Serbische Wissenschaftler verurteilen die Idee der „Vojvodiner“

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Bei SANU lehnt man die vojvodinische Ethnodiskussion massiv ab
Foto: D. Milovanović

Die Serbische Akademie der Wissenschaften SANU hat sich jetzt ebenfalls zu den Vorstößen von Serbiens Ministerin für Minderheitenrechte, Gordana Čomić, geäußert. Dabei sparte SANU nicht an Kritik. Denn Čomić will für die nächste Volkszählung 2022 die ethnische Kategorie „Vojvodiner“ einführen.

Auch andere Minister hatten nicht an Kritik an der Ministerin gespart. Zumal sie jeglichen Fragen bisher mit unverhohlener Arroganz begegnete. Ihrer Auffassung nach ist die Einführung einer solchen Kategorie sowohl nach serbischem Gesetz rechtens als auch entsprechend sämtlicher Beschlüsse des Europarats.

Ob dies tatsächlich der Fall ist, darüber sollen Juristen entscheiden. Die politische Problematik hinter ihrem Vorschlag betrifft jedoch die Politik und somit auch die serbische Öffentlichkeit.

SANU hält die Initiative für spalterisch

In diesem Sinne äußerte sich jetzt auch SANU.

„Der Vorstand von SANU war von dieser Idee überrascht. Ohne das Recht eines jeden Einzelnen in Frage zu stellen, sich so zu bezeichnen, wie er will, halten wir diesen Vorschlag in seinem Wortlaut für einen gefährlichen Präzedenzfall. Die Akademie ist jedoch bereit, an wissenschaftlich fundierten Gesprächen teilzunehmen, die Ansichten ihrer Mitglieder zu erläutern und andere Meinungen anzuhören“, hieß es in ihrer Erklärung.

Das SANU-Mitglied Vasilije Krestić fand jedoch wesentlich schärfere Worte.

„Das ist staatlicher Separatismus und führt zur Abspaltung der Vojvodina. Die Idee wird von Leuten befürwortet, die nicht verstehen können, dass die Zeiten solcher Abspaltungen vorbei sind. Es ist vollkommen inakzeptabel, dass die Bevölkerung der Vojvodina als nationale Einheit betrachtet wird. Ich bin entschieden dagegen. Es geht um den Zerfall Serbiens!“, so Krestić im Interview.

Selbst in der Provinz kann man mit der Initiative nichts anfangen

Auch von Seiten der Provinzregierung der Vojvodina sowie aus der zugehörigen Regierungskoalition kam erneut massive Kritik. Man sprach sich entschieden gegen eine Existenz einer wie auch immer gearteten vojvodinischen Nation aus. Es handele sich um einen rein fiktiven Dialog mit unwahren Determinanten. Ministerin Čomić sowie einige kleinere Parteien in der Provinz hätten diese Scheindebatte bewusst initiiert. Eine Kategorie „Vojvodiner/Vojvodinerin“ sei in keinem Fall vergleichbar mit existierenden Minderheiten in Provinz wie Ungarn, Slowaken, Kroaten und anderen.

Weiterhin gab es bereits bei der letzten Volkszählung 2011 genügend Möglichkeiten für die Bürger um ihrer regionalen und lokalen Zugehörigkeit Ausdruck zu verleihen, beispielsweise als Bürger der Šumadija, der Vojvodina, Belgrads, Srems, Pirots etc. Diese gehörten allesamt zur Kategorie „Regionale Zugehörigkeit“.

Der Vorschlag Čomićs hingegen zielt geradewegs darauf ab, eine neue ethnische Kategorie einzuführen. Im Gegensatz zur regionalen Zugehörigkeit birgt dies einiges an politischem Sprengstoff.

Unterstützung findet die Ministerin bei einigen lokalen Parteien in der Vojvodina, welche sich bereits in der Vergangenheit für eine Loslösung aus dem serbischen Staat ausgesprochen haben.

Wird dem Vorschlag der Ministerin rechtzeitig der Riegel vorgeschoben? Würden sich überhaupt viele Leute als „Vojvodiner“ bezeichnen? Schreibt uns Eure Meinungen in die Kommentare.

Quelle: novosti.rs

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