Serbische Herrscher – Teil Neun: Stefan Lazarević

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Der Sohn von Fürst Lazar, Despot Stefan Lazarević, auch als Hoher Stefan bekannt, hat in einer Zeit, als es fast unmöglich schien, erfolgreich zwischen den Osmanen und den Ungarn balanciert. Er hat Serbien signifikant modernisiert und erweitert und zum Wohl des Landes seinen langjährigen Rivalen, seinen Cousin Đurđe Branković, zu seinem Nachfolger erklärt.

Als sein Vater und serbischer Fürst, Lazar Hrebeljanović, 1389 auf dem Kosovo-Feld fiel, war der junge Stefan Lazarević erst 12 Jahre alt. Er reifte heran, im Bewusstsein, dass ihm der Thron und ein Land bevorstehen, das von zwei großen Reichen, dem Osmanischen und dem Ungarischen, begehrt wird. Obwohl sehr jung, fand er tapfer Wege, um das Volk und sein Territorium selbst in den schlimmsten Zeiten für Serbien diplomatisch, geschickt und kontrovers zu schützen, sogar zu erweitern.

Eine Vazallensituation war in solchen Umständen unvermeidlich, aber die Frage stellte sich, wessen Vasall er inmitten äußerer Angriffe und innerer Uneinigkeit im Kampf mit seinem Bruder Vuk und den Branković-Cousins werden sollte.

Mit den Veränderungen auf dem osmanischen Thron änderte sich auch die Politik, die der Despot verfolgte. Sein Zeitgenosse Konstantin Philosoph schrieb, dass Stefan am meisten über die Staatsführung von Sultan Bajazit, seinem Schwiegersohn, gelernt habe, mit dem er viele Schlachten geführt hatte. Die Schlacht von Ankara war jedoch entscheidend für Bajazit, Stefan und auch für Serbien.

Bajazit wurde gefangen genommen, und auf dem Rückweg aus Angora kehrte Stefan nach Konstantinopel zurück, wo ihm Kaiser Johannes VII. Palaiologos den Titel Despot verlieh, die höchste Herrschaftsposition des Ostens nach dem Kaiser. Als Ehefrau nahm er die Genuesin Jelena Gatiluzi, die Tochter des Herrschers von Mytilene.

Am osmanischen Thron entstanden Meinungsverschiedenheiten, und der Despot erkannte, dass dies der richtige Moment war, sich Ungarn zuzuwenden und durch Vasallentreue sein Reich zu erweitern. So erhielt er von König Sigismund von Luxemburg die Verwaltung von Mačva und Belgrad, später auch Golubac, Srebrenica und einen Teil des heutigen Vojvodina mit Zemun, Zrenjanin und Bečej bis Apatin.

Der Despot erneuerte das Land in nur wenigen Jahren. Er baute Paläste, Kirchen und Schulen, reformierte die Armee sowie Gesetze über Bergbau und Handel, verwaltete klug die reichen Bergwerke in Novo Brdo und Srebrenica und machte Serbien zum größten Silberproduzenten und einer der wirtschaftlich stabilsten Länder im damaligen Europa.

Gemeinsam mit König Sigismund und zwanzig anderen europäischen Aristokraten gründete er den Drachenorden, der ursprünglich für den Schutz der königlichen Familie des Heiligen Römischen Reiches – Sigismund – verantwortlich war. Später wurde die Hauptaufgabe des Ordens die Verteidigung des Kreuzes vor Feinden, insbesondere den Türken.

Besonders interessant ist, dass in fast allen alten Schriften, die den Despoten erwähnen, seine physische Schönheit beschrieben wird. Die Dubrovniker wandten sich an Stefan Lazarević als „Herr des hohen Körpers und Geistes“, denn sie beschreiben den Despoten als sehr großen Mann, dessen geistige und intellektuelle Größe durch seine Liebe zur Literatur und den schönen Künsten bereichert wurde.

In seinem Vermächtnis, Manasija (Resava), gründete Stefan die Resava-Schule für Abschriften und Übersetzungen, stattete sie mit einer herausragenden Bibliothek aus und versammelte dort Gelehrte. Er übersetzte persönlich Werke aus dem Griechischen und Lateinischen, darunter Werke von Plato, Aristoteles und Pythagoras. Seinem Biografen Konstantin Philosoph beauftragte er, eine Grammatik der serbischen Sprache zu erstellen, bekannt als „Erzählung über die Buchstaben“ (Geschichte über die Buchstaben).

Er schrieb auch eines der schönsten Werke der serbischen mittelalterlichen Literatur, „Das Wort der Liebe“, in dem er sich an eine unbenannte nahe Person wandte, mit der er im Streit lag. Es wird angenommen, dass diese Person sein Bruder Vuk ist, der wie die Brankovići nach Macht strebte, sich gegen den Despoten auf Seiten der Türken stellte und daher auch leiden musste.

Als die Krankheit ihn erreichte, bewies Despot einmal mehr seine seltene herrschaftliche Verantwortung und Weisheit. Im Bewusstsein, dass nach seinem Tod eine Spaltung eintreten würde, übergab er den Titel an seinen einstigen Feind, seinen Neffen Đurađ Branković, mit dem er sich gegen Ende seines Lebens durch Đurađs Mutter und seine Schwester Mare versöhnt hatte.

Ein solches Beispiel für eine Herrschaft, die frei von Eitelkeit ist, und selbstlose Hingabe an die Interessen des Landes ist äußerst selten. Deshalb ist Despot Stefan Lazarević einer der angesehensten serbischen Herrscher.

Quelle: Serbia.com

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