Kurti pöbelt und beleidigt in Brüssel

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Serbiens Präsident Vucic spricht vor Pressevertretern
Foto: Instagram

Gleich am ersten Tag des neuen „Dialogs“ zwischen Belgrad und Priština kam es in Brüssel beinahe zum Eklat.

Die serbische Delegation unter Präsident Aleksandar Vučić war mit einigen klaren Richtlinien nach Belgien gefahren. Man werde einen unabhängigen Kosovo unter keinen Umständen anerkennen. Stattdessen sei es das Ziel die Etablierung der Gemeinschaft der serbischen Gemeinden im Kosovo zu forcieren.

Darüber hinaus sollten weitere Fragen geklärt werden, so zum Beispiel Probleme in der Bewegungsfreiheit der dort lebenden Serben, ihrer Sicherheit sowie das Thema der nach wie vor Vermissten.

Niemand auf dem internationalen Parkett dürfte darüber verwundert gewesen sein. Denn Serbiens Politik in dieser Frage ist klar und eindeutig. Selbst die Kosovo-Albaner dürften kaum etwas anderes ernsthaft erwartet haben.

Daher ist es umso überraschender, wie das Treffen in Brüssel ablief.

Vučić brachte es nach dem ersten Gespräch auf einen kurzen und knappen Punkt: „Es wurde vereinbart, den Dialog bis Ende Juli fortzusetzen. Und ich hoffe, dass dies eine wichtige Sache ist, welche die Wahrung des Friedens und Stabilität garantieren kann. Alles andere wäre unnötig zu kommentieren.“

Allein diese Formulierung lässt schon genügend Raum zu, wie es bei dem Gespräch zwischen beiden Seiten verlaufen sein musste.

Tatsächlich hatte die albanische Seite von vornherein sämtliche Punkte bezüglich der serbischen Gemeinden abgelehnt. Stattdessen kamen Forderungen und Beleidigungen.

„Sie forderten unsere dringend und unverzüglich von uns die Anerkennung der Unabhängigkeit des Kosovo. Außerdem sprachen sie von Zwischenfällen und Provokationen, da Serben in ihren Kirchen den Gottesdienst besuchen wollten. Ich war äußerst nett, weil ich mangels einer ernsthaften Antwort nicht noch auf andere Dinge hinweisen wollte“, erklärte Vučić gegenüber der Presse.

Vučić sorgt sich um die Sicherheitslage im Kosovo

Er ergänzte zudem, dass er in den nächsten Tagen mit den Serben aus dem Kosovo sprechen wolle. Er habe Angst, dass sich angesichts der ungeheuerlichen Verantwortungslosigkeit aus Priština ihre Sicherheitslage verschlechtern werde.

„Wir sind bereit, Tag für Tag die Gespräche fortzusetzen. Für uns gibt es nichts Wichtigeres als unsere Leute in Kosovo und Metochien zu schützen und alles zu respektieren, was bereits unterzeichnet wurde“, sagte der serbische Präsident weiter.

Abseits der direkten Gespräche werden auch weiterhin die technischen Teams im Hintergrund praktische Fragen bearbeiten, etwa das Thema der vermissten Personen. Allerdings wisse er nicht, um was es dabei noch gehen solle, da Belgrad bereits alles Menschenmögliche getan und akzeptiert habe.

Auf die Frage, wie sich die EU bei dem gestrigen Treffen verhalten habe, antwortete Vučić, dass deren Vertreter ein paar Mal einschreiten mussten, als es zu laut wurde. Er wolle da aber nicht ins Detail gehen.

„Sowohl Borrell als auch Lajčák hatten Recht. Vor allem Borrell. Ich kann ihm nichts vorwerfen. Der Mann hat die Situation vom ersten Moment an richtig verstanden“, erzählte Vučić.

Die Delegation aus Priština sei zudem mit einem neuen Punkt angekommen, von welchem nicht einmal die EU-Vertreter gewusst hätten. Anstelle der Gemeinschaft der serbischen Gemeinden, schlugen die Albaner vor, sie könnten im Kosovo einen Nationalrat für Minderheiten einführen, so wie er auch in Serbien existiert.

„Du hörst das alles und weißt nicht, ob Du lachen oder weinen sollst. Du verstehst, dass du es mit Menschen zutun hast, die weder seriös noch verantwortungsbewusst sind“, erzählte Vučić von seiner Reaktion auf diesen Vorschlag.

Kurti beleidigt mit Nazivergleichen

Dabei ginge es nur um Provokationen. Es habe absolut nichts gegeben, auf das man sich hätte verständigen können. Er habe zwar hart und direkt auf Kurti reagiert, sich aber nicht provozieren lassen. Denn genau dies wollte die Gegenseite.

Er habe weder Kurti beleidigt noch geflucht. Selbst als Kurti mitten in der Vermisstenthematik den Leiter der serbischen Vermisstenkommission, Veljko Odalović, einen „Göring oder Goebbels aus Miloševićs Partei“ nannte. Unglaublich, das werden auch die Herren aus Brüssel gesehen haben.

Die direkte Konfrontation mit Kurti, wie Vučić sie beschreibt, war von politischer Naivität und schrillen Tönen ohne Ende versehen:

„Wir konnten uns auf wirklich gar nichts verständigen. Der Mann kam nach Brüssel, um in keiner Weise einen gemeinsamen Nenner zu finden, sondern nur um zu sagen: „Ich bin gekommen, um Sie zu fragen, wann Sie einen unabhängigen Kosovo anerkennen werden.“ Meine Antwort war: „Nie.“ Und dann ist es explodiert.“

So sieht also die Diplomatie der sogenannten Republik Kosovo und des vielgerühmten „Hoffnungsträgers“ Albin Kurti in der Praxis aus.

Selbst die Gespräche mit Thaçi waren konstruktiver

Da kann man schon bald an die weitaus ruhigeren Gespräche mit Hashim Thaçi zurückdenken. Jener Ex-Terrorist und Angeklagte in Den Haag war außenpolitisch ein Pragmatiker, kein verbohrter und naiver Ideologe. Nicht zuletzt konnten bereits etliche technische Vereinbarungen ausgerechnet mit ihm getroffen werden.

Wäre Kurti bereits früher „Ministerpräsident“ seines Puppenhauses „Republik Kosovo“ geworden, wäre nicht einmal das gelungen.

Vučić hat zudem die Taktik hinter Kurtis Verhalten klar erkannt.

„Sie haben geglaubt, dass wir nach ihren Worten wütend den Raum verlassen, rausgehen und nie wieder zurückkehren würden. Dann hätten sie unzählige Argumente gehabt. Das haben wir aber natürlich nicht getan. Wir sind dem Dialog verpflichtet und werden weiter an diesem arbeiten.

Aber ich möchte, dass Sie verstehen, dass dies, was ich heute erlebt habe, nicht nach Dialog, sondern nach der Darstellung persönlicher politischer Ansichten aussah“, sagte der serbische Präsident an die versammelten Journalisten gewandt.

Auch auf Kurtis Drohungen, eine Klage wegen Völkermordes gegen Serbien einzureichen, hatte Vučić nur ein müdes Lächeln übrig. Er habe ihm darauf entgegnet, dass er mehr tun solle und stattdessen aufhören, immer nur zu drohen.

Nur auf die Fakten kommt es an

Letztendlich sind aber auch all die Dinge nicht von Relevanz. Letztendlich geht es um die Faktenlage.

„Das ist alles kein Problem. Das Problem ist der Inhalt. Das ist das Wesentliche, nicht die Form. Glauben Sie mir, er hat viel weniger gesagt, als er hätte sagen können. Aber das überlasse ich ihm. Heute haben sie einige Wahlen im Kosovo angekündigt. Aber lassen Sie sie ruhig prahlen und sagen, was sie wollen. Für uns ist nur das Wesentliche wichtig und damit sind wir zurzeit nicht zufrieden“, erklärte Vučić.

Es stelle sich jetzt jedoch die Frage, ob Kurti überhaupt etwas mit dem Dialog erreichen wolle und auf Kompromisse eingehe. Die serbische Delegation werde aber auch bei solchen Provokationen wie heute nicht weichen und den Dialog aufkündigen. Das wäre ein fataler Fehler und würd Kurti nur in die Hände spielen, um international mit dem Finger auf Serbien zeigen zu können.

Wenn Kurti auch in Gegenwart von anderen Beobachtern und Verhandlungsteilnehmern sich weiterhin so aufführt, könnte es jedoch sein, dass man vielleicht bald mit dem Finger auf ihn zeigt. Wer weiß.

Was haltet Ihr von Vučićs Reaktion bei dem Gespräch? Sollte Belgrad den „Dialog“ abbrechen oder nicht? Schreibt uns Eure Meinungen in die Kommentare.

Quelle: politika.rs

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