Lage im Kosovo fürs Erste ruhig, aber angespannt

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Gestern kam es zu massiver Polizeigewalt in Kosovska Mitrovica
Foto: D.Z.

Im Norden des Kosovo hat sich die Sicherheitslage augenscheinlich wieder beruhigt. Nach dem Rückzug der Kosovo-Polizei und ihrer Spezialeinheit ROSU verlief die vergangene Nacht ruhig und still.

Inzwischen hat man auch wieder die gestern im nördlichen Teil von Kosovska Mitrovica und in der Nähe von Zvečan errichteten Barrikaden entfernt. Der Verkehr hat sich daraufhin wieder normalisiert.

Auf den Straßen im Norden von Kosovska Mitrovica zeigt sich jedoch immer noch eine Spur der Verwüstung vom gestrigen Tag. Patronenhülsen, leere Tränengaskartuschen und andere Dinge, die von der gestrigen Gewalt zeugen, liegen noch überall herum.

Lediglich die ausgebrannten Autos hat inzwischen die Polizei entfernt.

Zustand des serbischen Schussopfers inzwischen stabil

Bei den gestrigen Straßenschlachten mit der kosovo-albanischen ROSU-Einheit wurden insgesamt zehn serbische Bürger verletzt. Zwei von ihnen sogar schwer. So etwa der 36-jährige Srečko Sonfronijević. Ihn traf eine Kugel der Schergen Kurtis im Rücken. Nach Aussage des örtlichen Krankenhauses ist sein Zustand jedoch inzwischen stabil.

Die Lage eskalierte gestern, als Zollbeamte in Begleitung der Kosovo-Polizei mehrere Geschäfte, Lager und Apotheken im Nordteil von Kosovska Mitrovica stürmten. Die im Norden lebenden serbischen Bürger versammelten sich daraufhin und protestierten gegen das rigorose Vorgehen der Behörden. Die Lage eskalierte schließlich als die brutale und gewaltbereite ROSU-Einheit aus dem Süden eintraf.

Aber auch die Kosovo-Polizei berichtet von Verletzten aus den eigenen Reihen. So sollen acht ihrer Mitglieder verwundet worden sein. Außerdem beklagt man den Verlust mehrerer Fahrzeuge.

Weiterhin teilten die Behörden mit, dass sie acht Personen am gestrigen Tag festgenommen haben. Gegen ein Dutzend habe man einen Haftbefehl erwirkt, darunter zwei Serben.

Von offizieller Seite hieß es gestern aus Priština, dass der gesamte Polizeieinsatz der Bekämpfung des Schmuggels gedient habe. Deshalb sehen sich Kurti und seine Truppe vollkommen im Recht.

US-Amerikaner stellen sich verhaltend hinter Kurti

Wie immer werden sie dabei auch von den US-Amerikanern unterstützt. Die US-Botschaft in Priština erklärte gestern lediglich lapidar, dass man gegen jegliche Gewalt sei, sei sie gegen die „Regierung“, die Medien oder die Bürger gerichtet. Etwaige Täter müssten strafrechtliche Konsequenzen spüren.

Der US-Botschafter in Belgrad, Antony Godfrey, sparte hingegen nicht an Worten.

„Wir verfolgen die Situation in Nord-Mitrovica sehr aufmerksam. Ich habe die Erklärungen von Präsident Vučić, Premierministerin Brnabić und Petar Petković gelesen und stehe in engem Kontakt sowohl mit meinem Kollegen in Priština als auch mit den Vertretern der Quinta hier in Belgrad. Seien Sie sicher, dass wir starken Druck auf Priština ausüben und erwarten, dass die Leute dort Verantwortung für ihr Handeln übernehmen“, so der Godfrey.

Da ROSU im Nordteil von Kosovska Mitrovica wesentlich zur Eskalation beitrug und zudem noch scharfe Munition gegenüber unbewaffneten Menschen anwendete, sollten die Amerikaner am besten gleich in Priština auf Spurensuche gehen. Dies wird aber, wie so oft, nur ein Wunschtraum bleiben.

Priština rühmt sich für Einsatz gegen angebliche Schmuggler

In Priština selbst, rühmt man sich derweil der eigenen Taten. Der „Innenminister“ der „Republik Kosovo“, Xhelal Sveçla, erklärte, dass die gesamte Aktion in enger Zusammenarbeit mit den ausländischen Verbündeten erfolgt sei.

Weiterhin sagte er, dass es während der gesamten Zeit internationale Vertreter in den Einsatzzentren der Polizei gebe, welche bei der Erfüllung ihrer Aufgaben helfen würden.

Sveçla unterstrich derweil die offizielle Version des Einsatzes: „Diese Aktion richtete sich gegen den Schmuggel. Dies ist eine offene Wunde, durch welche die für den Staat „Kosovo“ vorgesehenen Finanzen verloren gehen. Wir haben uns im Zusammenhang mit der Aktion ständig in Abstimmung mit den internationalen Akteuren befunden.“

Godfreys Worte lassen jedoch eher auf einen Alleingang der Kosovo-Albaner schließen. Aber das muss natürlich auch nicht stimmen.

Angeblich gibt es überdies fast täglich derlei Aktionen, wie Sveçla weiter ausführte.

„Angesichts der gesamten Situation möchte ich betonen, dass wir uns zu Recht und Ordnung bekennen. Die heutige Aktion war erfolgreich und endete mit der Festnahme mehrerer Personen. Sie wurde im gesamten Kosovo durchgeführt und richtete sich somit in keiner Weise gegen die Bürger aus dem Norden des Landes. Unsere Institutionen werden eine Verletzung der verfassungsmäßigen Ordnung nicht tolerieren. Alle, die gegen das Gesetz verstoßen, werden verhaftet“, so der sogenannte Innenminister.

Wie die Durchsetzung von Recht und Ordnung unter Kurti aussieht, hat man gestern live mitverfolgen können. Die Spuren dessen sind auch heute noch zusehen.

Selbst wenn es sich zudem um eine Aktion gegen „Schmuggel“ handelte, hatte niemand aus der Kurti-Truppe irgendein Interesse daran, deeskalierend zu wirken. Selbst die Polizei-Einheiten im Norden des Kosovo waren vorab nicht informiert worden.

Kurti geht es um Einschüchterung und Provokation

Kurti will augenscheinlich mit solchen Aktionen, die im Norden lebenden Serben einschüchtern und sich zuhause als starken Mann verkaufen. Allein die vielen Verletzten, nicht zuletzt auch jene aus seinen eigenen Reihen zeugen vom Scheitern seines Plans.

Zudem spielt er abermals mit dem Feuer. Denn Serbiens Präsident Aleksandar Vučić erklärte gestern umgehend, dass man bei einem neuerlichen Einsatz der ROSU keine andere Wahl habe, als einzugreifen. Belgrad werde seine Bürger im Kosovo schützen. Und nicht nur dies. Man werde in einer direkten Auseinandersetzung auch gewinnen, so Vučić.

Wird die Lage im Norden des Kosovo weiter eskalieren oder pfeifen die Amerikaner Kurti beim nächsten Mal zurück? Schreibt uns Eure Meinungen in die Kommentare.

Quelle: politika.rs

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