Kon sieht Gefahr von neuem Lockdown

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Predrag Kon sieht Serbien auf einen neuen Lockdown zusteuern
Foto: Tanjug

Dr. Predrag Kon, Epidemiologe und Mitglied des Corona-Krisenstabs, sieht die unmittelbare Gefahr eines neuen Lockdowns auf Serbien zukommen. Denn seit einiger Zeit steigen wieder die Fallzahlen. Neben Impfungen und den bekannten Hygienemaßnahmen könne ansonsten nur die Einführung eines Covidpasses als effektiv die Eindämmung des Coronavirus gewährleisten.

Tatsächlich gäbe es stattdessen keine Alternative außer einem neuerlichen zehntägigen Lockdown, sofern die Impfbereitschaft in der Bevölkerung nicht massiv steigen würde.

Problemen bezüglich der Verfassungsmäßigkeit bei der Einführung von Covidpässen hält er entgegen, dass dann nur harte Maßnahmen übrigbleiben. Dies sei bereits bei einem Treffen des Krisenstabs vor siebzehn Tagen zur Sprache gekommen. Sollten derlei Pässe nicht rechtskonform sein, sei der nächste Schritt klar.

„Dann reagiert der Krisenstab darauf und es werden restriktive Maßnahmen beschlossen. Wenn dies nicht geht, bitte ich uns zurückzurufen, denn wir haben sonst keine weiteren Vorschläge mehr“, so Kon.

Die Mediziner raten zu drastischen Maßnahmen

Die Krisenlage sei seiner Auffassung nach einfach zu ernst.

„Siebzehn Tage sind vergangen. Vor einer Weile sagte ich, dass ich ein weiteres Treffen abwarten werde. Dann wurde mir klar, dass es kein weiteres Treffen des Krisenstabs gab. Es gibt gewisse Behinderungen unserer Arbeit. Ich behaupte, dass diese nicht vom Krisenstab ausgehen. Zumal ich den Eindruck habe, dass wir als Feigenblatt verwendet werden. Bereits seit Mai sprechen wir über verschiedene Arten von Covid-Pässen“, so Kon.

Die Rechtmäßigkeit eines solchen Beschlusses falle nicht in sein Fachgebiet, so Kon. Er könne nur aus epidemiologischer Sicht argumentieren.

„Für uns steht aus medizinischer Perspektive fest, dass dies die einzige Maßnahme im Bereich der öffentlichen Gesundheit ist, welche die sich anbahnende Verschlechterung der Gesamtsituation verhindern kann. Wir sprechen bereits seit Anfang des Sommers über diese Option und auch, dass sie noch im Sommer kommen sollte. Stattdessen wurde ein Teil der Zeit für öffentliche Festivals und Veranstaltungen aufgewendet. Warum die Pässe noch nicht eingeführt wurden, erschließt sich mir nicht“, so Kon weiter.

Jugendliche sollen sich impfen lassen

Abgesehen davon sei die einzige Möglichkeit zur Bekämpfung der Corona-Krankheit die Impfung.

„Das Allerwichtigste ist die Impfung von Jugendlichen, welche wir ernsthaft eingeplant haben. Die Geschichte, dass es überall auf der Welt eine Gegnerschaft gegenüber den Impfstoffen gibt, löst sich inzwischen auf, weil sie einfach unwahr ist. Eine ganze Reihe von Ländern, welche zuerst hinter uns lagen, haben jetzt Impfquoten von 80 Prozent. Dort werden auch junge Leute geimpft.

Das zeigt nur, dass wir bei uns eine tiefverwurzelte Einstellung haben, dass wir keinen Impfstoff brauchen. Dies wiederum führt zu steigenden Krankheitsfällen und selbst bei Geimpften zu vermehrten Impfdurchbrüchen. Und während das medizinische Personal leidet, feiern einige und tun so, als wäre dies ein Beweis, dass man die Impfstoffe nicht brauche, da ja auch Geimpfte erkrankten“, erklärte Kon sichtlich verärgert.

Die Gegnerschaft zu den Impfungen müsse in Serbien weiterhin verhindert werden. Eine Diskussion mit Impfgegnern sei einfach nicht zielführend. Das habe sich inzwischen mehrfach gezeigt.

„Das ist kein gewöhnlicher Meinungsaustausch mehr. Es wirkt sich direkt darauf aus, ob Menschen sterben. Die Zahl der registrierten Todesfälle ist deutlich geringer als die tatsächlichen Coronatoten. Bei uns sterben Menschen, welche nicht in die Gesundheitseinrichtungen kommen, weil diese überfüllt sind und bereits am Limit arbeiten.

Und es wird zu einer Katastrophe kommen, in welcher die Patienten nicht mehr am Ort des Krankheitsgeschehens untergebracht werden können“, erklärte Kon.

Das würde aber zu einer weiteren Verbreitung der Krankheit beitragen. Die sicherlich drastischste Maßnahme wäre daher alles für zehn Tage zu schließen.

Ignoranz und Boykott hätten zur jetzigen Lage geführt

„Alle Kontakte werden dann für zehn Tage unterbrochen. Das wär es. Wenn Sie mich fragen, wäre es aber am vernünftigsten, Covid-Pässe einzuführen sowie obligatorische Impfungen des Gesundheitspersonals sowie des Personals im öffentlichen Dienst, wenn es viel Bürgerkontakt hat. Es gibt keinen Verhandlungsspielraum mehr. Es gibt registrierte Todesfälle, welche wir konkret vor uns sehen. Allein im Vorjahr starben über 10.000 Menschen an Covid. Das ist eine Situation, in welcher wir mit unseren Leben speilen. Das ist vollkommen inakzeptabel“, erklärte der Epidemiologe.

Weiterhin sagte er auch, dass ihn als Mediziner die politischen Aspekte der Maßnahmen nicht zu interessieren haben. Ihm gehe es um die konkrete Seuchenbekämpfung. „Es bleibt einfach keine Zeit mehr zum Nachdenken. Die Impfungen müssen beschleunigt werden. Werden Maßnahmen nicht eingehalten, muss es Sanktionen geben. Das sagt der medizinische Teil des Krisenstabs bereits seit Monaten. Die öffentliche Durchführung verschiedenster Veranstaltungen zeugt von Respektlosigkeit, Ignoranz und Boykott der beschlossenen Maßnahmen. Wir sind bereits den ganzen Sommer darüber entsetzt. Jetzt gibt es einfach nichts mehr zu diskutieren“, so Kon.

Glaubt Ihr, dass es zu einem neuen Lockdown kommt? Kann es sein, dass wir die Pandemie den Sommer über tatsächlich zu sehr auf die leichte Schulter genommen haben? Schreibt uns Eure Meinungen in die Kommentare.

Quelle: politika.rs

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