Bosnien und Herzegowina erwägt Klage gegen Pfizer

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Pfizer Firmenzentrale
Foto: Tanjug/AP

Zwischen Bosnien und Herzegowina und der US-amerikanischen Firma Pfizer bahnt sich ein Rechtsstreit an. Hintergrund sind die bisher ausgebliebenen Lieferungen des von Pfizer und Biontech entwickelten Impfstoffs gegen Corona.

Bosnien und Herzegowina hatte bereits im September des letzten Jahres eine Summe von 10,5 Millionen US-Dollar gezahlt. Allerdings ging die Bestellung nicht direkt an das US-Unternehmen, sondern wurde im Rahmen des von der WHO organisierten CoVax-Programms abgewickelt.

Pfizer und die Verantwortlichen von CoVax wiederum begründen die ausgebliebenen Lieferungen damit, dass Bosnien und Herzegowina einige wichtige Kriterien erfüllt. Diese beinhalten die sachgemäße Lagerung und Verteilung des Impfstoffs sowie einige administrative und rechtliche Punkte, wie Radio Free Europe bekannt gab.

Das Pfizer-Produkt kann unter anderem mittel- und langfristig nur bei -70 Grad Celsius gelagert werden. Kurzfristig sind jedoch auch höhere Temperaturen möglich.

Die Kriterien verändern sich immer wieder

Man könnte jetzt natürlich so argumentieren, dass das Balkanland mit einem gekauften Produkt tun und lassen kann, was es will. Tatsächlich ergeben sich diese Verpflichtungen jedoch durch die Teilnahme an CoVax.

Von bosnisch-herzegowinischer Seite kommt hingegen massive Kritik am US-Unternehmen und an CoVax selbst. Der stellvertretende Gesundheitsminister Dušan Kojić sagte gegenüber der Presse: „Es kommen ständig neue Bedingungen.“ Man habe deshalb mit Pfizer ein direktes Treffen für diesen Freitag vereinbart.

Pfizer bestätigte gegenüber der Presse den Termin, machte aber keine weiteren Aussagen.

Für Bosnien und Herzegowina geht es um die Lieferung von 23.000 Dosen des Pfizer-Biontech-Impfstoffs. Astra Zeneca sollte weiterhin für die gezahlte Summe 153.600 Dosen des eigenen Präparats in das arme Balkanland liefern.

Das CoVax-Programm steht insgesamt in der Kritik. Ziel ist es, für eine weltweit gerechte Verteilung der benötigten Impfstoffe gegen Corona zu sorgen. Immer wieder kommt es jedoch zu Verzögerungen bei den Lieferungen.

Die EU ist jedoch nicht besser

Die Europäische Union hat daher sogar mit den Ländern des westlichen Balkans ein eigenes Verteilungssystem organisiert, welches jedoch seine ganz eigenen Tücken hat.

So hat Bosnien und Herzegowina zwar über diesen Mechanismus ebenfalls insgesamt 892.000 Dosen von Pfizer und dessen Konkurrenten Moderna bestellt. Die dringend benötigten Lieferungen aus der EU blieben jedoch bisher aus.

Tatsächlich bemühen sich bereits einige europäische Länder um bilaterale Abkommen mit China, Russland und anderen Staaten. Denn dort produziert man ebenfalls leistungsfähige Impfstoffe.

Vor allem Tschechien und Kroatien sind den Beispielen Ungarns und Serbiens gefolgt. Mit der Umgehung von EU-Regularien hoffen sie auf schnelle Lieferungen des chinesischen Präparats „Sinopharm“ sowie des russischen „Sputnik V“. Serbien konnte über diese Wege sogar auf Platz 1 bei den Impfungen auf dem europäischen Festland werden. Auch erhält Belgrad inzwischen Impfstofflieferungen aus Indien, wo das Präparat von AstraZeneca in Massen hergestellt wird.

Zusätzlich sei noch erwähnt, dass inzwischen sogar Kuba einen eigenen funktionierenden Wirkstoff entwickelt hat, um die südamerikanischen Länder kostengünstig und schnell unterstützen zu können. Ein Ziel, welches im Westen anscheinend selbst vor der unmittelbaren Haustür und den ärmeren Nachbarn keine Rolle zu spielen scheint. Auch Serbien leistet bereits in der Nachbarschaft Hilfe.

Kann BiH einfach nur nicht die versicherten Kriterien erfüllen oder spielt der Westen dort mit Menschenleben? Schreibt uns Eure Meinungen in die Kommentare.

Quelle: politika.rs

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