Serbien: Bankrott ganzer Städte!

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Die serbische Regierung hat den Aktionsplan verabschiedet, dem zufolge der Privatisierungsprozess in 188 Unternehmen in Serbien, in denen es weder Produktion noch interessierte potenzielle Investoren gibt, mit dem Beginn des Konkursverfahrens beendet wird. Mittel für Sozialprogramme für rund 5.000 Mitarbeiter, die in diesem Prozess arbeitslos bleiben werden, sind auch schon eingeplant.

Jetzt handelte der Staat wie er es musste, aber da drängt sich trotzdem die Frage auf: Wie ist es eigentlich dazu gekommen? Im Forstindustriekonzern Kopaonik in Kuršumlija beispielsweise arbeiteten über 5000 Menschen in den 80-er Jahren, ähnlich wie jetzt im Stahlwerk Smederevo, um dessen Erhaltung die gesamte Staatsführung kämpft. Aber legen wir für einen Moment die schon so oft wiederholte Geschichte über die allgemeine Verschlechterung der Wirtschaft in den neunziger Jahren beiseite, vergessen wir all die Direktoren, die nicht einmal ein Mindestinteresse zur Problemlösung gezeigt haben, und ignorieren die Tatsache, dass niemand jemals wegen Inkompetenz verantwortlich gewesen ist. In der jüngsten Geschichte investierte der Staat in die Revitalisierung von Kopaonik im Jahr 2010 mindestens 17,2 Millionen Euro. Die Geschichte über das erfolgreiche Unternehmen Simpo, das ein Betrieb aus Kuršumlija übernahm, war ein Vorbild für alle andere. Auch die Wiedereinstellung, egal für welch erbärmlich niedrige Löhne, brachte wieder Hoffnung in die kleine Stadt, die mittlerweile auf 15.000 Einwohner gesunken ist.

Dies ist nur eins der Dutzende von Beispielen von Fabriken in kleinen Städten, die dank der schlechten Privatisierung und der Unfähigkeit ihrer Leiter an den Rand des Zusammenbruchs gebracht wurden. Wie oft nur wurden die Direktoren dieses und ähnlicher Unternehmen wegen Betrug im Wert von mehreren Millionen Dinar festgenommen. Wie oft kamen Experten aus Schweden und anderen Ländern, um zu untersuchen, vereinbaren, vorschlagen und überprüfen, ob nach höchsten Standards betrieben wird. Wie oft konnte man hören, dass anstatt in Arbeiter und Einrichtungen das Geld in Malerarbeiten, Ausstattungen von Restaurants und teure Dienstreisen investiert wurde.

Bis vor ein paar Monaten wurde über vier interessierte Käufer gesprochen, und jetzt gibt es keinen mehr. Die Fabrik geht in Konkurs, die Menschen wieder auf die Straße, das Problem ist nur – diese Fabrik ist die letzte die noch funktioniert. Alle anderen wurden schon längst privatisiert und einfach geschlossen, ohne dass jemand dafür angeklagt wurde. Jetzt schon lebt in Kuršumlija, Blac oder Merošina nur wer muss. Alle, die berufstätig sind, arbeiten im Staatsdienst. Die Landwirtschaft wird nicht genug gefördert und wenn in einem Waldgebiet am Ende auch noch das Holzverarbeitungsbetrieb zugrunde geht, ist es schwierig, sich vorzustellen, was erfolgreich sein könnte. Wenn in einem kleinen Ort zwei Fabriken geschlossen werden, ist es nicht gleich wie wenn in Belgrad fünf geschlossen werden. Dies kann für die Bevölkerung in Südserbien nur ein Signal sein, so weit wie möglich zu fliehen. Die letzte Regierung hatte sogar ein Ministerium für ausgewogene regionale Entwicklung, das aber überhaupt nicht dazu beigetragen hat. Die ehemalige Ministerin trägt dafür keine Folgen, sowie die Direktoren der zugrunde gegangenen Unternehmen oder gar die Verbrecher, die diese Unternehmen gekauft haben, nur um sie zu schließen. Die Liquidation solcher Unternehmen ist jetzt unvermeidlich, aber jemand muss trotzdem die Verantwortung für das Verschwinden ganzer Städte übernehmen.

Quelle: Voiceofserbia.org

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