Zwei serbische Bürger noch immer in Kabul

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Tumultartige Szenen am Flughafen Kabul
Foto: Twitter

Nach dem schnellen Einmarsch der extremistischen Taliban in Afghanistans Hauptstadt Kabul gerät die Lage zunehmend außer Kontrolle.

Zwar haben die Taliban offiziell angekündigt, keine Rache an ihren Gegnern verüben zu wollen. Diesen Aussagen traut aber niemand.

Tausende versuchen auszureisen, neben den dort tätigen Ausländern sind es vor allem Ortskräfte, welche für die Botschaften und ausländischen Hilfsorganisationen gearbeitet haben.

Unter den Ausländern, welche immer noch auf eine Möglichkeit zur Ausreise warten, sind auch noch mindestens zwei serbische Bürger. Marko Pribak und Aleksandar Cvejić arbeiteten für eine ausländische Firma in Afghanistan. Jetzt warten sie am Militärflughafen bei Kabul, um endlich rauszukommen.

Der Präsident geflüchtet, das Land in Auflösung

Wie Cvejić noch gestern serbischen Medien mitteilte, sei die Lage äußerst kritisch: „Die Lage ändert sich von Minute zu Minute. Taliban-Gruppen drangen ohne jeglichen Widerstand in die Stadt ein. Zwar haben Verhandlungen mit ihnen begonnen, aber der Präsident ist abgereist.“

Tatsächlich hatte der afghanische Präsident Aschraf Ghani noch am gestrigen Vormittag verkündet, dass er mit der Armee des Landes alles tun werde, um die Sicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten. Am Nachmittag zog er es jedoch vor, mit einem Flugzeug ins benachbarte Tadschikistan zu flüchten. Die vom Westen über zwanzig Jahre finanzierte und aufgebaute Armee, seit Beginn der Taliban-Offensive bereits in Auflösung, hat vollends die Waffen gesenkt.

Sie bekamen keine Flugtickets für die Evakuierung

Cvejić erzählt weiterhin, dass der zivile Flughafen von Kabul bereits geschlossen sei. Sein Kollege Pribak und er hatten ursprünglich den Plan verfolgt, mit einer Chartermaschine das Land zu verlassen. 24 Stunden vor der Abreise wurden jedoch sämtliche Flüge gestrichen.

„Wir haben in den letzten sechs Tagen versucht, Tickets für einen kommerziellen Flug zu bekommen. Alles wurde aber 24 Stunden vor dem Flug storniert. Wir haben keine Tickets und keinerlei Möglichkeit, das Land mit kommerziellen Flügen zu verlassen“, so Cvejić.

Serbiens Botschaft versucht Hilfe zu organisieren

Natürlich stehen beide in Kontakt mit der zuständigen Botschaft Serbiens. Allerdings befindet sich diese tausende Kilometer entfernt in Neu-Delhi, da Serbien keine direkte diplomatische Vertretung in Afghanistan unterhält. Der Botschafter Siniša Pavić versucht alles in seiner Macht stehende zu tun, um die beiden zu evakuieren. Auch soll noch angeblich ein weiterer serbischer Bürger in dem Land festsitzen.

Cvejić sagt, dass er und sein Kollege, jedoch bisher vollkommen abhängig von der Hilfe von Freunden waren.

„Kollegen und Freunde aus BiH, Kroatien und Slowenien haben uns hier geholfen. Von unserem Camp an diesen sicheren Ort zu gelangen. Wir befinden uns jetzt am Eingang zum Militärflughafen, wo wir auf die Genehmigung zum Eintritt waren. Die lassen hier niemanden evakuieren, der nicht auf der Liste steht“, so Cvejić.

Andere Ausländer warten ganz in der Nähe in einem von US-Soldaten bewachten Hotel. Darunter sind vor allem viele Amerikaner und Bürger Großbritanniens. Lange könne die Lage aber nicht mehr aufrecht gehalten werden, ist Cvejić überzeugt.

Warnschüsse am Flughafen, um Stürmung zu verhindern

Am Militärflughafen habe es bereits Warnschüsse von amerikanischen Truppen gegeben, um mehrere hundert Menschen daran zu hindern, dass Rollfeld zu stürmen. Die Panik der Leute ist mehr als begründet. Denn jeder, welchen die Taliban als Gegner ansehen, befindet sich in Lebensgefahr.

Eine anonyme Quelle sagte: „Die Menge ist vollkommen außer Kontrolle. Die Schüssen sind abgefeuert worden, um Chaos zu vermeiden.“

Bevor der Zivilflughafen geschlossen wurde, sei nach unbestätigten Angaben dort bereits ein bewaffneter Mann von Soldaten erschossen worden.

Derweil setzen die Taliban offiziell auf Diplomatie, zumindest geben sie sich so. Denn was sie wollen, ist eine baldige internationale Anerkennung ihres Emirats. Danach wird es wohl erst einmal darum gehen, ihr Regime im Innern zu stabilisieren. Die Ausschaltung ihrer Gegner dürfte dabei eines ihrer wichtigsten Ziele sein.

Taliban verlangen Frauen als Beute, Flucht bald unmöglich

Gleichzeitig fordern sie von der Bevölkerung auch schon Beute. So zwingen die Taliban die Bevölkerung bereits, ihnen alle unverheirateten Frauen im Alter zwischen 12 und 40 Jahren auszuhändigen. Diese sollen dann mit ihren Kämpfern zwangsverheiratet werden.

Hoffentlich kommen unsere Leute noch aus dieser Hölle raus. Wir hoffen aber auch, dass die Ortkräfte der westlichen Staaten noch rechtzeitig evakuiert werden. Die Chancen stehen dafür aber schlecht. Erst am Wochenende hatte die deutsche Bundesregierung ein würdeloses Debattieren begonnen, wie dies stattfinden soll. Die deutsche Bundeswehr hatte es zuerst abgelehnt, sich an der Evakuierung der Ortskräfte zu beteiligen. Das deutsche Innenministerium wollte erst klar stellen, welche Papiere die betroffenen Afghanen vorlegen müssten.

Da bekommt man große Zweifel, dass unsere Leute einen Platz in einem deutschen Flugzeug beginnen. Hoffen wir, dass Botschafter Pavić bei den russischen Verbündeten Glück hat.

Werden unsere Staatsbürger noch rechtzeitig rauskommen? Wie denkt Ihr über das Ende das 20-jährige Afghanistan-Abenteuer der NATO-Staaten? Schreibt uns Eure Meinungen in die Kommentare.

Quelle: novosti.rs

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