wunder, denn im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern, gab es bei uns kaum größere Beschränkungen.

Insbesondere unsere Hauptstadt Belgrad wartete darauf, wieder als internationale „Partymetropole“ aus ihrem Dornröschenschlaf zu erwachen.

Aber bei diesen positiven Nachrichten sollte man dennoch auch einen näheren Blick auf die Feiertouristen werfen.

Nur die wenigsten kommen für sogenannte Kulturreisen, als um sich Land und Leute anzuschauen oder durch die Museen unseres Landes zu schlendern und sich mit der reichhaltigen Geschichte unserer Heimat zu beschäftigen.

Viele Junge Leute kommen als sogenannte Backpacker für ein paar Tage mit dem Rucksack in die Hauptstadt, um sich zu amüsieren und das südosteuropäische Flair kennenzulernen. Viele zieht es dann auch in die Natur, zum Beispiel nach Fruška Gora in der Vojvodina.

Wieder andere suchen allein Spaß und Abenteuer im Nachtleben Belgrads. Damit diese Gruppe nicht erst lange suchen muss, haben sich sogar Agenturen darauf spezialisiert, ein komplettes Abendpaket anzubieten.

Geld regiert bekanntlich die Welt

Je nach dem, was der Tourist bereit ist zu bezahlen, wird ihm mal mehr oder mal weniger geboten. Die Preise variieren zwischen 100 und 500 Euro pro Person.

Wer viel bezahlt, bekommt dann auch viel für sein Geld.

Für dieses Geld gibt es geführte Touren in einschlägige Rakija-Bars, in die besten Cafés der Stadt, einen Ausflug in die Kneipen und Cafés in Skadarlija und zum Schluss auf eines der vielen Clubboote bei Neu-Belgrad. Alles in Begleitung eines fremdsprachigen Reiseführers, der die Ausländer alleine oder in Gruppen durch das Nachtleben schleust.

Hinzu kommen noch gewisse Extras.

Die Fremdenführerin Anđela Marković berichtet: „Meistens wird eine Gruppe von vier Personen zusammengestellt. Die Agenturen haben diverse Angebote, vom billigsten bis zu VIP. Damit können alle Wünsche maßgeschneidert bedient werden. Eine Tour dauert in etwa acht bis zwölf Stunden und enthält alles, was die Touristen wünschen, vom Besuch der Clubs und Bars bis hin zu den Getränken. Grundsätzlich beginnen die Programme immer bei Skadarlija und enden dann in einem der Clubs auf den Hausbooten bei Neu-Belgrad.

Hinzu buchen kann man zudem einen Fotografen, eine Hostess sowie einen Animator. Dieser soll den Touristen dann dabei helfen, zum Beispiel ein Mädchen oder einen jungen Mann in den Clubs kennenzulernen. So ein Komplettpaket kostet 200 bis 500 Euro. Das ist nichts für die.“

Belgrad bietet Ausländern viel Unterhaltung zu kleinen Preisen

Bei den Touristen stoßen solche Offerten natürlich auf viel Gegenliebe. Das bestätigt auch ein Deutscher, der sich im Nachtleben von Serbiens Hauptstadt richtig austoben will. Er erzählt ganz offenherzig:

„Alles ist hier billig und wir sind hier überall willkommen. Wir waren in ein paar Kneipen und es ist dort richtig verrückt. Als erstes sah ich, dass alle Mädchen hier ordentlich, gepflegt und geschminkt waren. Und dass sie sich sehr freizügig kleiden. Aber im Gespräch sieht man dann, dass sie eigentlich recht konservativ sind.

Meistens sind alle auch sehr kommunikativ. Es war für mich anfangs seltsam, dass man sich nach bereits nach 15 Minuten Kennenlernen bereits umarmt. Aber ich sehe, dass das hier nunmal so ist. Wir waren überall. Vom Wettbüro über Rakija-Bars bis hin zu Clubs bekommt man hier alles für kleines Geld.“

Manche meinen, dass man die Serben kaufen kann

Aber nicht alle dieser „Nightlife-Touristen“ sind zufrieden. Manche ärgern sich sogar. So erzählt ein Mann aus der Türkei, der über seine Firma hierhingekommen ist, von seiner Enttäuschung vom organisierten Abendprogramm:

„Zuerst hatten wir Probleme mit der Buchung. Wir wurden auch gewarnt, dass wir in Belgrad alles überprüfen und auf alles achtgeben sollen. Die Volksmusiker hier sind am Anfang ganz interessant. Aber das ist keine Musik, die ich länger hören kann. Zum Glück gibt es hier genügend Clubs. Aber mir ist nicht klar, warum die Mädchen da Getränke annehmen, aber wenn Du sie ansprichst, wollen sie nichts mit dir zu tun haben. Sie sind nicht sehr umgänglich und meist sogar sehr arrogant. Auch ist mir aufgefallen, dass die Leute nur betrunken tanzen können. Tatsächlich habe ich mir eine viele bessere und entspanntere Führung versprochen.“

Anscheinend ließen sich die eingeladenen Damen doch nicht so leicht von der Brieftasche dieses Herrn beeindrucken.

Unter den Ausländern gibt es solche und solche

Die Erfahrungen der Touristenführer mit dem ausländischen Partyvolk sind derweil ebenfalls durchmischt.

Manches sei durchaus positiv: „Die Ausländer sind oft viel besser gelaunt als unsere Leute. Sie singen, tanzen, gene0en den Abend und sind die ganze Zeit völlig relaxt. Sie interessieren sich auch für die Einheimischen und wollen Kontakt zu ihnen. Manche wollen dann sogar in Serbien bleiben. Ich weiß aber nicht, ob sie das dann auch tatsächlich schaffen. Mehrmals habe ich erlebt, wie einer von ihnen auch eine Frau von hier fand“, berichtet der Touristenführer.

Es gibt aber auch die andere Seite der Medaille. Das ist dann der Fall, wenn die ausländischen Gäste alle Hemmungen fallen lassen und meinen, dass ihnen das Land gehört.

„Es gibt viele, die jegliches gute Benehmen vergessen und glauben, sie könnten hier machen, was sie wollen. Sei pöbeln herum, kotzen auf die Straße, weil sie zu viel gegessen oder getrunken haben. Das sieht man bei uns tatsächlich sehr selten bei unseren Leuten. Die interessieren sich auch nicht für unsere Geschichte oder Kultur. Die tun sogar so, als ob wir keine hätten. Es gibt auch solche, die glauben, dass man unsere Frauen einfach kaufen kann. Nur weil sie viel mehr Geld haben und aggressiv auftreten. Aber wir versuchen dann immer solche Situationen zu entschärfen“, berichtet er weiter.

Tatsächlich ist nichts dagegen einzuwenden, wenn junge Leute aus anderen Ländern zu uns kommen, um Party zu machen. Ganz im Gegenteil. Natürlich wäre es schöner, wenn sich alle mehr für Land und Leute interessieren würden. Aber Hand aufs Herz: Auch viele Serben bevorzugen im Urlaub lieber den Strand und die Clubs als die Akropolis oder irgendwelche Museen.

Belgrad darf nicht zur billigen Amüsiermeile Europas werden

Was allerdings überhaupt nicht geht, sind Partytouristen, welche mit ihren Ost- und Südosteuropaklischees zu uns kommen. In Zentral- und Westeuropa glauben bis heute viele, dass man in den Ländern in unserer Region alles mit Geld regeln und auch machen kann. Das ist beschämend. Auch für uns, aber noch mehr für sie. Nur merken diese Leute es meistens nicht.

Von solchen „Gästen“ profitieren auch nicht wirklich unsere Bürger. Denn sie machen mehr Ärger und Probleme, als dass sie in der Fläche Geld einbringen. Das Geld bleibt in Belgrad und da auch fast nur in den Nachtclubs hängen.

Dementsprechend sollte es auch den Tourismusbehörden wichtig sein, ein gewisses Niveau zu halten. Spanien hat es bereits in der Vergangenheit vorgemacht. Dort wurde der Party- und Sauftourismus teils drastisch eingeschränkt. Und trotzdem blüht der Tourismus auf Inseln wie Mallorca oder auf der iberischen Halbinsel selbst.

Andersherum sollten gerade Länder wie z.B. Thailand oder auch Bulgarien abschreckend auf uns wirken. Diese beiden Beispiele sind sicherlich in vielerlei Hinsicht unpassend und überzogen, zeigen aber, wohin es schöne Länder mit reichhaltigen Kultur bringt, wenn exzessiver Partytourismus und westliches Geld im Überfluss über die Grenzen schwappt.

Wie denkt Ihr über Belgrad als Partymeile für ausländische Touristen? Sehr Ihr mehr Vorteile oder mehr Nachteile in dieser Entwicklung? Schreibt uns Eure Meinungen in die Kommentare.

Quelle: mondo.rs

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