RT: Der NATO-Schirm schützt nicht vor Waldbränden!

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Photo: RTCG
Luftlinie sind es keine 250 Kilometer, aber mit dem Auto fährt man von der serbischen Stadt Niš bis zur Adriaküste Montenegros gut 500 Kilometer. Und das auf ziemlich schlechten Straßen. Man bekommt den Eindruck, zwischen beiden Orten des ehemaligen Jugoslawiens liegen Welten. Und seit Neuestem ist das anscheinend auch der Fall.
 
von Marinko Učur
 
In den jüngsten heißen Sommertagen durchlebten einige Orte der montenegrinischen Küste schwierige Momente. Vor allem Tivat, Kotor, die Halbinsel Luštica, aber zeitweise auch mehrere Vororte der Hauptstadt Podgorica waren von Waldbränden bedroht. Es ist nichts Neues, dass die Adriaküste Montenegros jedes Jahr mit Waldbränden konfrontiert ist. Diese sind nicht nur für die wenigen und schlecht ausgerüsteten Feuerwehreinheiten zum Albtraum geworden, sondern auch für die Regierung in Podgorica, der es nicht gelingt, diesen Bränden, die Menschen, Vermögen, aber auch die Tourismusbranche des jüngsten NATO-Mitgliedsstaates gefährden, ein Ende zu setzen.
 
In der eingangs erwähnten serbischen Stadt Niš sitzt das Serbisch-Russische Humanitäre Zentrum, kurz SRHC, das von der montenegrinischen Küste knapp eine halbe Stunde Flug entfernt liegt. Dieses Zentrum ist der NATO ein Dorn im Auge und wird von der Allianz als informelle russische Militärbasis in Serbien betrachtet. Die dort vorhandene Infrastruktur, sowohl die Luftfahrzeuge als auch die technische Unterstützung am Boden, kommt bei Notfällen zum Einsatz, vor allem für den vorbeugenden Schutz vor Waldbränden und anderen Naturkatastrophen. Sie wird im vollen Umfang nicht nur von der serbischen, sondern auch von der russischen Seite eingesetzt.
 
Schon unzählige Male hat die serbische Regierung Spekulationen dementiert, wonach es sich hierbei um militärische Einrichtungen handeln würde. Sie organisierte mehrmals Besuche von ausländischen und inländischen Journalisten, um die Öffentlichkeit über den humanitären Charakter des SRHC aufzuklären.
 
Vor Kurzem veröffentlichte die staatliche Presseagentur TANJUG die Meldung, dass am 12. Juli der stellvertretende Militärattaché der US-Botschaft in Belgrad, Hyrum Lowell Garvin, das Zentrum besuchte und vor Ort Einsicht in sämtliche ehemalige und laufende Missionen der am Flughafen in Niš untergebrachten Mannschaft und Technik bekam. Die amerikanischen Gäste hatten in diesem Zusammenhang keine Einwände und das offizielle Moskau wiederholte mehrmals, dass die amerikanischen Spekulationen in Bezug auf die Mission und auf die Absichten dieses Zentrums „nur kaltkriegerische Interpretation“ seien.
 

 
„Ich denke, ein paar Flugzeuge des Russischen Humanitären Zentrums sollten sich aufmachen und die Waldbrände in Montenegro löschen. Oder wäre das ein Angriff auf ein NATO-Mitglied?“
 
Hier gelangen wir zum möglichen Anknüpfungspunkt, der die montenegrinische Adriaküste theoretisch mit dem SRHC verbindet: Durch seinen jüngsten NATO-Beitritt hat sich Montenegro vom operativen Handlungsfeld dieses Zentrums im Süden Serbiens selbst ausgeschlossen. Das SRHC ist das größte Zentrum dieser Art auf dem Balkan und es war bislang in vielen Notstandssituationen – vor allem in Serbien, aber auch in den Nachbarstaaten, Montenegro eingeschlossen – humanitär tätig. Die Regierung von Montenegro hat durch ihren Beschluss, sich unter den Schirm der NATO zu begeben, sämtliche mögliche humanitäre Aktionen durch die Technik und Mannschaft des SHRC in Fällen wie diesen, wo Waldbrände mit nicht absehbaren Folgen drohen, verunmöglicht.
 
Die mächtigen russischen Flugzeuge Il-76 von der Basis in Niš, die knapp 44 Tonnen Löschwasser transportieren können und die wegen dieser Kapazität einzigartig in der Welt sind, wurden von der Regierung Montenegros nicht angefragt, um sich den Brandbekämpfungsteams anzuschließen. Selbst nach Appellen von besorgten Bürgern und Opposition, dass Montenegro sich selbst überlassen wurde und die NATO auf solche Situationen nicht reagiert, stellte sich die Regierung taub und stumm. Das ebenfalls der NATO angehörende und benachbarte Kroatien ist mit seinen eigenen Problemen und Brandbekämpfungsmaßnahmen an der eigenen Adriaküste beschäftigt. Deren Flugzeuge vom Typ Canadair CL-415 sind öfters defekt und reichen selbst zur Abdeckung ihrer eigenen Bedürfnisse nicht aus.

„Ich bitte vielmals um Entschuldigung, aber ihr seid doch alle verrückt geworden. Die NATO schürt Brände, sie löscht sie nicht.“

Somit ist Montenegro sich selbst und seinem Blick in Richtung Himmel überlassen, weil unter solchen Umständen nur ein erhoffter Regen die erschöpften Menschen und die kaum vorhandene Technik vor dem totalen Zusammenbruch retten kann. Zwei Agrar- und zwei Regierungsflugzeuge sind das Einzige, worauf sich Montenegro während dieser Waldbrandsaison verlassen konnte, und es scheint so, als hätte die NATO ihr jüngstes Mitglied auf Gedeih und Verderb der unvorhersehbaren Natur überlassen.

Update: Montenegro hat jetzt offiziell bei EU und NATO um Hilfe gebeten, woraufhin die Ukraine eine Antonov AN-32P (8 Tonnen Fassungsvermögen) entsandt hat.

Der Vize-Sprecher der NATO scheint allerdings nur Canadairs zu kennen:

 schickt Canadair Löschflugzeug zur Unterstützung von  im Kampf gegen Waldbrände unter  Katastrophenschutz-Mechanismus.“

 

„Die NATO hilft Montenegro beim Löschen der Waldbrände“

Quelle: RT Deutsch

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