Heute feiern die Serben Vidovdan

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Das Mädchen vom Amselfeld
Foto: Novosti

Heute, am 28.Juni, wird in Serbien ein ganz besonderer Feiertag begangen. Die Rede ist vom Vidovdan, dem Sankt-Veits-Tag, wie er auf Deutsch heißt.

Aber Übersetzungen in eine andere Sprache geben nur in kleinen Teilen wider, was so ein Tag tatsächlich im jeweiligen Land bedeutet. Einem Deutschen wird es nur schwer zu erklären sein, dass der Vidovdan für die Serben weit mehr ist als ein kirchlicher Feiertag.

Denn dieses Datum steht für einen Schicksalstag des serbischen Volkes. Es war an einem 28.Juni 1389, nach dem julianischen Kalender am 15.Juni, dass ein serbisch-christliches Heer sich dem osmanischen Vormarsch auf dem Balkan entgegenstellte. Angeführt vom später heiliggesprochenen Fürsten Lazar Hrebeljanović wussten die Kämpfer, dass sie höchstwahrscheinlich nicht wieder lebend nach Hause zurückkehren würden.

Aber ihr Mut und ihr christlicher Glaube verpflichteten sie, sich dem Feind entgegenzustellen.

Die Schlacht selbst fand im Herzen des Serbischen Reiches auf dem Amselfeld im Kosovo statt.

Lazar starb während des Kampfes. Langsam begann sich das Schlachtenglück zugunsten der Osmanen zu neigen. Aber auch die Türken hatten bald einen außergewöhnlichen Verlust zu beklagen.

Ein serbischer Adliger namens Miloš Obilić ließ sich gefangen nehmen und dem Sultan Murad vorführen. Versteckt in seinem Gewand trug er ein Kurzschwert bei sich, welches den Wachen des Sultans entgangen war.

Als Miloš vor dem Sultan stand, zückte er seine Klinge und stach sie ihm, dem Unglücksbringer des Abendlandes, in die Brust. Die überraschten Türken ermordeten den christlichen Ritter auf der Stelle.

Miloš und Lazar, der sich für das himmlische anstelle des irdischen Reiches entschied, und seinen Tod dafür in Kauf nahm, sind sicherlich die wichtigsten und bekanntesten Personen der Schlacht auf dem Amselfeld.

Serbiens größte Helden opferten sich an diesem Tag

Aber auch viele andere tapfere Helden des alten Serbiens nahmen an der Schlacht teil und fielen an jenem Tag. Sie alle wurden vom Volk im Anschluss in unzähligen Mythen verherrlicht, welche bis heute in Serbien sehr bekannt sind. Zu nennen wären etwa der alte Jug Bogdan und seine Söhne, die neun Jugovići oder Stefan Musić, welcher sehenden Hauptes in seinen Untergang ritt.

Besonders bekannt ist auch Pavle Orlović, der Bannerträger Lazars.

Nach der Schlacht, so will es die Legende, fand ihn ein Mädchen auf dem Schlachtfeld, versorgte seine Wunden und gab ihm zu trinken. Orlović starb schließlich in den Armen der Schönen.

Allein dieses Epos vom Mädchen vom Amselfeld ist jedem Serben geläufig. Auch dürfte es wohl niemanden geben, der von dieser Erzählung nicht zutiefst berührt ist.

Genannt sei auch Vuk Branković, welcher laut den Volkssagen Verrat an seinen christlichen Bundesbrüdern übte und zu den Osmanen überlief. Der historische Vuk hingegen führte den Krieg gegen die Invasoren auch in den nächsten Jahren fort.

Stoff für Legenden und Mythen

Der Ausgang der Schlacht selbst ist bis heute hingegen hoch umstritten. Ob er ein Sieg der Türken war oder auf ein militärisches Unentschieden hinauslief, darüber streiten bis heute die Historiker.

Fest steht jedenfalls, dass der Mut der Serben und ihrer Verbündeten den Vormarsch der Osmanen vorerst aufhalten konnten. Allerdings fehlte es ihnen nach der blutigen Schlacht an Mitteln und Kraft, um weiteren Angriffen standzuhalten. In den nächsten Jahren und Jahrzehnten sollten die Osmanen den gesamten Balkan erobern und bis vor die Tore Wiens vorrücken. Der Untergang Serbiens besiegelte auch das Schicksal des Byzantinischen Reiches, dem „Ost-Rom“, welches zwar mit den Serben verbündet, aber keine Truppen geschickt hatte.

Die Serbisch-Orthodoxe Kirche sprach den Fürsten Lazar schon alsbald heilig. In Legende und Mythos gab die Schlacht den Serben in den nächsten Jahrhunderten die spirituelle Kraft, um die Fremdherrschaft und Unterdrückung durch die Türken zu überstehen.

Am Vidovdan entschied sich das Schicksal Europas

Die Geschichte der Schlacht ist somit weit mehr als eine historische Begebenheit oder gar eine unter vielen, die sich während der osmanischen Eroberungen ereigneten.

Ihr Hintergrund und erst recht ihre spirituelle Aufladung und Opferbereitschaft bildeten die Grundlage für einen heute bestehenden moralischen Kompass, welcher allen Serben inne wohnt.

Daher ist es auch für Fremde kaum verständlich, was die Serben mit Kosovo verbinden. Oder warum Serbien diesen Landstrich nicht gehen lassen kann. Denn dort ist das Herz des alten mittelalterlichen Serbiens, dort fielen seine Helden und dort opferte sich das christliche Heer für den Glauben und für den Rest Europas.

Die Legenden und auch die historische Bedeutung der Schlacht suchen in Europa ihres Gleichen. Selbst Vergleiche mit der Nibelungensage in Deutschland werden ihr nur in Teilen gerecht. Denn auf dem Amselfeld handelte es sich um ein reales Ereignis, um eine tatsächlich stattgefundene Heldentat, welche für das Schicksal Serbiens, der Serben und Europas bis in die Gegenwart eine ungeheure Tragweite entfaltete.

Daher spielte der Feiertag auch seit der neuerlichen Staatsgründung Serbiens im 19. Jahrhundert eine wichtige Rolle. Er einte das Volk und tut es bis heute.

Dem allen gedenken wir heute und wissen im Herzen, dass die Helden um Lazar nicht umsonst gefallen sind. Denn in uns leben sie allesamt weiter, unvergessen und ruhmreich.

Wie wichtig ist der heutige Tag für Euch? Schreibt uns Eure Meinungen in die Kommentare.

Quelle: novosti.rs

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