Mediziner schockiert über Corona-Demo

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Anti-Coronademo in Belgrad
Foto: A. Vasiljević

Die Ereignisse in Belgrad am vergangenen Samstag schockiert nachhaltig Ärzte, Epidemiologen und Politiker. Tausende Menschen hatten sich in Belgrad zu einer Demonstration versammelt, um gegen die Maßnahmen der Regierung im Kampf gegen Covid-19 zu demonstrieren. Dabei skandierten sie Parolen gegen die „Corona-Diktatur“ der Regierung.

Allerdings schein es, als ob die Teilnehmer sich nicht nur um ein homogenes Thema versammelt hatten. Es gab auch Rufe gegen die LGBT-Bewegung sowie gegen Migranten in Serbien. Über Lautsprecher ertönten auch Lieder über den Kosovo. Viele forderten auch ein Ende der Globalisierung oder gar den Stopp der Arbeiten der Bergbaufirma Rio Tinto bei Valjevo. Bei letzterem handelt es sich um ein geplantes Projekt zur Gewinnung von Lithium.

Den Abschluss der Demonstration bildete ein großer Reigentanz, der serbische Kolo, rund um die neue Statue von Stefan Nemanja.

Hätte man Branislav Tiodorović, einen der bekanntesten Epidemiologen des Krisenstabs, nach seiner Meinung zu den Demonstranten gefragt, wäre die Antwort sicherlich klar gewesen. Denn der Mediziner hatte sich schon vor Wochen dafür ausgesprochen, den Strafkatalog entsprechend auszuweiten und Verstöße gegen die Coronamaßnahmen strafrechtlich zu ahnden.

Zuletzt hatte er dies sogar noch am Samstag getan, dem Tag der Demonstration.

Die Bevölkerung scheint derweil gespalten zu sein. In den sozialen Netzwerken hagelte es zahlreiche negative Kommentare zum „Corona-Kolo“. Auf der anderen Seite gibt es auch viele User, die ein Aufbegehren gegen die „Corona-Diktatur“ fordern. Alles in allem entspricht diese Frontenbildung auch dem, was man bereits aus anderen Ländern kennt.

Mediziner und Politiker verurteilen Demonstration

Etliche Personen des öffentlichen Lebens, des Staatsdienstes und auch des medizinischen Sektors übten scharfe Kritik an der Anti-Coronademonstration. Der Notarzt Dr. Aleksandar Stijačić sagte gegenüber RTS:

„Ehrlich gesagt, der Kolotanz, der Trotz und auch die Späße, ich weiß nicht, was das alles soll. Jeder, der hier tanzte, könnte in eine Klinik für Infektionskrankheiten kommen, um die armen Leute zu sehen, die dort arbeiten. Oder in die Notaufnahme, wo die Patienten aufgenommen werden. Dort steigen sie über einander hinweg, als ob wir einen Kriegsfilm drehen würden. Dort herrscht eine Katastrophenstimmung, die nicht mehr mit Medizin in Friedenszeiten zu tun hat.

Wir tragen alle Schutzanzüge. Alle Kliniken in Belgrad sind inzwischen Covid-Kliniken, außer der Notaufnahme und dem Militärkrankenhaus. Wir transportieren Patienten quer durch Serbien. Wir fahren sie nach Kruševac, nach Smederevo. Nirgendwo gibt es mehr frei Betten. Dies ist eine ungeheuer tragische Situation, in der es keinen Ausweg mehr gibt, um eine Lösung zu finden.“

Ähnlich äußerte sich auch die Ministerin und Medizinerin Darija Kisić-Tepavčević. Gegenüber TV Pink sagte sie, dass wir heute in zwei parallelen Welten lebten. Einerseits gebe es die Bürgerinnen und Bürger, die in den Krankenhäusern lägen, andererseits jene, die auf der Straße seien, ausgingen, Kolo tanzten und sich nicht um die Maßnahmen scherten.

„Anfangs gab es Leute, die sagten, dass diese Krankheit nicht existiert oder nur eine Grippe sei. Das kann sogar heute noch hören. Ich kenne jedoch niemanden, der nicht jemanden kennt, der krank war, im Krankenhaus lag oder gar verstorben ist“, so Kisić-Tepavčević.

Auch der Bürgermeister von Belgrad, Zoran Radojičić, meldete sich zu Wort. Die Szenen von den tanzenden Bürgern am Save-Platz seien nur schwer zu ertragen, so der Bürgermeister.

Radmilo Janković, der stellvertretende Direktor des Klinikzentrums von Niš bezeichnete die Szenen aus Belgrad als „russisches Roulette mit dem eigenen Leben“.

„Unsere Intensivstation ist mit sechzig Patienten fast voll. Vierzig sind in Kruševac. Es gab noch nie so viele“, sagte er gegenüber Journalisten. Er hoffe daher, dass die Maßnahmen noch weiter versteht werden würden.

Forderung nach härteren Strafen

Wie diese aussehen sollten, hatte Branislav Tiodorović bereits vor einiger Zeit gesagt. Seiner Auffassung nach, sollte die Nichteinhaltung der Maskenpflicht in geschlossenen Räumen mit einer Geldstrafe von 5.000 Dinar geahndet werden. Außerdem sollten alle, die sich nicht an die Maßnahmen hielten mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen müssen. Seiner Auffassung nach böten die Gesetze sogar Raum für Inhaftierungen bei besonders schweren Fällen.

Tatsächlich will die Regierung die bestehenden Maßnahmen noch weiter verschärfen, um wieder die Kontrolle über die Pandemie zu erlangen. Der Krisenstab soll dazu im Laufe des heutigen Tages eine Bekanntgabe veröffentlichen.

Auch in anderen Städten Europas brodelt es derweil. Immer mehr Menschen gehen auf die Straßen, um gegen Lockdowns und andere Maßnahmen zu beschließen. Das Spektrum der Demonstranten reicht dabei über ein weites Feld. Von vernünftigen Kritikern der von den Regierungen verabschiedeten Maßnahmen, über Impfgegner und Esoteriker bis hin zu Verschwörungstheoretikern ist so ziemlich alles dabei und auf den Demonstrationen vertreten.

Wie steht Ihr zu der Demonstration in Belgrad? Würden härtere Strafen tatäschlich etwas bringen oder die Leute nur noch wütender machen? Schreibt uns Eure Meinungen in die Kommentare.

Quelle: politika.rs

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